Zugangsbeschränkungen: Universitäten schotten sich ab

Zugangsbeschränkungen
Universitäten schotten sich ab

Weil ihnen Geld fehlt, machen die deutschen Hochschulen zunehmend die Schotten dicht: Um dem großen Andrang Herr zu werden, sind immer mehr Unis gezwungen, interne Zugangsbeschränkungen zu erlassen. Die Schuld daran geben sie den Ländern.

BERLIN. „Angesichts der finanzpolitischen Bedingungen machen die Hochschulen eben zu“, so die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel. Der von Bund und Ländern Ende 2006 beschlossene Hochschulpakt sei keinesfalls ausreichend, um die steigenden Bewerberzahlen für Universitäten und Fachhochschulen bewältigen zu können. Zudem gebe es bereits diverse Hinweise, dass die Länder die Mittel des Bundes nicht wie vereinbart vollständig kofinanzierten, sondern ihren Beitrag mit Kürzungen an anderer Stelle verrechneten, fügte HRK-Generalsekretärin Christiane Gaehtgens hinzu.

Für das laufende Wintersemester war bereits der Zugang zu jedem zweiten Studiengang beschränkt – mit steigender Tendenz, erläuterte die HRK-Präsidentin. Im Jahr 2002 lag der Anteil der NC-Studiengänge erst bei einem Drittel. Beschränkungen gebe es heute beileibe nicht nur bei wirtschaftsfernen „Orchideenfächern“. Betroffen seien auch Massenstudiengänge wie Wirtschaftswissenschaften, Jura oder Medizin. Selbst die Ingenieurwissenschaften, die generell über zu wenig Interesse klagen, bleiben nicht außen vor: Auch der Maschinenbau beschränke inzwischen den Zugang. Sogar im reichen Baden-Württemberg „haben die Unis fast durchgängig NCs erlassen, die Fachhochschulen ohnehin zu 95 Prozent“, hatte der Stuttgarter Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) kurz zuvor in Berlin berichtet. „Die Warteschlange wächst.“

Die Zugangsbeschränkungen, und nicht die neuen Studiengebühren, sind nach Überzeugung der HRK auch der Grund dafür, dass die Zahl der Erstsemester zum dritten Mal in Folge gesunken ist, obwohl die Zahl der Studienberechtigten steigt. Im Wintersemester 2006/07 haben sich 3,5 Prozent weniger Schulabgänger eingeschrieben als zuvor. Zugleich bewarben sich mehr Abiturienten um eine Lehrstelle und verdrängten Haupt- und Realschüler. Der Anteil der Studienanfänger an der Bevölkerung im entsprechenden Alter sank von einem Zwischenhoch von fast 39 Prozent im Jahr 2003 wieder auf 35,5 Prozent. Das steht im krassen Widerspruch zum einhelligen Ziel von Politik und Wirtschaft, die niedrige deutsche Akademikerquote zu erhöhen. Die OECD hatte Deutschland zuletzt massiv gewarnt, hier nachzubessern, um nicht weiter hinter andere Nationen zurückzufallen.

Das Potential ist da: Nach Prognosen des Wissenschaftsrates könnte die Zahl der Studenten insgesamt von heute knapp zwei Millionen bis 2013 auf bis zu 2,7 Millionen steigen und auch 2020 noch 2,5 Millionen betragen. Das setzt aber voraus, dass die Hochschulen die zusätzlichen Bewerber auch aufnehmen können.

Der Hochschulpakt soll daher bis 2010 zunächst 90 000 zusätzliche Plätze finanzieren. Dafür gibt der Bund 565 Mill. Euro, die die Länder in gleicher Höhe aufstocken sollen. Die konkreten Planungen sollen die Länder im März präsentieren. Die HRK wolle dabei „systematisch erfassen“, ob die Länder ihre Verpflichtungen einhalten, kündigte Wintermantel an. Mehrfach haben die Rektoren kritisiert, dass die Kosten pro Studienplatz dabei viel zu niedrig kalkuliert und die Hochschulen so zu „Billigausbildungen“ gezwungen seien.

Noch mehr sorgt die Hochschulen, was nach 2010 passiert, wenn die eigentliche große Welle der Studenten auf sie zukommt. Solange Bund und Länder nicht verbindlich erklärten, den Hochschulpakt zu verlängern, könnten die Unis keine Personalverträge abschließen, um sich vorzubereiten, so Wintermantel.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
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