Zivildienstdiskussion
Besorgnis unter Sozialverbänden

Die Verkürzung des Wehr- und Zivildienstes stößt auf immer größere Bedenken. Der Einschnitt sei der "Anfang vom Ende", so die Sozialverbände. Sie befürchten drastische Auswirkungen auf das Gesundheitswesen.
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HB BERLIN. Wohlfahrtsverbände schlagen wegen der geplanten Verkürzung des Zivildienstes Alarm. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnte am Dienstag vor verheerenden Auswirkungen für das Sozial- und Gesundheitswesen. Es werde zu einer Kostenexplosion kommen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband erwägt, auf den Einsatz von Zivildienstleistenden zu verzichten. Union und FDP hatten sich in ihren Koalitionsverhandlungen auf eine Verkürzung des Wehrdienstes ab 2011 von neun auf sechs Monate geeinigt. Entsprechend der Wehrgerechtigkeit zieht dies eine Reduzierung des ebenfalls neunmonatigen Ersatzdienstes nach sich.

Durch die Verkürzung der Dauer sei die notwendige Qualifizierung der Zivildienstleistenden nicht mehr möglich, erklärte das DRK. So könne bei der gesetzlich vorgeschriebenen Ausbildung im Krankentransport Zivildienstleistende dort nicht mehr eingesetzt werden, teilte das DRK Berlin mit. Auch bei der Betreuung und Unterstützung Hilfebedürftiger werde es Engpässe geben.

Ähnlich äußerte sich der Paritätische Wohlfahrtsverband. Mit der Reduzierung auf sechs Monate werde der Anfang vom Ende des Dienstes eingeläutet, da dann ein vernünftiger Einsatz der Zivildienstleistenden nicht mehr möglich sei, sagte Hauptgeschäftsführer Ulrich Schneider dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Unsere Mitgliedsorganisationen haben bereits signalisiert, dass sie die Stellen dann zurückgeben und nicht mehr besetzen werden.“

Soweit will die Caritas nicht gehen. „Die geplante Verkürzung des Zivildienstes von neun auf sechs Monate wird zwar das Profil und die Durchführung des Zivildienstes verändern, aber auch künftig kann der Zivildienst als ein wichtiger Lerndienst gestaltet werden“, sagte Caritas-Präsident Peter Neher. Die Einrichtungen und Dienste seien durch die Verkürzung nicht gefährdet.

Bei Einrichtungen und Diensten der katholischen Kirche und ihrer Caritas sind rund 12.500 Zivildienstleistende beschäftigt. Von den 500.000 Bediensteten des Wohlfahrtsverbandes sind 15.000 Zivis. Der Paritätische Wohlfahrtsverband brachte die Möglichkeit ins Gespräch, Freiwilligendienste verstärkt zu nutzen. Dafür müsse die Politik aber mehr Geld bereitstellen, sagte Schneider.

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