Zinskosten
Unternehmensteuerreform belastet Firmen in der Rezession zusätzlich

Deutschlands Industriekonzerne erwarten in der Rezession zusätzliche Lasten durch die Unternehmensteuerreform: Die neue Zinsschranke begrenzt seit diesem Jahr den steuerlichen Abzug von Zinskosten auf 30 Prozent des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen.

BERLIN. Deutschlands Industriekonzerne erwarten in der Rezession zusätzliche Lasten durch die Unternehmensteuerreform. "Ich befürchte, dass wir im kommenden Geschäftsjahr nicht mehr alle Zinskosten steuerlich geltend machen können", sagte Bernd Jonas, Generalbevollmächtigter bei Thyssen-Krupp, dem Handelsblatt. Eine Vorhersage über den Gewinn gebe es angesichts der unklaren Konjunkturlage für den Stahlkonzern zwar nicht, es sei aber klar, dass der Gewinn gegenüber dem Geschäftsjahr 2008, das am 30. September endete, sinken werde. "Die Gefahr wächst, dass dann die Zinsschranke wirkt", so Jonas.

Die neue Zinsschranke begrenzt seit diesem Jahr den steuerlichen Abzug von Zinskosten auf 30 Prozent des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda). Die Große Koalition will damit Konzerne davon abhalten, das Deutschland-Geschäft vorwiegend über Kredite zu finanzieren, die Zinskosten in Deutschland steuerlich abzusetzen, und Gewinne in Niedrigsteuerländer wie Irland zu verlegen. Die Zinsschranke zählt zu den Gegenfinanzierungsmaßnahmen, mit denen die Bundesregierung die Einnahmeausfälle als Folge der Steuersenkung für Firmen zum Teil ausgleichen will.

"Die Zinsschranke wirkt automatisch dann am stärksten, wenn der Gewinn im Abschwung zurückgeht und gleichzeitig die Zinskonditionen für Firmen härter werden", sagte Jonas. Weil zur Zeit die Banken ihr eigenes Geschäft sanieren müssten, sei mit stärker steigenden Zinskosten als üblich zu rechnen. "Aus vielen Konzernen kommen jetzt Signale, dass sie 2009 ein Problem mit der Zinsschranke haben werden", sagt auch BDI-Steuerexpertin Antje Fellinger. Reden wollen die meisten Konzerne darüber allerdings nicht. "Das käme ja einer Gewinnwarnung gleich", begründete dies ein Experte.

Es gibt für die Unternehmen zwar eine Escape-Klausel: Danach greift die Zinsschranke nicht, solange der Zinsanteil im Gesamtkonzern im Verhältnis zum Eigenkapital gleich hoch ist wie in Deutschland. Konzerne mit Hauptsitz in Deutschland können diese Klausel aber in der Praxis kaum je nutzen: Der Wert von Tochtergesellschaften zählt nämlich nicht zum Eigenkapital der Holding. In ihr werden aber fast alle Kredite und damit auch die Zinskosten gebündelt.

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