Zentralrat der Juden akzeptiert
Kritik an Mahnmal-Entscheidung

Die Kritik an der Beteiligung der NS-belasteten Firma Degussa hält auch nach der Entscheidung zum Weiterbau des Holocaust-Denkmals an. Der Zentralratspräsident der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, nannte die Entscheidung „unbefriedigend“.

HB BERLIN. Es würden die Gefühle einzelner Überlebender des Holocaust verletzt und tiefe Wunden berührt, erklärte Spiegel am Freitag in Berlin. „Dies hinzunehmen fällt uns außerordentlich schwer.“ Der Zentralrat akzeptiere dennoch die Entscheidung. Ein Ausschluss von Degussa hätte womöglich das ganze Projekt gefährdet, sagte Spiegel. Der Bau soll an diesem Montag fortgesetzt werden.

Spiegels Stellvertreter, Salomon Korn, kritisierte die Form, in der Degussa die eigene Vergangenheit aufarbeitet. Die erst 1997 von der Degussa in Auftrag gegebene Studie der eigenen Firmengeschichte werde von zwei Historikern angefertigt, die vom Unternehmen bezahlt würden, erklärte Korn. Die Studie liege auch noch nicht der Öffentlichkeit vor.

Die „bloße finanzielle Beteiligung“ am Entschädigungsfonds für Zwangsarbeiter, der erst angesichts drohender Klagen aus den USA gegründet worden sei, stelle auch keinen Nachweis für die angemessene Aufarbeitung der eigenen Geschichte während des Nationalsozialismus dar, sagte der Zentralrats-Vize.

Zweifel äußerte ebenfalls der Historiker Michael Wolffsohn (München). Degussa habe „wahnsinnige Lücken“ in ihrer Geschichte, sagte Wolffsohn der „Berliner Zeitung“. Degussa wies die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen habe drei Projekte zur Untersuchung seiner Geschichte begonnen, sagte eine Sprecherin.

Der amerikanische Architekt des Mahnmals, Peter Eisenman, begrüßte die Entscheidung für Degussa. Die Diskussion über die Rolle des Unternehmens im Nationalsozialismus sei aber wichtig gewesen, sagte Eisenman im ZDF. „Vergeben muss man immer. Das ist die Essenz dieser Gedenkstätte“, sagte er. Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos) sagte, damit werde ein „belastender Schwebezustand“ beendet. Die Entscheidung des Kuratoriums sei ein Zeichen dafür, „wie weit die Aufarbeitung der Geschichte tatsächlich vorangekommen ist“.

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