Zeuge widerspricht Aussage von zwei Al-Kaida-Anführern
Zeuge sagt gegen Motassadeq aus

Der als mutmaßlicher Helfer der Attentäter des 11. September 2001 angeklagte Marokkaner Mounir el Motassadeq gehörte nach Aussagen eines Zeugen zum engeren Kreis um die Selbstmordpiloten.

HB HAMBURG. Der Zeuge Sahid Nickels zählte am Dienstag auf Fragen des Richters vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg neben Mohammed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah auch Motassadeq zum „engeren Kreis“. Damit widersprechen Nickels Angaben den Aussagen von zwei in US-Gewahrsam befindlichen Al-Kaida-Anführern. Den Aussagen der als mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge in US-Gewahrsam befindlichen Ramzi Binalshibh und Khalid Scheich Mohammed zufolge sollen weder Motassadeq noch sein aus Mangel an Beweisen freigesprochener Landsmann Abdelghani Mzoudi dieser Gruppe angehört haben.

Nickels berichtete am dritten Verhandlungstag der Neuauflage des Prozesses vor dem Gericht weiter, er habe sich 1997 der Gruppe angeschlossen, um den Glauben seiner Mutter, den Islam, besser kennen zu lernen. Als sich die Mitglieder der Gruppe immer weiter radikalisiert und schließlich von der Außenwelt abgekapselt hätten, habe er ab 1999 nicht mehr an den Treffen teilgenommen. Motassadeq sei er davor öfter in der Marienstraße begegnet, wo zeitweise die späteren Todespiloten Mohammed Atta, Marwan Alshehhi und Ziad Jarrah lebten. In der Gruppe sei damals viel darüber gesprochen worden, dass „man etwas gegen Amerika machen“ müsse. Er habe jedoch nie Einzelheiten von Plänen erfahren, berichtete Nickels dem Gericht. „Dass so etwas Großes passieren sollte, davon hatte ich keine Ahnung“, sagte der Zeuge, der bereits beim ersten Prozess gegen Motassadeq gehört worden war.

Motassadeq war in Hamburg als weltweit erster Angeklagter wegen Beteiligung an den Anschlägen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof hob das Urteil aber später mit der Begründung auf, die Regierungen der USA und der Bundesrepublik hätten möglicherweise entlastende Zeugenaussagen nicht zur Verfügung gestellt. Im April 2004 kam Motassadeq unter Auflagen aus dem Gefängnis frei. Das Verfahren gegen ihn wird nun vor einem anderen Strafsenat des Oberlandesgerichts Hamburg neu aufgerollt.

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