Zug mit Atommüll
Polizei bereitet Räumung der Gleise vor

Zerstörte Gleise, erschöpfte Polizisten - der Castor-Transport muss auf seinem Weg ins Wendland einen unfreiwilligen Halt einlegen. Demonstranten blockieren die Gleise des Zuges. Die Polizei bereitet sich inzwischen auf die Räumung der von etwa 2 000 Atomkraftgegnern besetzten Gleise bei Hitzacker vor. Sie verteidigt den Einsatz von Schlagstöcken und Tränengas.
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HB GORLEBEN. Der Castor-Transport mit Atommüll ist nach Angaben der Polizeigewerkschaften bis mindestens Montagmorgen lahmgelegt, weil die Gleise blockiert sind. Der Zug wurde im wendländischen Dahlenburg mit Stacheldraht eingezäunt, sagte der Vorsitzende der Deutschen Polizei- Gewerkschaft, Rainer Wendt, am Sonntagabend der Nachrichtenagentur dpa weiter.



Die Polizei bereitet sich inzwischen auf die Räumung der von etwa 2 000 Atomkraftgegnern besetzten Gleise bei Hitzacker im niedersächsischen Landkreis Lüchow-Dannenberg vor. Die Räumung der Strecke sei um 00.30 Uhr angeordnet worden, sagte ein Polizeisprecher am Montagmorgen der Nachrichtenagentur dapd. Noch sei diese Maßnahme aber nicht vollzogen worden. Atomkraftgegner hatten im Verlauf des Sonntags die Gleise nahe Harlingen bei Hitzacker besetzt und damit den am Freitag im französischen La Hague gestarteten Castor-Transport auf seinen letzten Kilometern nach Dannenberg gestoppt. Der mit 123 Tonnen hochradioaktiven Atommüll beladene Zug soll am Montag in Dannenberg eintreffen, wo die Castor-Behälter auf die Straße für ihren letzten Streckenabschnitt nach Gorleben umgeladen werden.

Zuvor hatte die Polizeiführung hat das gewaltsame Einschreiten gegen Gegner des Castor-Atommülltransports im Wendland als notwendig verteidigt. Die Einsatzkräfte hatten Schlagstöcke, Pfefferspray und Wasserwerfer eingesetzt, um Atomkraftgegner von den Schienen fernzuhalten. Der Lüneburger Polizeipräsident Friedrich Niehörster sagte am Sonntagabend in Dannenberg: „Dieser Castor- Einsatz hat ein anderes Level als beim vorherigen Transport 2008.“ Atomkraftgegner hatten den Polizeieinsatz als unverhältnismäßig kritisiert.

Die Polizei könne nicht zusehen, wie Atomkraftgegner Schienen verbögen und Steine aus den Gleisen räumten, sagte der Polizeipräsident. Straftaten könnten nicht geduldet werden. Außerdem seien Einsatzkräfte von Demonstranten attackiert und unter anderem mit Steinen beworfen worden. Es seien auch deutlich mehr Menschen auf die Schienen gelangt, sagte Niehörster. „Aber wir sind überhaupt nicht aufgeregt. Das ist das übliche Spiel, aber mit mehr Menschen und mehr Aggressivität.“ Der Polizeipräsident rechnet nach eigenen Worten damit, dass es auf der letzten Etappe auf der Straße bis zum Zwischenlager Gorleben friedlicher zugeht.

Zuletzt hatte sich der Castor-Transport auf seine letzte Etappe ins niedersächsische Wendland gemacht. Am späten Sonntagnachmittag verließ der Zug mit den elf Atommüll- Behältern den Lüneburger Bahnhof und fuhr nach etwa einstündigen Rangierarbeiten in Richtung Dannenberg weiter. Dort war am Abend die Umladung der Castoren auf Lastwagen geplant, die sie ins 20 Kilometer entfernte Zwischenlager Gorleben bringen sollten.

Der Transport lag beim Verlassen Lüneburgs nach Angaben von Greenpeace bereits mehr als elf Stunden hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurück.

Vor der schwierigsten Etappe des Castor-Transports ins niedersächsische Atommülllager Gorleben war im Wendland zu massiven Ausschreitungen gekommen. Die Polizei ging mit teils berittenen Beamten sowie Schlagstöcken, Wasserwerfern und Reizgas gegen zeitweise mehrere tausend Demonstranten vor, die immer wieder versuchten, die Bahnstrecke von Lüneburg zum Verladebahnhof in Dannenberg zu besetzen und den Schotter aus dem Gleisbett zu räumen. Einige Demonstranten warfen Feuerwerkskörper, Stöcke und Erdklumpen auf die Polizei und setzten einen Polizei-Räumpanzer in Brand. Es gab eine bislang unbekannte Zahl Verletzter auf beiden Seiten. Der Sonderzug mit den elf Castor-Behältern war am Sonntagnachmittag in Lüneburg eingetroffen und nach einem Zwischenstopp mit rund elf Stunden Verspätung in Richtung Dannenberg weitergefahren.

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  • Hallo Michael,
    sie sind ja ein richtiger Held! Vor 75 Jahren hätten Typen und Helden wie sie sich bei der SA melden können. Des Geistes Kind sind Sie! Traurig!

  • Wie ich lese halten die Demonstranten die Polizisten ganz schon auf Trab, sodass es bei letzteren bereits erste Ermüdungserscheinungen gibt.

    bei bedarf biete ich mich unserem Vollzugsorgan gerne als Hilfskraft an. ich wollte schon immer mal ein paar Linke/PseudoheuchlerÖKOs und sonstige Chaoten, insbesondere aus dem schwarzen block knüppeln. Schlagt sie nieder!

  • Dieser Castor-Transport ist nicht nur ein Protest gegen ein Endlager, sondern vorallem ein Protest gegen die basta-Politik der politischen Parteien. Wir Steuerzahler kommen für die Kosten auf die vier Energiehersteller verursachen und die Konzerne streichen Millarden Gewinne ein. Eigentlich sollten die Transport, Sicherheit und Endlagerung die Konzerne in Verantwortung genommen werden. Aber während deren Mitarbeiter im warmen Wohnzimmer Wochenende feiern, werden DEUTSCHE Polizisten von bürger angegriffen und DEUTSCHE bürger von Polizisten. Nur damit die Energiekonzerne noch mehr Gewinn einstreicht, wo sind die Werkschutz Angestellten von RWE, EON, ENbW und Vattenfall. Warum laufen die nicht ihre Hacken wund? Persönlich, bin ich der Meinung, dass über Themen wie die Verlängerung von Atomkraftlaufzeiten, Stuttgart21, usw. wie in der Schweiz auch ein Volkentscheid abgehalten werden muss, dann liegt die Entscheidung darüber bei uns bürger und nicht bei insgesamt ca. 3000 Politikern, deren Hauptziel es ist einen sicheren Arbeitsplatz in einem Vorstand eines DAX-Konzern zu bekommen. Die Quittung bekommt die Politik so oder so.

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