Zentralrats der Muslime reagiert empört
Wieder fasst ein CDU-Mann daneben

Der Affäre um die antisemitischen Äußerungen von Martin Hohmann schließt sich nahezu nahtlos der nächste Skandal in der Union an: Dieses Mal schießt der sächsische Bundestagsabgeordnete Henry Nitzsche in Richtung Muslime.

HB BERLIN. Nitzsche sagte der Unternehmer-Zeitschrift „DS-Magazin“ über das Wahlverhalten von türkischstämmigen Deutschen und Muslimen: Es sei „vergebliche Liebesmüh, um die Wählerstimmen von eingebürgerten Türken zu buhlen. Eher wird einem Moslem die Hand abfaulen, als dass er bei der Christlich-Demokratischen Union sein Kreuz auf den Wahlzettel macht.“ Darüber berichtete der Berliner „Tagesspiegel“. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland zeigte sich entsetzt.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach kündigte im „Tagesspiegel“ an: „Wir müssen mit Nitzsche genauso ein ernstes Gespräch führen wie mit Hohmann.“ Nitzsches Äußerungen seien „grober Unfug“ und nicht akzeptabel. Der 44-Jährige hatte das Interview von Mitte 2003 dem Bericht zufolge auf seiner Internetseite veröffentlicht, mittlerweile ist es dort aber nicht mehr zu finden.

Der Sprecher des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, kritisierte Nitzsches Äußerungen scharf. Der dpa sagte er: „Als hätte die Union nicht genug Probleme mit Herrn Hohmann, der verletzende Vorurteile in die Welt setzt, um Wähler am rechten Rand zu gewinnen. Jetzt versucht es ein anderer gegen die Muslime. Doch wir wissen, dahinter steckt Kalkül: immer zu drauf auf die Minderheit, um bei der eigenen Klientel zu punkten. Armer Herr Nitzsche.“

Nitzsche wurde vergangenes Jahr in den Bundestag gewählt. Der 44- Jährige ist seit 1993 CDU-Mitglied. Davor gehörte er der Deutschen Sozialen Union (DSU) an. Er ist Berichterstatter der CDU/CSU- Fraktion für den Stadtumbau Ost und die Altschuldenhilfe.

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