Zu hohe Steuern und zu viel Bürokratie schrecken ab
Deutschland braucht Zuwanderer - doch die wollen nicht kommen

Für Fred Irwin, den Präsidenten der US-Handelskammer, liegt Deutschland im Wettbewerb um die besten Köpfe weit zurück. "Viele US-Führungskräfte reagieren auf ein Jobangebot in Deutschland nicht gerade euphorisch", erzählt Irwin, der seit 35 Jahren hier lebt. Seine Landsleute beklagten vor allem die zu hohen Steuern, Sprachprobleme, überbordende Bürokratie und die oft unzureichenden Ausbildungsmöglichkeiten für ihre Kinder.

DÜSSELDORF/BERLIN. So fasst Irwin im Gespräch mit dem Handelsblatt die Meinung vieler US-Führungskräfte zusammen - eine ernüchternde Bilanz für ein Land, das wie kein anderes in der Zukunft auf ausländische Fach- und Führungskräfte angewiesen ist.

In den nächsten Jahren wird es einen erheblichen Mangel an hochqualifizierten Kräften geben. Nach Berechnungen des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie kamen zwischen 1993 und 2000 auf je zehn Ingenieure, die in den Ruhestand gingen, 44 Nachwuchskräfte - bereits 2007 werden es noch 19 sein.

"Der Mangel an hochqualifizierten Akademikern wird sich schon allein auf Grund der demographischen Entwicklung in den kommenden Jahren noch verschärfen", prophezeiht Wolfgang Franz, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Das schadet der wirtschaftlichen Entwicklung - darin sind sich Franz und andere führende Ökonomen einig: "Denn wir können nur mit hoch technisierten Produkten im internationalen Wettbewerb mithalten", sagt Franz.

Die Politik versucht mit unterschiedlichen Konzepten, den Wettbewerb um die besten Köpfe zu gewinnen - wenn auch meist mit bescheidenem Erfolg. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) forderte im März diesen Jahres, ausländische Führungskräfte sollten in Deutschland weniger Steuern zahlen. Der Ministerpräsident beklagte, dass in den vergangenen Jahren bereits 4 000 ausländische Spitzenarbeitskräfte die Finanzmetropole Frankfurt verlassen hätten.

Eine Studie über "International Taxation of Expatriates" von Pricewaterhouse Coopers und dem ZEW unterstützt die Meinung Kochs. Die Autoren haben untersucht, wie attraktiv Deutschland im Vergleich mit europäischen, amerikanischen und asiatischen Staaten im Wettbewerb um Auswanderer ist. Ein Ergebnis: Deutschland nimmt bei der Besteuerung hochqualifizierter Arbeitnehmer allenfalls eine Position im Mittelfeld ein. Vergleiche etwa ein US-Unternehmen die Belastung bei Entsendungen von Mitarbeitern in die 18 europäischen Länder, lande Deutschland bei einem ledigen Arbeitnehmer auf Rang 14. "Unternehmen müssen in Deutschland einen wesentlichen höheren Bruttolohn zahlen, um ihre Mitarbeiter netto genauso entlohnen zu können wie andere Länder", sagt ZEW-Chef Franz.

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