Zukunftsatlas 2013
Die Stadt mit den meisten Geistesblitzen

Spitzenforschung, Vollbeschäftigung, europaweit die meisten Patente und exzellente Zukunftschancen. Im Prognos-Zukunftsatlas landet Erlangen auf Platz drei. Was das High-Tech-Städtchen zu Europas Patentmetropole macht.
  • 4

ErlangenNirgendwo sonst ist die Wissenschaft auch optisch so tief in der Stadt verwurzelt wie in Erlangen. Im Zentrum thront im barocken Stil das Markgräfliche Schloss. Dort, im Herzen der Stadt, hat die Uni-Verwaltung ihren Sitz. Dahinter im Schlossgarten sitzen jährlich an einem lauen Sommerabend Uni-Professoren im Smoking und Studentinnen im Abendkleid an langen weißen Tafeln. Die Uni richtet das Schlossgartenfest seit 1951 aus. Die Wissenschaft sitzt hier in der Mitte der Stadt.

Es gibt keinen anderen Ort in Deutschland, in dem der Anteil Hochqualifizierter an den Beschäftigten so hoch ist wie in Erlangen. Wer nicht an der Universität forscht, arbeitet bei Siemens, dem Energiekonzern Areva, beim Sportartikelhersteller Puma im Nachbarort oder dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS) im Süden der mittelfränkischen Stadt.

Dazu gehört Familie Wendler. Vor 17 Jahren ist sie aus dem Rheinland in die Universitätsstadt gezogen. Silke Wendler bereut den Schritt bis heute nicht. Die studierte Biologin lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in einer Neubausiedlung am Rande der Stadt.

An ganz einfachen Dingen merkt sie, warum ihre neue Heimat so gut abschneidet, etwa bei den Schulen: „Hier gibt es nur zwei Hauptschulen, zwei Realschulen, dafür aber sieben Gymnasien“, beschreibt die 46-Jährige. Ihr Mann ist Wissenschaftler an der Universität.

Dank der Wissenschaft hat sich die Stadt zu einem High-Tech-Standort entwickelt. „Erlangen ist eine Perle in der Wissenschaftslandschaft mit einer Spitzenforschung, die sich weltweit sehen lassen kann“, sagt Albert Heuberger. Der Universitätsprofessor ist Leiter des Fraunhofer-Instituts und Inhaber des Lehrstuhls für „Informationstechnik mit dem Schwerpunkt Kommunikationselektronik“. Er kam aus Passau zum Studium in die nordbayerische Stadt und ist geblieben – seit mittlerweile 34 Jahren.

Gemeinsam mit der Universität und Heubergers Institut wurde vor vielen Jahren das „mp3“-Format erfunden, jenes Dateiformat für komprimierte Musikdateien, das den Musikmarkt revolutionierte. Noch heute meldet das Fraunhofer-Institut gemeinsam mit der Universität regelmäßig Patente für weitere Entwicklungen der Audio-Codierungen an.

Auch die Spiral-Computer-Tomographie (CT) von Professor Willi A. Kalender, die eine ganz neue Gerätegeneration von Computertomographen bei Siemens begründete, kommt aus Erlangen. Auch deswegen ist Erlangen die Stadt, in der europaweit die meisten Patente angemeldet werden.

Kommentare zu " Zukunftsatlas 2013: Die Stadt mit den meisten Geistesblitzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja das ist mir bewusst, lieber Herr Ralfreinermueller. Und Ihrer Ansicht nach zählen die Studenten der soziologischen, wirtschaftlichen und erziehungswissenschaftlichen Studiengänge also nicht zu den an der FAU immatrikulierten Studenten? Oder womit genau begründen Sie, dass man die Zahl von auf mehrere Städte verteilten Studenten in das Verhältnis zur Einwohnerahl einer dieser Städte setzen kann um eine "Proportion" darzustellen?

    Ihr Einwand ergibt leider weder auf inhaltlicher noch methodologischer Ebene Sinn.

  • Lieber Herr daypro,
    vielleicht sollten Sie sich selbst besser informieren.
    In Nürnberg befinden sich weder technische noch naturwissenschaftliche Institute der FAU Erlangen-Nürnberg.
    Insofern ist kaum anzunehmen, dass dort nenneswert viele Patente der FAU entstehen. Die Darstellung im Artikel ist also im Großen und Ganzen korrekt.

  • "Im aktuellen Wintersemester sind an der FAU über 37.600 Studenten immatrikuliert – so viele wie nie zuvor. Und dass, obwohl die Stadt gerade einmal knapp 107.000 Einwohner hat."

    Zunächst einmal ist hier wieder ein Dass/Das-Fehler zu finden, wie so oft. Von profunder Gymnasialbildung in der deutschen Sprache kann hier schon einmal nicht ausgegangen werden.

    Dieses von mir implizierte Manko lässt sich nicht nur aus dem Rechtschreibfehler (wenn es denn einer ist), sondern auch aus dem ganzen Satz herauslesen. Jeder, der FAU googlen kann, wird feststellen, dass die FAU über Campusse in Erlangen und in Nürnberg verfügt. Also müsste man, um überhaupt vergleichen zu können, nur die in Erlangen studierenden Studenten der FAU berücksichten, oder aber die Gesamtzahl im Verhältnis zu der Einwohnerzahl Erlangens und Nürnbergs sehen.

    Jeder gut ausgebildete Journalist verfügt über so viel analytisches Verständnis. Bitte, liebes HB, lassen Sie auch, UND GERADE, Ihre Online (für jedermann zugänglichen) Artikel von qualifizierten Autoren verfassen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%