ZEW: Eichels Reform zeigt deutliche Wirkung: Steuerbelastung von Topverdienern gesunken

ZEW: Eichels Reform zeigt deutliche Wirkung
Steuerbelastung von Topverdienern gesunken

Deutschland ist trotz der deutlichen Steuersenkungen zum Jahresbeginn weit davon entfernt, einen Spitzenplatz in internationalen Steuerrankings zu belegen. „Bei Gutverdienern mit einem Nettoeinkommen von 100 000 Euro führen die Steuersenkungen zu einer Reduzierung der effektiven Belastung um etwa vier Punkte“, sagte die Steuerexpertin Christina Elschner vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) dem Handelsblatt.

asr DÜSSELDORF. Ein deutsches Unternehmen müsse heute gut 177 000 Euro aufbringen, damit der Mitarbeiter 100 000 Euro netto verdiene.

Elschner hat bereits mehrere Studien zum Vergleich der Steuerbelastung von Gutverdienern verfasst. 2003 landete Deutschland mit einer effektiven Belastung von 47,6 Prozent im hinteren Mittelfeld der alten EU-Staaten. Zum Jahresbeginn sanken die Einkommensteuersätze in Deutschland auf ein historisches Nachkriegstief: Der Eingangsteuersatz, der für Einkommen knapp oberhalb des Existenzminimums fällig wird, liegt bei 15 Prozent, für Einkommen oberhalb von 52 152 Euro werden 42 Prozent Steuer fällig. Der Opposition im Bundestag ist das noch nicht niedrig genug: Das Steuerkonzept von CDU/CSU sieht kurzfristig einen Spitzensatz von 39 Prozent vor, der mittelfristig auf 36 Prozent sinken soll; die FDP fordert 35 Prozent und Ex-Verfassungsrichter Paul Kirchhof strebt sogar 25 Prozent an. Zum Vergleich: Unter den alten EU-Staaten erhebt Luxemburg mit 38,95 Prozent den niedrigsten Spitzensatz, gefolgt von Portugal, Griechenland und Großbritannien mit je 40 Prozent, wie eine Übersicht des Bundesfinanzministeriums zeigt.

Mit der EU-Osterweiterung ist nicht nur der Wettbewerb um Investitionen, sondern auch der Kampf um die besten Köpfe schärfer geworden. „Es ist davon auszugehen, dass die Steuerbelastung eine durchaus nennenswerte Rolle beim Wettbewerb um Spitzenkräfte spielt“, sagte Elschner, die derzeit eine Studie zu dieser Fragestellung vorbereitet. Gerade in Osteuropa locken Steueroasen wie die Slowakei mit einem Spitzensatz von 19 Prozent, Lettland und Estland mit 25 beziehungsweise 26 Prozent. Um in diesem Wettbewerb bestehen zu können, hat Frankreich jüngst Steuererleichterungen für ausländische Arbeitnehmer angekündigt.

Was auf den ersten Blick ein Steuer-Eldorado zu sein scheint, kann sich bei näherem Hinsehen aber als Mogelpackung erweisen. Denn die osteuropäischen Staaten mit extrem niedrigem Spitzensatz haben einen proportionalen Tarif. Konsequenz: In Lettland verlangt der Fiskus bereits ab Jahreseinkommen von 382 Euro von jedem Euro Einkommen 25 Cent. Zum Vergleich: In Deutschland sind 7 663 Euro steuerfrei; berücksichtigt man noch Werbungskosten und Sonderausgaben stößt man fast an die 10 000 Euro-Grenze, die für Verheiratete sogar doppelt so hoch ist. Und von dem auch international recht üppigen deutschen Grundfreibetrag profitieren Spitzenverdiener ebenfalls; auf Grund der Progression sogar stärker als Geringverdiener.

Um die nationalen Steuergesetze vergleichbar zu machen, analysierte das ZEW die tatsächliche Belastung mit Steuern und Abgaben von Gutverdienern mit einem Nettoeinkommen von 100 000 Euro in den EU-25-Staaten sowie der Schweiz, den USA und Japan: Ergebnis für 2003: Unschlagbarer Spitzenreiter ist der Schweizer Kanton Schwyz. Hier muss eine Firma lediglich knapp 135 000 aufbringen, damit ein Mitarbeiter 100 000 Euro netto verdient. Im EU-Niedrigsteuerland Slowakei sind es fast 169 000 Euro, in Deutschland gut 190 000 Euro und in Finnland sogar mehr als 230 000 Euro.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%