Landkreis Heilbronn
Wie das Sonnenlicht dreckiges Raketenwasser reinigt

Verunreinigtes Kühlwasser bringt Raumfahrt-Ingenieure und Unternehmer auf die Idee für eine neue Form der Wasseraufbereitung. In Lampoldshausen findet sich so ein gelungener Transfer von Forschungswissen in die Praxis.
  • 2

LampoldshausenTriebwerke, die Weltraumraketen den Schub verleihen, damit sie ins All fliegen, können heiß werden, sehr heiß – denn sie stoßen Brenngase mit einer Temperatur von bis zu 4000 Grad Celsius aus. Und zwar nicht nur wenn die Antriebe im All unterwegs sind, sondern auch wenn sie auf der Erde vor der langen Reise getestet werden. Wissenschaftler, die solche Triebwerke bauen und in Laboren ausprobieren, müssen ihre Anlagen deshalb kühlen – mit Wasser, mit richtig viel Wasser.

Das Institut für Raumfahrtantriebe des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Lampoldshausen im Landkreis Heilbronn tut das seit Jahren: Die Forschungseinrichtung, die im Auftrag der Europäischen Weltraumagentur (ESA) die Antriebe für die Europäische Trägerrakete Ariane entwickelt, nutzt für ihre Prüfstände die kühlende Wirkung von Wasser – und schafft sich ein nicht zu unterschätzendes Problem: Nachdem das Wasser die High-Tech-Triebwerke auf dem Testgelände im Harthäuser Wald vor dem Verglühen bewahrt hat, ist es chemisch verunreinigt und muss aufwändig und teuer aufbereitet werden.


Ein Problem, das einer Gruppe von Wissenschaftlern, Unternehmern und auch Lokalpolitikern im Raum Heilbronn keine Ruhe ließ, erinnert sich Hans-Jürgen Bigus, Geschäftsführer des Laborgeräteherstellers Hirschmann. „Wir saßen damals zusammen und suchten nach einer Lösung, wie man das Abwasser, das von den Raketen-Prüfständen kam, billiger und auch einfach reinigen könnte.“ Mit dabei neben Bigus der ehemalige Institutsleiter Wolfgang Koschel und Harry Brunnet, Bürgermeister der kleinen Gemeinde Hardthausen, zu der das Raketenzentrum im Norden Baden-Württembergs gehört.

Die Idee, die die Runde entwickelte: Das Licht der Sonne übernimmt die Reinigung des dreckigen Raketenwassers. „Sonnenstrahlung liefert die Prozessenergie zum Knacken der Schadstoffe“, sagt Jan-Peter Säck. Der Forscher, der am Kölner Standort des DLR arbeitet, ist heute Geschäftsführer der Sowarla GmbH – das Unternehmens, das aus den Grübeleien der Heilbronner Männerrunde über das Lampoldshausener Abwasserproblem entstand. Und die Sowarla GmbH trägt ihre Herkunft noch immer Namen, denn das Akronym steht für „Solare Wasserreinigungsanlage Lampoldshausen“.

Seite 1:

Wie das Sonnenlicht dreckiges Raketenwasser reinigt

Seite 2:

„In seiner Einfachheit einzigartig“

Seite 3:

„Der Markt wird entstehen“

Kommentare zu " Landkreis Heilbronn: Wie das Sonnenlicht dreckiges Raketenwasser reinigt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wie viel Zeit des Tages uebers Jahr gesehen die UV-Intensitaet der Sonnenstrahlung vor Ort rentabel ist ? Mir scheint die Anlage muss wegen UV-Durchgaengigkeit aus Quarz-Glas sein. Man kann natuerlich auch einen offenen Bach immer und immer wieder besonnen das waere fuer die dritte Welt guenstiger. Pumpen arbeiten ja auch per Sonnenschein.

  • Hier soll wohl etwas als Innovation verkauft werden, was schon lange in der Praxis angewandt wird (in Schwimmbädern, zur Wasseraufbereitung in Entwicklungsländern etc. etc.). Wenn es noch nicht im großen Maßstab angewendet wird, dann doch nur weil irgendwelche mächtigen Gruppen aus Wirtschaft und Politik etwas dagegen hatten. Natürliches Sonnenlicht kann man eben so schlecht verkaufen - höchstens an deutsche Politiker - dabei fällt mir ein ich muss schnell nach Berlin....

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%