Zukunftspläne
Stoiber gibt Rätsel auf

Ein halbes Jahr vor dem Wechsel in den Ruhestand gibt Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber seiner Partei Rätsel über seine Zukunftspläne auf. Manche CSU-Politiker fürchten gar Probleme durch den möglichen „Unruheständler“.

MÜNCHEN. Er werde auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen, heißt es in Kabinett und CSU-Spitze. Denn sechs Monate vor seiner zwangsweisen Verabschiedung wirkt der CSU- Chef alles andere als amtsmüde. Stoiber selbst hat sich bisher nicht klar über seine Pläne geäußert. Die Prognosen, ob seine Energie als „Unruheständler“ zum Problem für seine Partei werden könnte, gehen weit auseinander.

Als ausgemachte Sache gilt, dass Stoiber CSU-Ehrenvorsitzender wird. Doch solch ein Posten ist keine Lebensaufgabe. Ein Kabinettsmitglied sagt, Stoiber sei diszipliniert, werde sich nicht destruktiv verhalten und die Arbeit seiner Nachfolger nicht stören. Ein Kollege verweist darauf, dass politischer Einfluss nicht an die Person, sondern an die Ämter gekoppelt ist: „Wenn du draußen bist, bist du draußen.“ Stoiber werde ein gern gesehener Redner auf CSU- Veranstaltungen werden. „Dann ist das Zelt voll und der Wirt freut sich.“

Doch nicht alle CSU-Politiker teilen diese Einschätzung. Stoiber wolle sich auch in Zukunft einbringen - und das könne seinen Nachfolgern die Arbeit erschweren, lautet diese Denkschule. Die Politik ist Stoibers größte Leidenschaft - da sind sich alle einig. Ansonsten interessiere ihn außer seiner Familie nur der Fußball. Am Tag seiner Verabschiedung werde Stoiber „wahrscheinlich keinen Unterschied merken, außer dass er in ein anderes Auto steigt“, scherzt ein Kabinettsmitglied. „Er steht voll im Saft. Er macht keinen Unterschied zwischen der Zeit vor und nach seiner Verabschiedung.“

Ob das Spannungen mit seinen Nachfolgern gebe, „hängt von den Personen ab“. Häufige Stoiber-Ratschläge würden schnell Reibungen erzeugen, warnt ein weiterer CSU-Spitzenpolitiker. Leichte Unruhe bei einigen CSU-Spitzen löst Stoibers geplantes Zukunftsprogramm „Bayern 2020“ aus. Manche sehen die Gefahr, dass er in einem letzten Kraftakt noch schnell die Entwicklung Bayerns für die nächsten anderthalb Jahrzehnte festlegen will. „Diese Sorge gibt es“, sagt ein Kabinettsmitglied. „Er schlägt keine Pflöcke ein, aber stellt große Schilder mit Hinweisen auf“, sagt ein Kollege. Doch trösten sich die CSU-Granden damit, dass die Grundrichtung stimme und konkrete Entscheidungen ohnehin erst später getroffen werden.

Aber wenn nicht die Politik, was dann? Vielleicht eine Rolle in den Medien, mutmaßt ein Kabinettsmitglied. Stoiber habe der Aufbau des Medienstandorts Bayern immer sehr am Herzen gelegen. Ein Kollege verweist auf einen üblichen Karriereweg für scheidende Politiker mit juristischem Staatsexamen - eine Anwaltskanzlei. Nur eines erscheint unvorstellbar: Ein Stoiber mit Buch in der Hand im Ohrensessel.

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