Zum 1. Juli
Gesetzliche Krankenkassen erhöhen Beiträge

Die gesetzlich versicherten Kassenpatienten bekommen die gestiegenen Ausgaben im Gesundheitswesen zu spüren: Bis zu 25 gesetzliche Krankenkassen könnten ihre Beiträge zum 1. Juli anheben, so das Bundesversicherungsamt am Dienstag. Darunter seien auch die Gmünder Ersatzkasse und die Hamburg Münchner mit zusammen zwei Millionen Versicherten.

HB BERLIN. Grund sind vor allem die rapide steigenden Arzneikosten. Das Gesundheitsministerium bestätigte zudem, dass die Beitragszahler zum Teil die höheren Tarifsteigerungen für das Krankenhauspersonal auffangen sollen.

Die Spitzenverbände der Kassen kritisierten diesen Schritt. Wenn die Politik die Übernahme eines Teils der Tarifsteigerungen ankündige und zugleich ein millionenschweres Programm zur Neueinstellung von Pflegekräften wolle, müsse sie auch dafür sorgen, dass die Krankenkassen entsprechend ausgestattet würden, "um die zusätzlichen Ausgaben schultern zu können".

Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte den Kliniken Hilfe bei der Bewältigung der rund vier Mrd. Euro umfassenden Tariferhöhungen versprochen. Im Gespräch ist, dass Kassen und Beitragszahler rund 50 Prozent übernehmen. Gespräche zwischen Regierung und Koalitionsfraktionen finden dazu in dieser Woche statt. Dabei soll auch geklärt werden, ab wann die Versicherten zahlen müssen. Erwogen wird die Einrichtung eines Sonderfonds.

Die Gmünder erhöht kommende Woche ihren Beitragssatz von 13,9 auf 14,3 Prozent, wobei die Versicherten mit dem Sonderbeitrag 15,2 Prozent zahlen müssen. Die Hamburg Münchner wird acht Punkte teurer auf 16,4 Prozent. Das Bundesversicherungsamt erwartet, dass mehr als 20 Kassen ihre Sätze erhöhen. Bisher kaum zu überblicken sind die regionalen Kassen, wie etwa die AOKs, die nicht dem BVA unterliegen.

Als Grund für die Beitragssteigerungen nannten Gmünder und Hamburg Münchener höhere Ausgaben für Arzneimittel und andere Sektoren. Ingesamt kommt der Durchschnittssatz aller 217 Kassen damit wohl nahe an die Rekordmarke von 15 Prozent heran. In der Folge müsste auch der Beitragssatz für den ab Januar geplanten Gesundheitsfonds hoch ausfallen, den die Regierung bis zum 1. November festlegen muss. Auch bei privaten Versicherern werden für 2009 steigende Beiträge für Neukunden erwartet.

Gesundheits-Staatssekretärin Marion Caspers-Merk sagte, einige Kassen nutzten die Gelegenheit, um sich für den Fonds gut aufzustellen und Schulden abzubauen, andere wiederum trieben echte Ausgabensteigerungen zur Anhebung ihrer Sätze. Ein Ministeriums-Sprecher sagte, die Aufsichtsbehörden würden die Notwendigkeiet der Steigerungen genau prüfen. Die kletternden Arzneiausgaben sind den Kassen seit langem ein Dorn im Auge. Bei der Gmünder lag der Anstieg im vergangenen Jahr bei acht Prozent und in den ersten fünf Monaten dieses Jahr bei zehn Prozent.

Kassen und Wissenschaftler forderten Konsequenzen aus der Finanzentwicklung. Die Verschreibung teurer neuer Arzneimittel ohne wirklichen Zusatznutzen müsse weiter eingedämmt werden, forderte das Mitglied im Gesundheits-Sachverständigenrat, Gerd Glaeske. Der Experte forderte, bei Rabattverträgen zwischen Kassen und Pharmafirmen Mengenprüfungen nicht komplett wegfallen zu lassen. Die Verordnung zu hoher Mengen eines Mittels durch Ärzte müsse bestraft werden. Der neue Arznei-Verordnungsreport der Gmünder habe ergeben, dass die Mediziner zunehmend preiswerte Großpackungen verordneten, von denen ein Großteil ungenutzt bleibe. Gmünder-Chef Rolf-Ulrich Schlenker forderte eine rasche Bewertung von Kosten und Nutzen neuer Arzneimittel. Gegebenenfalls müsse auch über eine staatliche Preisregulierung nachgedacht werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%