Zukunft von Ex-Terroristin Mohnhaupt: Die Freiheit kam per Fax

Zukunft von Ex-Terroristin Mohnhaupt
Die Freiheit kam per Fax

Die frühere RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt hat am Montagmorgen von der Entscheidung des Oberlandesgerichtes Stuttgart über ihre Haftentlassung erfahren. „Eine Vollzugsbeamtin hat ihr um kurz nach 08.00 Uhr das Fax gebracht“, sagte der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aichach, Wolfgang Deuschl. Ihre Freiheit könnte mit einem Kulturschock beginnen.

HB AICHACH. Wie Mohnhaupt reagierte, konnte Deuschl nicht sagen. Er gehe aber davon aus, dass sie nicht allzu überrascht war. „Es hat ja schon ein bisschen was auf die Entscheidung hingedeutet“, sagte Deuschl. „Ich habe heute viel zu tun und werde wahrscheinlich gar nicht mit ihr selbst sprechen können“, erklärte er.

Der Gefängnisleiter zeigte sich erleichtert über die Gerichtsentscheidung: „Wenn ich sehe, welcher Druck in letzter Zeit von den Medien auf uns ausgeübt wurde, bin ich schon froh, dass es vorbei ist“, sagte Deuschl. Er wünsche Mohnhaupt, „dass sie draußen gut zurechtkommt“, sagte der Gefängnisleiter. „Sie muss jetzt wohl selber verdauen, dass es Realität ist, und sich überlegen, wie sie damit zurechtkommt.“ Deuschl erklärte, Mohnhaupt habe bereits „Vorstellungen, was sie macht“. Details wollte er aber nicht nennen.

Zum möglichen Entlassungstermin für die frühere Terroristin sagte der Gefängnisleiter: „Sie will sicher keine Pressekonferenz vor der Anstalt geben.“ Er fügte hinzu: „Wir werden versuchen, es ruhiger angehen zu lassen.“

Unzureichend auf ein Leben in Freiheit vorbereitet

Wenn Mohnhaupt aus der JVA Aichach in die Freiheit entlassen wird, hat die 57-Jährige mehr als die Hälfte ihres Lebens in Gefängnissen verbracht. Ihr Bekanntheitsgrad, die kollektive Erinnerung an ihre Taten und die Jahrzehnte in Haft dürften eine schwere Bürde sein bei dem Versuch, in der einst verhassten Bundesrepublik Fuß zu fassen.

„Die Schwierigkeiten liegen auf der Hand“, sagt der frühere Strafverteidiger Rupert von Plottnitz, der im Baader-Meinhof-Prozess den Terroristen Jan-Carl Raspe vertrat. „Schließlich hat sich die Welt seit den 70ern dramatisch verändert, ist viel schneller geworden.“ Innerhalb kürzester Zeit müssten die Ex-Häftlinge nun ihre soziale Isolation überwinden, die Arbeitsplatzsuche beginnen und selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen: „Wenn man da ohne private Unterstützer oder familiären Rückhalt dasteht, ist der Rückweg in die Gesellschaft ein ganz hartes Brot.“ Neun Mal durfte Brigitte Mohnhaupt die Justizvollzugsanstalt Aichach bisher in Begleitung verlassen, wie Medien berichteten.

Dass sie damit ausreichend auf ihr Leben in Freiheit vorbereitet wurde, bezweifelt von Plottnitz. So sei es in deutschen Gefängnissen eher die Ausnahme als die Regel, dass Langzeit-Häftlinge im Umgang mit Computern oder anderen Geräten geschult würden, die es vor 25 Jahren noch gar nicht gab.

Und noch in anderer Hinsicht müssen sich „Lebenslängliche“ wie Mohnhaupt bewähren: Fünf Jahre lang kann jede Straftat dazu führen, dass sie wieder in Haft genommen wird. In der Praxis würde aber wohl nur eine schwere Straftat Mohnhaupts dazu führen, dass die Bundesanwaltschaft eine erneute Inhaftierung beantragen würde. Der Aichacher Anstaltsleiter Wolfgang Deuschl sieht da aber keine Gefahr: „Ich kann aus meiner Sicht aber davon ausgehen, dass sie nicht mehr straffällig wird.“

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