Zukunft der Landesbanken „Alleingänge können wir uns nicht leisten“

Über die Zukunft des Landesbanksektors und die Belastungen der Banken mit neuen Regierungsinstrumenten sprachen die Handelsblatt-Redakteure Sven Afhüppe und Peter Köhler mit Hessens Finanzminister Thomas Schäfer (CDU). Einen Bedeutungsverlust der Helaba fürchtet der Hesse nicht - selbst wenn WestLB und BayernLB zueinander finden.
Kommentieren
Hessische Entscheider: Finanzminister Schäfer (li.) im Gespräch mit Ministerpräsident Bouffier. Quelle: dpa

Hessische Entscheider: Finanzminister Schäfer (li.) im Gespräch mit Ministerpräsident Bouffier.

(Foto: dpa)

Handelsblatt: Seit einigen Wochen werden verschiedene Modelle für eine Landesbankenkonsolidierung diskutiert. Welche Rolle will Hessen bei dem Projekt spielen?

Thomas Schäfer: Hessen ist in der glücklichen Situation, dass die hessische Landesbank Helaba, an der wir zehn Prozent halten, gut durch die Finanzkrise gekommen ist und keine Staatshilfe benötigte. Wir gehören also nicht zu den getriebenen Instituten, die sich dringend um ihre Zukunft kümmern müssen.

Das klingt nicht gerade reformwillig?

Schäfer: Hessen ist bereit, an dem Konsolidierungsprozess dort mitzuwirken, wo es aus betriebswirtschaftlicher Sicht Sinn macht. Die neuen Eigenkapitalvorschriften Basel III erzwingen es geradezu, dass sich der Landesbankensektor um ein tragfähiges Geschäftsmodell bemüht. Dennoch gilt es genau zu prüfen, welche Landesbanken zusammen passen. Wir werden jedenfalls keiner Fusion zustimmen, die die Risiken für die Helaba vergrößert oder deren Geschäftsmodell negativ beeinflusst.

BayernLB und WestLB prüfen einen Zusammenschluss. Droht die Helaba an Bedeutung zu verlieren, wenn in Düsseldorf oder München ein neues Kraftzentrum unter den Landesbanken entsteht?

Die Gespräche zwischen beiden Instituten stehen noch ganz am Anfang. Ob es zu einer Fusion kommt, wird man erst in einigen Wochen sehen. Da kommt es auch darauf an, wie die EU-Kommission einen solchen Zusammenschluss bewertet. Die Gespräche, die WestLB mit der Helaba und anderen Instituten wie die Deka-Bank zu verschmelzen, liegen deshalb aber nicht auf Eis, sie werden weiter verfolgt. Dieses Modell sehen auch andere Länder als interessante Alternative. Aus meiner Sicht ist es absolut notwendig, daß am Finanzplatz Frankfurt auch in Zukunft eine Landesbank existiert. Dafür werden der Kollege Wirtschaftsminister Posch und ich in den weiteren Verhandlungen zur Reform des Landesbankensektors kämpfen. Der Sparkassensektor würde enorm geschwächt, wenn es in Frankfurt kein zentrales Landesbankeninstitut mit überregionaler Bedeutung mehr geben würde.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

0 Kommentare zu "Zukunft der Landesbanken: „Alleingänge können wir uns nicht leisten“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%