Zitterpartie in Kiel

Schleswig-Holstein ohne klaren Sieger

Die Schleswig-Holsteiner haben es spannend gemacht: Bei der Landtagswahl gibt es keinen klaren Sieger. Zwar liegt die CDU leicht vorn, doch die SPD schmiedet schon Koalitionspläne. Jubeln dürfen dagegen FDP und Piraten.
Update: 07.05.2012 - 00:40 Uhr 33 Kommentare
CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager (l) und SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig bei der Elefantenrunde: Kopf-an-Kopf-Rennen. Quelle: dpa

CDU-Spitzenkandidat Jost de Jager (l) und SPD-Spitzenkandidat Torsten Albig bei der Elefantenrunde: Kopf-an-Kopf-Rennen.

(Foto: dpa)

KielPolitkrimi in Kiel: Die Landtagswahl hat am Sonntag unklare Machtverhältnisse in Schleswig-Holstein gebracht. Die bisher regierende CDU landete prozentual hauchdünn vor der oppositionellen SPD. Beide Parteien errangen aber gleich viel Sitze im neuen Landtag. Dort reicht es weder für Schwarz-Gelb noch für Rot-Grün. Als wahrscheinlichste Koalition zeichnet sich ein Bündnis aus SPD, Grünen und Südschleswigschem Wählerverband (SSW) - die „Dänen-Ampel“ - ab. Diese hat aber nur eine riskante Ein-Stimmen-Mehrheit. Eine Woche vor der bundespolitisch wichtigeren Wahl in Nordrhein-Westfalen feierte die angeschlagene FDP ein unerwartet starkes Comeback. Die Piraten setzten ihren Siegeszug fort. Die Linke patzte dagegen.


Nach dem vorläufigen amtlichen Ergebnis siegte die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Jost de Jager mit 30,8 Prozent. Die SPD von Torsten Albig kam mit 30,4 Prozent auf den zweiten Platz. De Jager wie Albig erhoben den Anspruch, die neue Regierung zu bilden. Albig will das trotz der Ein-Stimmen-Mehrheit für diese Konstellation tun. Hinter CDU und SPD lagen die Grünen mit 13,2 Prozent - ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl im Norden. Die von der Popularität ihres Spitzenmannes Wolfgang Kubicki profitierende FDP verbuchte mit 8,2 Prozent trotz hoher Verluste ihr zweitbestes Ergebnis überhaupt. Kubicki bescherte den zuvor aus sechs Landtagen geflogenen Liberalen den ersten Erfolg seit mehr als einem Jahr.

Die Piraten zogen mit 8,2 Prozent nach Berlin und dem Saarland erneut in ein Parlament ein. Die Linke flog nach nur zweieinhalb Jahren mit 2,2 Prozent wieder aus dem Landtag. Sie hat weiter Probleme, sich in Westdeutschland zu etablieren. Die Partei der dänischen Minderheit, der Südschleswigsche Wählerverband (SSW), für den die Fünf-Prozent-Klausel nicht gilt, erhielt 4,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag mit rund 60 Prozent so niedrig wie nie zuvor in Schleswig-Holstein.

Daraus ergibt sich folgende Sitzverteilung: CDU: 22, SPD: 22, Grüne: 10, FDP: 6, Piraten: 6, SSW: 3.

Große Koalition oder Dänen-Ampel?
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Zitterpartie in Kiel - CDU ganz knapp stärkste Partei vor der SPD

33 Kommentare zu "Zitterpartie in Kiel: CDU ganz knapp stärkste Partei vor der SPD"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wenn die NRW-FDP schlau wäre, würde Sie in dieer Woche noch Herrn Schäffler heir auftreten lassen der sich ganz glasklar gegen den ESM positioniert.

  • bjarki
    ja klar. Deswegen hat man ja auch diese Riesendebatte gegen REchts in letzter Zeit angefangen
    "Mach viel Wind von rechts, damit Du in Ruhe links installieren kannst" (oder auch umgekehrt, gilt es genauso)
    So ähnlich hat es mal Konfuzius gesagt

  • Herbert
    In NRW liegen sie derzeit bei 6% nach neuesten Umfragen

  • "Dänen lügen nicht??" Ha! Ha! Ha!
    "Mit Dänen kann man's ja machen!" Das stimmt.
    Das Danewerk hat wenige WEltmarktführer. Ein mir bekannter ist Vestas. Eine tolle Firma, die ihre Anleger so lange über ihren wirklichen Zustand belügt, bis es eben nicht mehr anders geht und dann wieder einbricht.
    Hier mal nachsehen:
    http://finanzen.handelsblatt.com/kurse_einzelkurs_charts.htn?edit=1&i=3722691&zeit=50000&zeit_von=&zeit_bis=&chartType=0&logScale=1&highLow=1&payment=1&split=1&transactionVolumeUnit=1&compareType=percent&averageType1=linear&average1=30&benchmark=0&averageType2=linear&average2=200&i1=0&i2=0&i3=0&i4=0

    So ist das richtig: "Dänen lügen, nicht?"

    Das ist nicht Dänenfeindlichkeit sondern nur die realistische Erkenntnis derer Bunkermentalität. Da kommt so was dann von.

  • was soll denn an der Wahl gefälscht sein? 57% Wahlbeteiligung!

    Man hat vielleicht Menschen aus den Seniorenheimen an die Wahlurnen mit Bratwürtchen eskortiert. nur so lassen sich die 8% für die FDP erklären.

  • ...die niedrige Wahlbeteiligung zeigt deutlich, die Piraten ziehen keine Nichtwähler an und werden einfach überschätzt, enttäuschte Linkewähler unter dem Deckmantel der Transparenz mit pseudosozialistischen Vorstellungen, mehr ist es zum Glück nicht drin

  • RobertSchumannsErben

    >> Kubicki als Nordlicht, eine gestandene,
    >> glaubhafte Instanz, hat die Wahl durch
    >> sein persönliches Engagement gewonnen

    Was das heute journal (das ich nach einem furiosen Tatort und in freudiger Erwartung der neuen Lewis-Folge über mich ergehen liess) nicht davon abhielt, ihn als "Halodri" zu titulieren ...

    Ich kann schon verstehen, daß die ÖR-Medien einen schlechten Ruf haben, wenn ich solch ausgemachten Vollidioten bei der Arbeit zugucken muss.

    Auch wenn Sie jetzt eine Herzattacke bekommen: Mich hat's gefreut, daß der Kubicki _seinen_ Erfolg kassiert hat. Der hatte ja wohl nichts mit der Partei zu tun, deren Mitglied er ist.

  • @energieelite

    Es gibt _noch_ einen Grund, den die meisten übersehen:

    Sonstige 2012 2,5% 2009 3,7 %

    Dazu dürften dann alle Islamophoben und EuroNeurotiker zählen und ein Minus von 1.2% ist für mich jedenfalls ein Grund ... na gut - für Sie - ... jetzt den Pinau de Charentes, (ein Likör, der in den leeren Cognac-Fässern vergoren wird) zu öffnen, ein "wänziges Schlöckchen" in ein Glas zu füllen und mit Ihnen anzustoßen.

    Über den Erfolg der Partei "Die Linke" habe ich mich übrigens genau so gefreut wie Sie ;-)

    Grüße

  • Wäre aber vielleicht auch etwas für den Bund. Im Gegensatz zu Merkäuble gilt bekanntlich: Dänen lügen nicht !
    Wäre mal ein ganz neues Modell: Dänen für Berlin.

  • #rene
    Ähem, es handelte sich hier um eine Landtagswahl, die Bundestagswahl kommt später.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%