Zimmererhandwerk wird Kompromiss vermutlich ablehnen
In der Baubranche steht der Tarifkompromiss vor dem Aus

Für die 800 000 Beschäftigten in der Baubranche steht die Tarifeinigung vor dem Aus. Am Mittwoch zeichnete sich ab, dass die erforderliche einstimmige Annahme des Kompromisses nicht zu Stande kommt. Das Zimmererhandwerk will nicht zustimmen.

HB BERLIN. Der Geschäftsführer des Innungsverbandes des Zimmererhandwerks Westfalen, Matthias Eisfeld, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Verband werde dem Tarifkompromiss zwischen Gewerkschaft IG Bau und dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) voraussichtlich nicht zustimmen.

„Es deutet sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit an, dass es zu einer Ablehnung kommt.“ Ohne eine Zustimmung aller Verbände des Baugewerbes kann der Vertrag aber nicht in Kraft treten. Der Innungsverband und fünf weitere Verbände hatten dem ZDB bei den Tarifverhandlungen das Mandat entzogen. Nach einer Reuters-Umfrage könnten die anderen fünf zwar zustimmen, dies reicht aber nicht aus. Die Erklärungsfrist für die Verbände läuft am Freitag aus.

Formal werde der Innungsverband Westfalen am Donnerstag seinen Beschluss zu dem Kompromiss fassen, sagte Geschäftsführer Eisfeld weiter. Die Stimmung habe sich aber klar gegen den Abschluss gedreht.

Ein Sprecher der IG Bau machte erneut deutlich, dass bei der Gewerkschaft der ausgehandelte Kompromiss erst genehmigt werden könne, wenn alle Verbände zugestimmt hätten. „Sonst kommt das gar nicht erst zur Abstimmung“, sagte er. Zudem werde es keine Rosinenpickerei geben, bei der einzelne Verbände bestimmte Bedingungen des Kompromisses außer Kraft setzen könnten.

ZDB-Tarifexperte Harald Ströer sagte, der Verband werde sich erst äußern, wenn das endgültige Ergebnis aus den Verbänden vorliege. Bei einem Scheitern des Kompromisses würde der bisherige Bau-Tarifvertrag weiter gelten, da im ungekündigten Zustand verhandelt wurde. Das heißt, weder Arbeitszeitverlängerung noch Lohnerhöhungen würden zunächst umgesetzt.

Ende Juni hatte sich die Industriegewerkschaft BAU mit dem ZDB, der mittelständische Firmen vertritt, und dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), der die größeren Unternehmen in der Branche repräsentiert, auf den Kompromiss verständigt. Danach akzeptiert die Gewerkschaft eine Erhöhung der Arbeitszeit um eine Stunde auf 40 Stunden pro Woche ohne Lohnausgleich und die teilweise Absenkung des Urlaubsgeldes. Dafür sollen die üblichen Kündigungen zum Winter wegfallen. Nach Gewerkschaftsangaben sind davon jährlich rund 250.000 Beschäftigte betroffen.

Der Mindestlohn soll dem Tarifabschluss zufolge zwar um 1,7 Prozent gesenkt, dafür aber weiter festgeschrieben werden. Vor allem der Fortbestand des Mindestlohnes hatte Widerstand bei ostdeutschen Bauunternehmern ausgelöst.

Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hessen, Bremen und Thüringen hatten neben dem Innungsverband Westfalen dem ZDB das Mandat entzogen. Niedersachsen hatte allerdings im Nachhinein seine Zustimmung trotz Bedenken signalisiert. Nach Auskunft des ZDB gilt das gleiche für Hessen und Bremen. Der thüringische Geschäftsführer der Baugewerbe-Verbände, Klaus-Peter Dünkler, kündigte ebenfalls ein Ja an. „Wir werden mit Bauchschmerzen zustimmen“, sagte er. Für Schleswig-Holstein sagte Hauptgeschäftsführer Georg Schareck eine knappe Abstimmung am Donnerstag voraus. „Ich hoffe aber, dass aus übergeordneten Gründen das Gesamtpaket gehalten wird.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%