Zu viele Prinzen verwirren
Schröders Fünf-Minuten-Audienz

Für nur fünf Minuten reichte die Kraft des kranken Saudischen Königs Fahd - länger dauerte die Audienz von Bundeskanzler Gerhard Schröder nicht. Anschließend wurde wahrhaft königlich getafelt.

HB RIAD. „Ich muss schon wieder weg“, stöhnte der Kanzler in der Halle des Regierungsgästehauses in der saudischen Hauptstadt. Aus dem Stand machte er kehrt. Keine Zeit, noch schnell den durchgesessenen Anzug zu wechseln. Sofort raste die lange Kolonne in die gleiche Richtung zurück, aus der sie gerade erst gekommen war. Über die abgeriegelten Boulevards der Vier-Millionen-Metropole in der Wüste ging die abendliche Fahrt direkt zum Königspalast. Dort wartete der seit Jahren sieche König Fahd auf Gerhard Schröder. Knapp fünf Minuten dauerte die Audienz. Viel mehr hat Kraft hat der 80-Jährige, der sich von einem Schlaganfall nicht wieder erholt hat, für solche Besuche offenbar nicht mehr.

Im Vergleich dazu munter präsentierte sich, obwohl kaum ein Jahr jünger, Kronprinz Abdullah. Auffällig intensiv kümmerte sich der Prinz mit dem schwarzen Bärtchen und der getönten Brille um den Kanzler. Mit seinem Rolls-Royce in der grünen Farbe des Propheten (Kennzeichen 001) war er eigens zum Empfang für Schröder zum Flughafen gekommen. Mit großer Selbstverständlichkeit führte Abdullah ihn durch seinen persönlichen Prachtpalast. Ausrangierte Panzer im weitläufigen Park sorgten bei der Vorfahrt für Irritationen bei der deutschen Delegation.

Einiges Erstaunen lösten auch die riesigen Dimensionen des Speisesaals im kronprinzlichen Palais aus. Für rund 200 Gäste war in der kranhohen goldverzierten Halle mit gigantischen Wandmalereien von italienischen Landidyllen gedeckt. Fast wie im Schnellimbiss war das Zehn-Gänge-Menü abgearbeitet. Zwischen Spargelsuppe und Erdbeerkuchen verging kaum eine Stunde. Pausenlos wurde aufgelegt und abgeräumt.

Zu viele Prinzen verwirren

Am Haupttisch unter einer Koransure ging es unterschiedlich gesellig zu. Dem dort präsidierenden Prinzentrio waren von deutscher Seite zwei Tischdamen zugeordnet worden, was die Gastgeber sichtlich etwas verwirrte. Die mitreisende FDP-Abgeordnete Birgit Homburger wusste jedenfalls auch nach dem Dessert nicht so genau, mit welcher Hoheit sie gerade diniert hatte. Recht angenehm unterhielt sich dagegen die Grünen-Politikerin Ekin Deligöz, „saudisch korrekt“ in eine schwarze „Abbaya“ gehüllt, ohne die im puritanischen Wüstenreich für Frauen weiter nichts läuft, mit dem Verteidigungsminister, Prinz Sultan. Der 79-Jährige ist der zweite Thronanwärter nach Abdullah und gilt als dessen großer Rivale.

Nachfolge ist wichtigstes Innenpolitik-Thema

Die Nachfolge Fahds ist derzeit die innenpolitisch wichtigste Frage. Die Thronfolge wird seit dem Tod des Staatsgründers Ibn Saud 1953 unter seinen damals überlebenden 35 Söhnen ausgemacht. Mit Blick auf das fortgeschrittene Alter dürfte bei Beibehaltung der bisherigen Praxis künftig alle paar Jahre ein neuer König eingesetzt werden, was politisch nicht gerade für Stabilität sorgen dürfte.

Trotz mancher Palast-Intrigen scheint die Thronfolge Abdullahs, eines Halbbruders von Fahd, derzeit unstrittig zu sein. Der Kronprinz ist im Volk beliebter als sein möglicher Kontrahent, Prinz Sultan. Abdullah gilt als konservativ und fromm und hat beste Beziehungen zu den einflussreichen Stämmen. Seine Popularität hat er auch noch dadurch gesteigert, dass er den inzwischen 7 000 Prinzen aus dem Hause Saud einige Privilegien gestrichen hat. So können sie seit einiger Zeit die Maschinen der nationalen Fluglinie nicht mehr einfach als Privatjet anfordern oder müssen ihre Telefonrechnungen zum Teil selbst bezahlen.

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