Zum Tod von Johannes Rau
Lange Warteschlagen vor den Kondolenzbüchern

„Er war einer unserer besten Politiker - ehrlich und aufrichtig“, sagte die 62-jährige Christel Ackermann, als sie sich am Samstag in die Menschenschlange im Berliner Schloss Bellevue einreihte.

HB BERLIN/BONN/WUPPERTAL. Es sei ihr daher ein Bedürfnis, sich in das Kondolenzbuch für Johannes Rau einzutragen. Der frühere Bundespräsident war am Freitag im Alter von 75 Jahren in Berlin gestorben.

Im Berliner Amtssitz des Staatsoberhauptes und in der Bonner Villa Hammerschmidt wurden ebenso Kondolenzbücher ausgelegt wie im Düsseldorfer Landtag und in Raus Heimatstadt Wuppertal. Überall bildeten sich lange Warteschlangen. Allein am Samstag kamen Tausende, um ihre Trauer zum Ausdruck zu bringen und um ihre Gedanken und Gefühle niederzuschreiben - Bürger ebenso wie prominente Politiker.

Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) waren am Vormittag als erste an den kleinen Schreibtisch im Schloss Bellevue getreten. Dort hat das Kondolenzbuch neben einem bescheidenden Strauß weißer Rosen und einem Porträt des Verstorbenen seinen Platz gefunden.

Auch auf der Internet-Seite der Stadt Wuppertal und der Homepage der nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten trugen sich tausende Menschen aus ganz Deutschland ein, um Abschied von dem SPD-Politiker zu nehmen. Aus dem niedersächsischen Lüchow hieß es etwa: „Liebe Familie Rau, mit Ihrem Mann verliert Deutschland eine großen Politiker und Sozialdemokraten, der sich immer auch um die „kleinen“ und benachteiligten Menschen gekümmert hat.“ Auch alte Genossen, die Rau persönlich kannten, schrieben im Internet einen letzten Gruß. „Du warst für mich immer das Beispiel für einen „anständigen Menschen““, schrieb ein Trauernder aus Mühlheim. „Du wirst mir immer in Erinnerung bleiben.“

Auch in Berlin, wo der gebürtige Wuppertaler Rau seine letzte Ruhestätte finden soll, war die Trauer groß. Vor dem Schloss Bellevue, wo die Deutschlandfahne auf Halbmast weht, lobte die 62- jährige Renate Brehm: „Er war ein aufrechter Sozialdemokrat.“ Von den heutigen SPD-Politikern könne man das nicht immer behaupten, ergänzte ihr Ehemann Robert, der sich im Schloss Bellevue geduldig in die Warteschlange einreihte. Der Student Dorian Raßloff meinte, wegen seiner „hohen Moral“ und seinem Streben nach Versöhnung sei Rau neben Gustav Heinemann und Richard von Weizsäcker „der beste Bundespräsident Deutschlands“ gewesen.

Selbst Touristen, die nur für ein Wochenende nach Berlin gekommen waren, nahmen die rund 30-minütige Wartezeit in Kauf, um Abschied von Johannes Rau zu nehmen. Das Ehepaar Hörnberger aus dem westfälischen Siegen erinnerte vor allem daran, „wie er mit den Menschen umgegangen ist“ - ein Argument, das immer wieder zu hören ist. „Er ist dem Volk immer verbunden geblieben“, betonte der 65-jährige Berliner Wolfram Sanders, und für Regine Gerhardt (59) war Rau schlicht und ergreifend ein „netter“ Bundespräsident. „Ich mochte ihn einfach.

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