Zeremonie zur Kommandoübergabe in Kabul
Deutschland übernimmt Schutztruppe in Afghanistan

Gut ein Jahr nach Beginn ihrer bislang gefährlichsten Mission hat die Bundeswehr in Afghanistan das Kommando der internationalen Schutztruppe (ISAF) übernommen.

HB/dpa KABUL. Gemeinsam mit den Niederlanden führt Deutschland ein halbes Jahr lang die Soldaten aus insgesamt 30 Staaten. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sagte am Montag bei der Zeremonie zur Kommandoübergabe in Kabul, er rechne mit einem Abzug der ausländischen Truppen und damit auch der Bundeswehr nach den für das kommende Jahr geplanten Wahlen in Afghanistan. Die Feierlichkeiten wurden von Terrorwarnungen überschattet und fanden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen statt.

Struck wünschte den Soldaten bei der Kommandoübernahme „viel Glück und Gottes Segen“. Der Minister sprach von der bislang größten Herausforderung für die Bundeswehr. Das deutsche Kontingent soll in den nächsten Wochen von rund 1700 auf knapp 2200 Soldaten aufgestockt werden. Dann stellt die Bundeswehr etwa die Hälfte der ISAF-Soldaten. Afghanistans Staatspräsident Hamid Karsai dankte Deutschland, den Niederlanden und deren Vorgänger Türkei für ihr Engagement für den Frieden. „Danke, dass sie gekommen sind, uns zu helfen“, sagte er. Struck sagte, er gehe davon aus, dass die Lage in Afghanistan 2004 stabil genug für freie demokratische Wahlen sei. Stabile staatliche Strukturen würden es dann ermöglichen, „die Präsenz ausländischer Truppen und auch der Bundeswehr zu beenden“. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) war kürzlich von einem deutlich längeren Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan ausgegangen.

Vor der Kommandoübernahme hatte der Bundesnachrichtendienst (BND) vor Angriffen auf das deutsche Lager und auf Bundeswehr-Soldaten gewarnt. Die „Bild“-Zeitung berichtete unter Berufung auf Regierungskreise von BND-Warnungen vor einem möglichen Terroranschlag auf Struck selber. Der Minister sagte, der Bericht gebe „eine unnötige Dramatik“ wieder. Vor der Zeremonie war die höchste Sicherheitsstufe angeordnet worden. Mitte Dezember hatte sich vor dem deutschen Lager ein Attentäter in die Luft gesprengt. Mehrmals schlugen Raketen nahe des Camps ein. Struck wollte an diesem Dienstag nach Berlin zurückkehren.

Nach den Worten des Verteidigungsministers hat Karsai nach Ablauf des deutsch-niederländischen Kommandos im Herbst keine Einwände gegen eine Übernahme der ISAF-Führung durch die NATO. Nach einem Gespräch mit Karsai sagte Struck: „Er sieht keine Probleme mit einer NATO-Flagge hier in Kabul.“ Karsai verwies darauf, dass bisher alle Kommandonationen in Afghanistan NATO-Mitglieder gewesen seien. Struck sagte, für seinen Vorschlag habe er die Unterstützung von US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld „und anderer NATO-Kollegen“. Diskussionen gebe es noch mit Frankreich.

Struck gedachte bei seinem Besuch auch der sieben deutschen Soldaten, die kurz vor Weihnachten beim Absturz eines Hubschraubers nahe Kabul gestorben waren. An einem Gedenkstein „zu Ehren der Toten“ legte der Minister einen Kranz nieder. Bei Unfällen kamen bislang neun deutsche ISAF-Soldaten ums Leben. Bei der unsachgemäßen Entschärfung einer Rakete wurden vor knapp einem Jahr zwei deutsche und drei dänische Soldaten getötet.

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