Zentralrat der Juden: Graumann kandidiert offiziell als Präsident

Zentralrat der Juden
Graumann kandidiert offiziell als Präsident

Dieter Graumann wird im November als designierter Nachfolger Charlotte Knoblochs zur Wahl des Präsidenten des Zentralrats der Juden antreten. Die Kandidatur wurde nun offiziell bestätigt. Derweil gibt es Streit mit und um einen Vertriebenen-Verband.
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HB FRANKFURT. Der Vizechef des Zentralrats der Juden in Deutschland, Dieter Graumann, hat jetzt formal seine Kandidatur für die Wahl zum neuen Präsidenten der Organisation erklärt. In einer Sitzung des Zentralrats-Direktoriums in Frankfurt am Main gab es dafür am Sonntag große Zustimmung, wie Generalsekretär Stephan Kramer am Montag mitteilte. Die jetzige Präsidentin Charlotte Knobloch hatte im Februar erklärt, bei der Wahl am 28. November nicht noch einmal anzutreten, "um bewusst einen Generationswechsel herbeizuführen". Graumann kam am 20. August 1950 in Israel zur Welt und anderthalb Jahre später nach Deutschland. Er wäre nach seiner Wahl der erste Zentralratschef, der die NS-Zeit nicht miterlebt hat.

Der Zentralrat der Juden lässt derweil seine Mitgliedschaft in der Stiftung "Flucht, Vertreibung, Versöhnung" aus Protest gegen zwei stellvertretende Mitglieder ruhen. Das teilte Generalsekretär Stephan Kramer in einem Brief an Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) mit.

In dem der dpa vorliegenden Schreiben heißt es, die beiden Vertreter des Bundes der Vertriebenen nähmen revanchistische Positionen ein, die mit dem Versöhnungsauftrag der Stiftung nicht vereinbar seien. Der Zentralrat lasse deshalb seine Mitgliedschaft im Stiftungsrat "bis auf weiteres" ruhen und behalte sich einen Austritt vor.

Um die Vertriebenen-Stiftung gibt es seit langem immer wieder Querelen. Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach, die für die CDU im Bundestag ist, hatte im Februar auf einen Sitz im Kuratorium verzichtet. Die vom Zentralrat kritisierten Vertreter Arnold Tölg und Hartmut Saenger sind stellvertretende Mitglieder.

Staatsminister Neumann bedauerte die Entscheidung des Zentralrats. "Die plurale Zusammensetzung des Stiftungsrats ist Garant dafür, dass der vom Bundestag mit großer Mehrheit beschlossene Zweck der Stiftung verwirklicht wird", sagte er. Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, forderte dagegen die Abberufung der beiden Vertriebenen-Vertreter. "Für die Opfer des Nationalsozialismus ist die Berufung von Geschichtsverdrehern in den Stiftungsrat eine unerträgliche Zumutung."

Der Bundestag hatte den Stiftungsrat erst im Juli neu gewählt und erweitert. Insgesamt entsendet der Vertriebenen-Verband sechs Mitglieder in das 21-köpfige Gremium, für jedes Mitglied gibt es einen Stellvertreter.

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