Zu wenig Plätze und zu schlechtes Personal
OECD rügt nun auch Mängel in Kindergärten

Nach dem Pisa-Desaster droht sich Deutschland auch mit seinem Angebot für die ganz Kleinen zu blamieren: Nach einer neuen OECD-Studie, die dem Handelsblatt vorliegt, sind deutsche Kindergärten weit von internationalen Standards entfernt: Es gibt zu wenig Plätze und die Erzieherinnen sind schlecht ausgebildet und bezahlt.

BERLIN. Die Studie dürfte die Debatte um den Bildungsstandort Deutschland zusätzlich anheizen, zumal sie allgemein eine stärkere Rolle des Bundes empfiehlt. Angesichts der Defizite hatten die Kultusminister kürzlich beschlossen, Kindergärten als Bildungseinrichtung zu stärken – getan hat sich noch kaum etwas. Vom Bund erhalten die Länder künftig 1,5 Mrd. Euro, um die Betreuung der unter 3-Jährigen zu verbessern.

Die OECD-Experten bemängeln vor allem das zu geringe Angebot in Westdeutschland – und loben zugleich die ausreichende Versorgung in den neuen Ländern. Im Westen gibt es nur für 2,7 Prozent der unter 3-Jährigen Krippenplätze. Acht Prozent der 5 bis 6-Jährigen besuchen keinen Kindergarten. Hortplätze gibt es lediglich für knapp sieben Prozent der Grundschüler – hier wird jedoch eine schnelle Besserung durch das Ganztagsschulprogramm erwartet. Dazu kommen große Gruppen: Auf eine Erzieherin kommen hier zu Lande 24 Kinder – im OECD-Schnitt sind es nur knapp 15.

Als besonderes Problem identifiziert die OECD die Betreuung von Kindergartenkindern aus Migrantenfamilien und schwierigen sozialen Verhältnissen, ähnlich wie sie die Pisa-Studie auch in den Schulen anprangert. Zudem besuche jedes dritte Kind aus Geringverdiener- Haushalten ohnehin nie einen Kindergarten.

Massive Kritik übt die OECD daneben am „niedrigen Niveau der Ausbildung“ der Erzieherinnen. Deutschland und Österreich seien die einzigen Länder in Westeuropa, in dem diese nicht an Hochschulen ausgebildet werden. Da der Kindergarten aber „das Fundament für lebenslanges Lernen legt“, seien höhere Ausgaben für Ausbildung und Bezahlung unausweichlich.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern seien die staatlichen Ausgaben für Krippen und Kindergärten von 0,42 Prozent des Bruttoinlandsproduktes „relativ niedrig“, so die Studie. Dies sei um so bemerkenswerter, da die deutschen Eltern knapp 40 Prozent der Kindergartenkosten schultern müssten – im OECD-Mittel sind es nur 20 Prozent. Einige Staaten böten ab drei Jahren sogar einen kostenlosen Halbtagsplatz an.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%