Zukunft der Autoindustrie
Die schwierige Abkehr vom Verbrennungsmotor

Die EU-Kommission diskutiert über neue Zielvorgaben für emissionsarme Automobile. Das deutsche Wirtschaftsministerium begrüßt die Überlegungen. Doch die Details sind noch offen.
  • 7

Brüssel, BerlinDie EU-Kommission prüft, den Autoherstellern in Europa Zielvorgaben für den Umstieg vom Verbrennungsmotor auf umweltschonende Antriebe zu machen. Die genaue Ausgestaltung ist allerdings noch offen. So bemühte sich die Kommission am Montag, dem Eindruck entgegenzutreten, es sei schon eine Entscheidung gefallen.

Zuvor hatte das Handelsblatt berichtet, dass in der Kommission erwogen werde, den Autoherstellern eine Quote für emissionsarme Fahrzeuge wie Elektroautos vorzugeben. Es habe „niemals irgendwelche Pläne zur Einführung einer Quote für Elektroautos gegeben“, sagte eine Sprecherin. Sie bestätigte aber zugleich, dass die Kommission verschiedene Optionen prüfe. Dazu zählten spezifische Zielvorgaben für die Hersteller.

In einer Mitteilung der Behörde von Ende Mai hatte es geheißen, mögliche Handlungsalternativen seien „spezifische Zielvorgaben für emissionsarme und/oder -freie Fahrzeuge“. Die Kommission will bis Jahresende einen Gesetzesvorschlag präsentieren, in dem sie Maßnahmen zur Förderung kohlenstoffarmer, abgasarmer Energie im Transportsektor präsentieren will. Diese Zielvorgaben seien nicht mit verbindlichen Quoten zu verwechseln, argumentierte die Sprecherin nun. Allerdings sagte der zuständige Energiekommissar Miguel Arias Cañete in einer Rede Ende Juni, dass die Zielvorgabe auch die Form eines „Mandats“ an die Hersteller annehmen könnte. Sprich: eine Auflage für den verkauften Anteil emissionsarmer Autos an der gesamten Flotte.

Dieses Mandat ist, in verpflichtender ebenso wie in freiwilliger Form, weiter Teil der Prüfung, die die Kommissionsbeamten bis zum Herbst abschließen wollen. Als Alternative überprüfen die Experten ein Bonussystem, das die Autokonzerne für die Produktion und den Verkauf emissionsarmer Fahrzeuge belohnen würde. Welche Fahrzeuge als emissionsarm gelten sollten, werde dabei technologieneutral festgelegt, so die Kommissionssprecherin. Es könnten neben Elektroautos etwa Fahrzeuge sein, die mit Biokraftstoff oder Wasserstoff angetrieben werden.

Die Bundesregierung begrüßte die Überlegungen. „Wir wollen, dass Deutschland auch künftig Automobilland Nummer eins wird“, teilte das Bundeswirtschaftsministerium auf Anfrage mit. Daher setze sich das Ministerium dafür ein, „auch über ein verbindliches Ziel für den Hochlauf der Elektromobilität in Europa und damit auch in Deutschland zu sprechen“. Die genaue Ausgestaltung müsse im Austausch mit den anderen EU-Ländern erfolgen, da die EU im Herbst ohnehin Pläne für den Regulierungsrahmen für die Zeit nach 2020 diskutieren wolle. Zuvor hatte bereits Umweltministerin Barbara Hendricks sich für eine europaweite E-Quote starkgemacht.

Aus der Union kam Ablehnung gegen die Quote. „Absatzquoten egal welcher Art sind Planwirtschaft“, sagte Joachim Pfeiffer, Wirtschaftspolitischer Sprecher CDU/CSU-Bundestagsfraktion dem Handelsblatt. „Der Staat ist nicht der bessere Unternehmer und sollte keine Technologien festlegen“, mahnt er. Der bessere Weg sei es, verbindliche und überprüfbare Emissionsgrenzwerte festzulegen. Diese können dann technologieoffen im Wettbewerb am Markt durch die Automobilunternehmen und andere Mobilitätsdienstleister erbracht werden. „Wir brauchen keine weiteren Instrumente und Quoten, weder im Verkehrs- noch im Energiesektor. Vielmehr gilt es, das Instrument des Emissionshandels europaweit zu stärken und gegebenenfalls auf den Verkehrssektor auszuweiten.“

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel
Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Zukunft der Autoindustrie: Die schwierige Abkehr vom Verbrennungsmotor"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • ich denke,man kann abkehr nicht 1:1 mit früheren änderungen vergleichen,da man schon öfters von neuen techiken,oder sonstigen "Vebesserungen" überzeugt war und zum teil die gleichen leute die zuerst dafür waren ihre meinung wieder komplett geändert haben(spätestens wenn sie selbst dadurch plötzlich negativ davon betroffen waren).z.b.viele waren begeistert von gesamt europa,genau soviele schimpfen heute(siehe auch brexit),viele waren gegen atomkraft(ich auch),die gleichen schimpfen heute über die hohen strompreise,oder noch schlimmer keiner will die windkrafträder,oder stromtrassen vor seiner tür,viele waren begeistert dass afrika demokratisch wird,was jetzt daraus geworden ist kann man täglich nachlesen.das gleiche war bei den rauchern.man will sie nicht haben aber auf die 21 Mrd.tabaksteuer will man nicht verzichten.heute frage ich mich wer für die mrd. mineralölsteuer aufkommen will,wenn alle nur E-autos fahren.kostet dann KW-strom 2Euro?statt in strassenausbau zu investieren hat man in den städten eher zurückgebaut und die gelder anderweitig verwendet.parkplätze u.strassen brauche ich auch für e-KFZ.wenn man wirklich den strassenverkehr entlassten möchte,könnte man z.b.die öffentlichen nahverkehr massiv verbiligen,da es nachwievor billliger ist ,mit dem auto ,als mit der s-bahn zu fahren. alle schimpfen momentan auf die bösen autohersteller(lenkt im wahljahr von asylanten und anschlagsproblemen ab),und im gleichem atemzug bucht man einen billigflug in die türkei,bevor man mit urlaubskleidung für 3,80Euro noch schnell eine kreuzfahrt im mittelmeer bucht.

  • Aktuell fällt mir kein Grund ein warum sich die Gesellschaft vom Auto mit Verbrennungsmotor verabschieden soll. Mein Diesel Auto kann 1000 Km mit 140 Kmh komfortabel zu für jedermann erträglichen Kosten zurücklegen. Die Abgase sind viel, viel unproblematischer als die früher gefahrenen Fahrzeuge.

    Elektromobile können hier (noch?) nicht mithalten. Falls dies irgendwann der Fall ist werden die Menschen gerne und freiwillig solche Fahrzeuge kaufen.

    Ich vermute es geht dem Autor um die Ökoreligion und dem Ziel einer verarmten, mittelalterlichen Gesellschaft.

  • Die schwierige Abkehr vom Verbrennungsmotor - ja und ? ich erinner mich noch an die schwierige Abkehr von den Segelschiffen, an die schwierige Abkehr von den Pferdekutschen, an die schwierige Abkehr von den Dampfloks, an die schwierige Abkehr von den Schreibmaschinen, an die schwierige Abkehr vom Farbfilm, an die schwierige Abkehr von den Stückgutfrachtern mit 40 Mann Besatzung...
    Wenn die Zeit soweit ist, dann passiert das - ob man das will oder nicht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%