Zum achten Mal in Folge
Wieder weniger Kredite in der Euro-Zone vergeben

Die Summe der vergebenen Kredite ist im Dezember ein weiteres Mal gesunken. Für eine Trendwende sehen Analysten noch keine Anzeichen. Und solange das nicht der Fall sei, werde es auch nichts mit der Konjunkturerholung.
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FrankfurtDie Kreditvergabe der Banken in der 17 Euro-Ländern bleibt schwach. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Montag in Frankfurt mitteilte, sank die Summe der in der Euro-Zone an Unternehmen und private Haushalte ausgereichten Darlehen im Dezember um 0,7 Prozent und damit den achten Monat in Folge. Damit festigt sich der Trend, dass die niedrigen Zinsen der EZB nicht auf Unternehmensinvestitionen und Verbrauch durchschlagen - obwohl zahlreiche Stimmungsindikatoren auf ein Ende der heftigen Rezession in weiten Teile der Währungsunion hindeuten.

Heinrich Bayer von der Postbank zeigte sich entsprechend enttäuscht von den Daten: "Auf der Kreditseite sind noch keine Anzeichen einer Trendwende nach oben zu beobachten. Solange das so bleibt, wird die von uns erwartete konjunkturelle Belebung keine Dynamik entwickeln können."

Michael Schubert von der Commerzbank geht davon aus, dass es die geringe Nachfrage nach Krediten in der Rezession ist, die sich aus den Daten ablesen lässt. "Eine Besserung ist erst zu erwarten, wenn die Konjunktur wieder anspringt." Jedoch dürfe beim Blick auf die von der EZB veröffentlichte Durchschnittszahl nicht übersehen werden, "dass Angebotsbeschränkungen zumindest in einigen Euro-Ländern eine größere Rolle bei der Kreditvergabe spielen dürften".

Während im November lediglich die Summe der an Unternehmen vergebenen Darlehen gesunken war und private Haushalte noch ein Plus verzeichneten, erhielten Firmen im Dezember insgesamt 22 Milliarden Euro und Haushalte drei Milliarden Euro weniger von den Banken. Sehr stark waren die beiden Krisenländer Spanien und Portugal davon betroffen.

Nach Ansicht der Ökonomin Marie Diron von Oxford Economics wird es noch eine ganze Weile dauern, bis sich die Lage bessert: "Die inzwischen viel größere Zuversicht hinsichtlich der Zukunft der Euro-Zone hat sich bislang zwar an den Märkten niedergeschlagen. Es wird aber Zeit brauchen, bis das auch Effekte nach sich zieht bei der Kreditverfügbarkeit und beim Wirtschaftswachstum.

Das Wachstum der für die Zinspolitik der EZB wichtigen Geldmenge M3 lag im Dezember nur noch bei 3,3 (November: 3,8) Prozent und damit deutlich unter dem von Analysten erwarteten Wert von 3,9 Prozent. Im gleitenden Dreimonatsdurchschnitt (Oktober/Dezember) erhöhte sich M3 um 3,7 Prozent. M3 umfasst unter anderem Bargeld, Einlagen auf Girokonten, kurzfristige Geldmarktpapiere sowie Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit. Eine stark wachsende Geldmenge signalisiert potenzielle Inflationsgefahr.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zum achten Mal in Folge: Wieder weniger Kredite in der Euro-Zone vergeben"

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  • Wer soll denn hier noch groß Kredit aufnehmen, wo doch die Masse verschuldet ist und der Betrug der Banken aufgeflogen ist!!

    Das System wird crashen!! Das ist alles nur eine Frage der Zeit!

    Wir brauchen ein Reset des Systems!!!!

  • Es ist schon ein absoluter Rückgang der Kreditnachfrage verheerend Aber noch viel schlimmer: Die Geldmenge ist inflationsbereinigt in einer Stagnation, obwohl viele Anlagen wegen der niedrigen Zinsen nur kurzfristig gehalten werden. Das bedeutet, dass selbst die niedrigen Zinsen keine Investitionstätigkeit auslösen. Europa sitzt in der Liquiditätsfalle. Bei einem derartigen Investitionsklima werden pro Jahr 1,5% Arbeitskräfte abgebaut. Die Eurozone hat die Talsohle noch vor sich!
    Wir verweisen auf fortunanez, Tageskommentar vom 16. November. Dass zeitgleich Dr. Merkel in Davos von einem EU-Pakt zu mehr Wettbewerbsfähigkeit träumt braucht man nicht mehr kommentieren.

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