Zulassungsprobleme
Tausende Studienplätze frei

Vor dem Krisentreffen am Dienstag bei Bundesbildungsministerin Annette Schavan (SPD) schlagen die Wogen hoch: Die SPD wirft ihr vor, das Chaos bei der Studienzulassung nur zu moderieren und fordert eine zentrale Regelung.

BERLIN. Daneben kritisiert die Vorsitzende des Bildungsausschusses des Bundestages, Ulla Burchardt (SPD), scharf das „offensichtliche Desinteresse einiger Rektoren“ an einem zentralen Verfahren.

Das Problem: Derzeit bewerben sich Schulabgänger an vielen Hochschulen gleichzeitig – diese reagieren auf die Flut mit lokalen Zugangsbeschränkungen. Am Ende bleiben viele Plätze unbesetzt. Exakte Zahlen gibt es nicht. Eine Umfrage des Handelsblatts spricht jedoch dafür, dass bundesweit tausende Plätze frei bleiben. Besonders groß ist die Lücke etwa in Frankfurt: Die Goethe-Universität konnte im Wintersemester 807 Plätze in zulassungsbeschränkten Fächern nicht besetzen – das waren rund 19 Prozent ihrer Kapazität. Sogar mehr als 30 Prozent blieben beispielsweise in Wirtschaftspädagogik oder Biologie frei.

Auch an der TU Dresden sind die Erstsemesterplätze lediglich zu 82 Prozent ausgelastet. Fast 500 Plätze blieben ungenutzt. „Hier muss künftig die Festsetzung einer Zulassungsbeschränkung grundsätzlich überdacht werden“, räumt der Sprecher der Dresdener Uni zerknirscht ein. An der Elite-Uni FU Berlin und an der Universität Duisburg-Essen blieben im Winter fünf Prozent der an beiden Universitäten zusammen insgesamt fast 8 000 Erstsemester-Studienplätze unausgelastet, weil zu viele Bewerber letztlich doch anderswo hin gingen und die Zulassungsbeschränkungen offensichtlich zu hoch angesetzt waren.

Einen lokalen Numerus Clausus dürfen Hochschulen nur auf Antrag und mit Erlaubnis des jeweiligen Wissenschaftsministers verhängen. Diese berechnen dann die Kapazität und schreiben den Hochschulen vor, wie viele Plätze sie zur Verfügung stellen müssen. In nicht zulassungsbeschränkten Fächern müssen die Hochschulen jeden Bewerber aufnehmen.

Es gibt allerdings auch vielversprechende Gegenbeispiele: So blieben an der Elite-Uni Karlsruhe dank eines zügigen Zulassungsverfahrens nur „eine Hand voll“ Plätze frei, sagte die Sprecherin: „Unsere Bewerbungsfrist läuft bis Mitte Juli, dann ist zwei Wochen Zeit, die Plätze anzunehmen. Wenn andere Unis ihre Zulassungen verschicken, sind wir schon beim 2. Nachrückverfahren.“ Auch an der Elite-Uni LMU München blieb nur jeder 100ste Platz frei.

Die Uni Hamburg meldet „Vollauslastung“. Die Rektorin Monika Auwetter-Kurtz gehört zur Speerspitze der Hochschulen, die sich keinesfalls einem Zulassungszentralismus unterwerfen wollen. Die „Hamburger Initiative“ arbeitet daran, an möglichst vielen Unis fürs erste zumindest die Zulassungstermine und Fristen zu vereinheitlichen – in Eigenregie. Diesem Ziel haben sich neben den Hamburgern mittlerweile rund 20 weitere angeschlossen, darunter Heidelberg, München, Duisburg-Essen, Bonn sowie die FU und TU Berlin. Ein weiteres Dutzend ist interessiert.

Schavan indes will die Rektoren davon überzeugen, sich einem bundesweiten Verfahren anzuschließen – und zwar sowohl für eine Übergangslösung im Herbst 2009 als auch für eine endgültige Lösung ab dem Herbst 2010 bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin
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