Zum 60. Geburtstag der Kanzlerin
Ist Merkel nur noch „Mutti auf Abruf“?

Am Donnerstag wird Angela Merkel 60 – das heizt die Debatte um ihre Zukunft erneut an. Kritik perlt an der „Welt-Mutti“ konsequent ab, sie definiert bereits die Linien über 2017 hinaus. Alternativen sind rar.
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BerlinWenn der Konstanzer Historiker Jürgen Osterhammel am 17. Juli im Konrad-Adenauer-Haus ans Pult schreitet, wird er nicht nur einen Vortrag mit dem sperrigen Titel „Vergangenheiten: Über die Zeithorizonte der Geschichte“ halten. Er leistet auch einen wichtigen Beitrag zum gewünschten Image von Angela Merkel. Zum 50. Geburtstag hatte die CDU-Vorsitzende noch einen Hirnforscher reden lassen, weil sich die ostdeutsche Protestantin nicht groß feiern lassen wollte. Zum 60. Geburtstag ist die subtile Botschaft nach außen: Auch nach achteinhalb Jahren Regierungszeit ist Merkel immer noch dieselbe. Andere mögen rauschende Partys geben. Die Physikerin dagegen will, dass sie und ihre Gäste etwas lernen.

Doch der Eindruck reiner Kontinuität und professoraler Biederkeit täuscht. Denn nach einem halben Jahr ihrer dritten Amtszeit als Regierungschefin prägen zwei andere Aspekte das Bild der ersten deutschen Kanzlerin: Zum einen erhält sie auf internationalem Parkett einen unverkennbaren Star-Status. Weil die Innenpolitik derzeit vor allem aus der Umsetzung eines detailliert vereinbarten Koalitionsvertrages besteht, rätseln viele, was sie bis 2017 in Europa und der Welt vorhat.

Zum anderen aber wabert seit der Bundestagswahl eine Nachfolgedebatte durch die Republik. Und die, so räumen auch ihre Mitarbeiter und Parteifreunde ein, dürfte sie nicht mehr loslassen – schon weil niemand weiß, wie lange Merkel eigentlich im Amt bleiben möchte. Dabei gibt es immer mehr Hinweise, dass sie gerade aus der Außenpolitik eine längerfristigere Perspektive ableitet – auch für ihre Kanzlerschaft. Kein Zufall also, dass mit Osterhammel ein Historiker ausgewählt wurde, der ein Spezialist für Weltgeschichte und nicht für bundesrepublikanische oder europäische Nabelschau ist. Der „Spiegel“ nährte die Merkel-Spekulationen am Sonntag mit einem Bericht, wonach die Kanzlerin vor dem nächsten Wahltermin freiwillig zurücktreten könnte.

Kommentare zu " Zum 60. Geburtstag der Kanzlerin: Ist Merkel nur noch „Mutti auf Abruf“?"

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  • Lothar de Maizaire (IM Cherny) holte Frau Merkel in die Partei DA "Demokratischer Aufbruch", von wo sie direkt an die Seite von Kohl wechselte als "Kohls Mädchen" oder Abrissbirne-Deutschland, sozusagen.

    ??????

    Da bringen Sie alles durcheinander. Nach ihren vielen Biographien war sie Pressesprecherin des DA, gegründet vom Stasi-IM Schnur und vom KGB gesponsort für den Verbleib der DDR im Sowjetimperium. Aber die DDRler hatten davon die Nase voll. Nur 0,8 % gaben Frau Merkels DA ihre Stimme. Nach in der Wahlnacht hat sie ihr Intimus bis heute, der Thomas de Maiziére mit zur Siegerparty seines Cousins Lothar genommen und sie ihm vorgestellt. Damit nahm das elende Schicksal von Deutschland seinen Verlauf. „Abrissbirne Deutschlands, sozusagen.“
    Wenn sie jetzt aus Einsicht verschwindet, hat Deutschland vllt noch eine Chance, sich aus der Schuldenknechtschaft von EU, Euro, ESM und EZB zu befreien. Die AfD hat sich dies als oberstes Ziel gesetzt.

  • @Marc Hoffmann,

    Sie haben die Orientierung verloren und 'Links' mit 'Oben' verwechselt.

    Seit wann ist der finanzkapitalistische ESM links oder gar sozialistisch? Der ist doch 'ganz oben' bei den Superreichen angebunden. Fragen Sie doch den ESM-Gouverneur Schäuble, von wem er sein Honorar von über einer Mio. Euro unversteuert auf ein Nummernkonto in einer anonymen Steueroase überwiesen bekommt. Sicher nicht von Sozialisten. Lächerlich!
    Haben Sie noch nie etwas von Überläufern oder Konvertiten gehört ? Die sind doch nachher die ideologischsten und eifrigsten, wie eben die Frau Merkel.


  • Ja was wäre sie denn heute?
    Sie wäre strammes Mitglied im Politbüro

    ??????

    Sie wäre die Erste Vorsitzende ...
    wie heute in der BRD, wo sie die Große Vorsitzende der Großen Koalition geworden ist. Obwohl sie am 22.09.2013 von den 62 Mio. Deutschen Wahlberechtigten mehrheitlich als Kanzlerin abgewählt worden ist, mit 311:320 (Merkel : Opposition).

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