Zu Guttenberg
Konservativer Heilsbringer und Merkels Herausforderung

Die Union ist auf der Suche nach dem Konservativen, und mittlerweile fällt immer häufiger der Name Karl-Theodor zu Guttenberg. Die Junge Union sieht im Verteidigungsminister eine politische Überlebensversicherung als zugleich konservative und moderne Partei. Bundeskanzlerin Angela Merkel bleibt gelassen, dabei ist Guttenberg ihre größte Herausforderung.
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HB BERLIN. Als Karl-Theodor zu Guttenberg vor einem Jahr wusste, dass er Verteidigungsminister werden sollte, sagte er: „Das werden interessante Jahre werden.“ Das Zitat lässt viele Interpretationen offen. Zumindest ist der CSU-Karrieremann so interessant für die gesamte Union geworden, dass nicht nur ihr Nachwuchs auf ihn setzt. Der Chef der Jungen Union, Philipp Mißfelder, nennt den fränkischen Adligen eine politische Überlebensversicherung für die Union als konservative und moderne Partei. Merkel könnte dies als Kritik an ihrem Kurs auffassen - und Guttenberg als potenziellen Konkurrenten.

Auch CSU-Chef Horst Seehofer bläst der Wind ins Gesicht. Eine angebliche Absprache mit Guttenberg für einen möglichen Wechsel an der Parteispitze im Fall schlechter Umfragewerte nächstes Jahr sorgte am Donnerstag für Aufsehen. Die CSU nannte die Meldung in der „Bild“- Zeitung „Quatsch“. Hinter vorgehaltener Hand ist Guttenbergs Zukunft - in der Partei oder als möglicher Nachfolger Merkels im Kanzleramt - aber durchaus ein Thema. Die Kanzlerin wirkt gelassen, wenn dieses Thema angesprochen wird. Bei ihr überwiegt offensichtlich die Freude, dass Guttenberg und einige andere Kabinettsmitglieder auch nach dem Fehlstart der Koalition weiter positive Schlagzeilen machen.

Knapp ein halbes Jahr vor drei wichtigen Landtagswahlen steht die CDU-Chefin unter Druck aus der eigenen Partei. Die Wahl in Baden-Württemberg hat Merkel zur Abstimmung auch über das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 erklärt. Nicht nur in Berlin fragt sich mancher: Wie sicher sitzt Merkel noch im Sattel, wenn die Wahl für CDU-Ministerpräsident Stefan Mappus - und damit auch für sie - schiefgehen sollte? Gleich werden Namen wie Roland Koch und Guttenberg genannt, doch das ist Spekulation. Dass Merkel eine Neuwahl anstrebt wie Gerhard Schröder nach der verlorenen Wahl in Nordrhein-Westfalen 2005, davon geht im engen CDU-Zirkel jedenfalls niemand aus.

In der CDU schwelt die Debatte, ob die Partei unter Merkel konservativ genug ist. Mitte November steht Merkel selbst zur Wahl: auf dem Parteitag in Karlsruhe. Das könnte auch eine Abstimmung über ihren Kurs werden. Vor allem mit dem Rückzug des Hessen Koch hat der konservative Flügel eine entscheidende Stimme verloren.

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Kommentare zu " Zu Guttenberg: Konservativer Heilsbringer und Merkels Herausforderung"

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  • Freut Euch mal alle nicht zu früh.
    Merkel hat gut gelernt wie man Feinde aus dem Weg räumt.
    Und für Macht tut sie alles. Sie würde selbst mit ihrer toten Großmutter koalieren.
    Gerlenrt ist halt gelernt.
    Was wäre Merkel wohl heute, wenn es die Einheitheit nicht gegeben hätte?
    Richtig, strammes Mitgleid im Politbüro

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