Zu Besuch in Onna
G8-Gipfel: Merkels Tour durch die Trümmer

Unmittelbar vor Beginn des G-8-Gipfels hat Bundeskanzlerin Angela Merkel den vom verheerenden Erdbeben im April fast völlig zerstörten Ort Onna in den mittelitalienischen Abruzzen besucht. Zusammen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi machte sie sich ein Bild von den Wiederaufbauarbeiten und traf Helfer.

L'AQUILA/ONNA. AQUILA. Im hellen Hosenanzug schreitet Bundeskanzlerin Angela Merkel an der Seite des italienischen Premiers Silvio Berlusconi durch die Ruinen des zerstörten Dörfchens Onna in den Abruzzen. Aus den Schutthaufen ragen Steine, Matratzen und Kochgeschirr. Zeichen eines Lebens, das es seit dem verheerenden Erdbeben vom 6. April hier nicht mehr gibt. Onna liegt nur wenige Kilometer entfernt von der Finanzkaserne Coppito von L?Aquila entfernt, wo seit gestern die Mächtigen der Welt zum G8-Gipfel zusammen kommen.

Ein Gipfel im Zeichen des Bebens: Eine Zeltstadt dient als Konferenz-zentrum, eine Polizeikaserne als Unterkunft. Anstelle der üblichen Luxushotels müssen die Staats- und Regierungschefs des G-8-Gipfels in L?Aquila diesmal in Notunterkünften schlafen. Alles ist improvisiert - bewusst. Als Geste der Solidarität wurde das Gipfeltreffen von Sardinien in das Erdbebengebiet rund um das Abruzzenstädtchen verlegt. Vor allem das Dorf Onna hat wie kaum ein zweiter Ort in der wildromantischen Berglandschaft Mittelitaliens unter dem Beben im April gelitten: Fast alle Häuser wurden zerstört, 41 von 350 Einwohnern kamen ums Leben. Es gibt wohl keine Familie, die nicht ein Opfer zu beklagen hat.

Noch bevor der G-8-Gipfel beginnt, empfängt Gastgeber Silvio Berlus-coni die Bundeskanzlerin an dieser Stätte der Zerstörung. Es ist ein symbolischer Ort für die deutsche Regierungschefin: Am 11. Juni 1944 haben deutsche Truppen hier auf dem Rückzug in einer Vergeltungsaktion 17 Zivilisten erschossen. Jetzt sind die Deutschen hier, um zu helfen. Rund drei Millionen Euro Aufbauhilfe haben deutsche Unternehmen, die Bundesregierung und private Spender aufgebracht. Eine weitere Million kommt von Volkswagen.

Sie wollen mit einer Gruppe des Technischen Hilfswerks vor allem die Kirche als "symbolische Mitte" des Ortes wiederaufbauen, wie die Kanzlerin bei ihrem Rundgang sagte. Für Merkel ist die auf Onna konzentrierte deutsche Unterstützung "eine Gelegenheit der Welt zu zeigen, dass wir jetzt als Freunde kommen, um den Menschen hier zu helfen, damit sie schnell wieder eine Heimat bekommen."

Derweil treffen auf dem kleinen Flughafen Pescara an der Adria nacheinander die Regierungsjets der Gipfelteilnehmer ein. Strahlend empfängt Berlusconi vor laufenden Kameras die Großen der Welt; eine willkommene Abwechslung für den von Skandalen geplagten Italiener. War er doch in den vergangenen Wochen und Monaten stärker mit seinen Frauengeschichten in den Schlagzeilen denn als Staatsmann. Jetzt will er sich als Anführer insze-nieren und, in L?Aquila, als einer, der auch die schwierigste Lage in den Griff bekommt.

Nicht nur Merkel geht auf Bebens-Besichtigungstour. Auch US-Präsident Barack Obama lässt sich bei seinem Rundgang durch das zerstörte Zentrum der Abruzzen-Hauptstadt Aquila die Schäden zei-gen. Ganz im Sinne Obamas haben denn auch ein paar Protestler "Yes, we camp" auf eine Banderole geschrieben. Sie spielen dabei auch auf Berlusconis Bemerkung kurz nach dem Erdbeben an, sie sollten die Zeit in den Notzelten wie ein Campingwochenende nehmen.

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