Zu Guttenberg bei „Beckmann“
„Wie ein Krawattenverkäufer“

Der Bundeswirtschaftsminister und geübte Selbstdarsteller Karl-Theodor zu Guttenberg hat in den ersten Wochen seiner Amtszeit schon einen unglaublichen Parforce-Ritt durch die Medien hingelegt, der ihm bereits den Beinamen "Herr von und zu Omnipräsent" eingebracht hat. Gestern Abend war er bei einem anderen geübten Selbstdarsteller zu Gast: Bei Reinhold Beckmann in dessen Talkshow in der ARD.

DÜSSELDORF. Es gibt Menschen, die haben vielleicht viel zu sagen, können sich aber nur schlecht verkaufen. Und es gibt Menschen, die können sich einfach sehr gut verkaufen, auch wenn sie vielleicht gerade nichts zu sagen haben oder nichts sagen dürfen. Das erregt Neid und Missgunst derjenigen, die in puncto Selbstdarstellung nicht so viel Talent abbekommen haben. In dieser Zwickmühle steckt der durch und durch sympathische und charmante Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der zurzeit jede Gelegenheit nutzt, um sich in der Öffentlichkeit ins rechte Licht zu rücken. Um es vorweg zu sagen: Gestern Abend bei Beckmann hat er seine Sache sehr gut gemacht! Wie übrigens auch der Moderator selbst, dessen Redaktion die Sendung sehr gut vorbereitet hatte. Clever schon die Idee, den ehemaligen FDP-Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff mit in die Sendung einzuladen. Der 82-Jährige, etwas kauzige Graf gab der Sendung mit der einen oder anderen kritischen Anmerkung die richtige Würze.

Zunächst befragte Beckmann zu Guttenberg ausführlich zur Person. Vorbereitet war auch ein netter Einspielfilm aus der fränkischen Gemeinde Guttenberg, deren gut 500 Einwohner der Minister nach eigener Aussage alle persönlich kennt. Wir erfahren: Wenn der Minister zuhause ist, dann weht auf dem Dach des Schlosses die Fahne derer zu Guttenberg. Stolz sind die Dorfbewohner auf ihren Freiherrn und fast ein wenig untertänig.

Beckmann fragt nach zu Guttenbergs Vater, dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg, und der Musikalität des Sohnes. "Ich dilettiere am Klavier", sagt der Jungminister mit einem entwaffnenden Lächeln. Meist komme er erst nachts dazu, zu spielen, und hole damit seine Töchter aus dem Bett. Musik habe sein Leben geprägt und im Sommer wolle er endlich ein Konzert der australischen Rockband AC/DC besuchen. "Kennen Sie die Band AC/DC, Herr Lambsdorff", fragt Beckmann. Der schüttelt nur leicht angewidert den Kopf.

So langsam wird es dann ernst in der Sendung. Denn jetzt geht es – ganz kritisch und investigativ – um das legendäre Foto des Ministers am New Yorker Times Square. Dazu wieder ein Einspielfilm mit diversen Statements. Claudius Seidl, Feuilletonchef der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagt, dass er Anzüge und Krawatten zunächst toll fand. Mittlerweile finde er aber, dass zu Guttenberg seine Krawatten trage "wie ein Krawattenverkäufer". Verleger Jakob Augstein erklärt, zu Guttenberg sei der bestangezogene Minister, der sich in New York a la "I did it my way" präsentiert habe, doch er habe eben genau diesen Weg noch nicht gefunden. PR-Berater Michael Spreng sagt, dieses Bild sei ein Fehler gewesen, es werde den Minister noch lange verfolgen. Ob er das Foto schon bereut habe, fragt Beckmann. "Nein", sagt der, "ein klares Nein!". Er gehöre nicht zu den Leuten, die sich auf den Zentralfriedhof in Wien stellten, um sich fotografieren zu lassen. Da gebe es ja wohl noch etwas zwischen Times Square und Zentralfriedhof, wirft Lambsdorff listig ein.

Beckmann legte nach und zeigte das Youtube-Filmchen mit Guttenberg als Tänzer und der Musik "There?s no business like Show-Business". Zu Guttenberg freute sich wie Bolle darüber. Über Politik wurde auch noch gesprochen. Speziell zum Thema Opel. Sehen Sie einen Investor, fragt Beckmann. "Ich glaube, dass die Menschen erwarten dürfen, dass man keine Luftschlösser baut", antwortet zu Guttenberg. "Also ich sehe keinen Investor und glaube nicht, dass man Opel über die Runden bringen kann", wirft Lambsdorff trocken, aber eben auch klar und deutlich ein. Aber er hat es ja auch leichter, denn er muss auf niemanden mehr Rücksicht nehmen. Anders zu Guttenberg: Gerade ein paar Wochen im Amt, darf er niemandem auf die Zehen treten, schon gar nicht seiner Kanzlerin. Und das hat er bislang ganz gut hinbekommen.

Martin Tofern
Martin Tofern
Handelsblatt / Redakteur Unternehmen und Märkte
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