Zum Tod von Peter Struck
Der Parteisoldat

Das lose Mundwerk des Ex-Verteidigungsministers Strucks war gefürchtet. Und trotzdem genoss der SPD-Politiker in den eigenen Reihen und beim politischen Gegner viel Respekt. Ein Porträt.
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BerlinGlatze, Schnauzbart, die Pfeife im Mund und sein schweres Motorrad, das waren Peter Strucks Markenzeichen. Am Mittwoch ist der über Parteigrenzen hinweg geschätzte Sozialdemokrat in der Berliner Charité gestorben - an den Folgen eines Herzinfarkts.

Erst am Montag war der 69-jährige frühere Verteidigungsminister für zwei weitere Jahre zum Vorsitzenden der SPD-nahen Friedrich Ebert-Stiftung gewählt worden. Die Einladungen für Strucks 70. Geburtstag am 24. Januar sollten in den nächsten Tagen herausgehen. Auf der geplanten Feier in Berlin wollte der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder sprechen, mit dem sich Struck so manches Wortgefecht lieferte.

In seiner aktiven Zeit war Struck der lebende Beweis dafür, dass ein loses Mundwerk in der Politik kein Nachteil sein muss. Mit polternden Rundumschlägen in Tonlagen wie: „Die CDU kann mich mal“ versetzte er in der großen Koalition (2005-2009) die Union regelmäßig in Rage. Besonders in den Augen von Angela Merkel galt der promovierte Jurist mit der klaren Aussprache nicht selten als provozierender Störenfried.

Dass er sich auch von der Kanzlerin den Mund nicht verbieten ließ, verschaffte Struck in den eigenen Reihen viel Autorität. Die schwierig zu führende SPD-Fraktion stand fast immer geschlossen hinter ihm. Die meisten SPD-Parlamentarier vertrauten ihm und schätzten seine Geradlinigkeit. Zu seinem Führungsstil gehörte, dass er den Abgeordneten glaubhaft das Gefühl gab, vor allen wichtigen Entscheidungen mitreden zu können.

In seinen insgesamt acht Jahren an der Spitze der Fraktion, die er auch schon von 1998 bis 2002 führte, prägte der Sohn eines Autoschlossers und einer Kioskbesitzerin aus Göttingen auch das „Strucksche Gesetz“ - ein bis heute weiter verwandter Ausdruck, wonach kein Gesetz den Bundestag so verlässt, wie es hineinkommt.

Nach dem rot-grünen Machtwechsel 1998 wäre Struck gerne bei Schröder Kanzleramtschef geworden. Doch daraus wurde der Fraktionsvorsitz. Nach dem Rücktritt von Rudolf Scharping wurde er 2002 vom SPD-Kanzler kurzfristig ins Verteidigungsministerium abkommandiert.

An dem zunächst ungeliebten Amt gewann der Parteisoldat rasch Gefallen und verschaffte sich auch bei Rekruten und Generälen viel Anerkennung. Er prägte den Satz, Deutschlands Sicherheit werde auch am Hindukusch - also in Afghanistan - verteidigt. In seiner Ministerzeit erlitt Struck einen Schlaganfall, von dem er sich aber gut erholte. Obwohl er eigentlich gerne länger auf diesem Posten geblieben wäre, musste er mit der großen Koalition 2005 wieder die Fraktion übernehmen.

Der in Göttingen geborene Niedersachse konnte am Ende auf eine lange parlamentarische Erfahrung verweisen: Er gehörte 29 Jahren dem Bundestag an, aus dem er 2009 ausschied. Seine Familie in Uelzen hatte ihm schon viel früher geraten, mit der Politik Schluss zu machen. Doch die ließ ihn nie richtig los.

Nach dem endgültigen Abschied nahm sich Struck aber mehr Zeit für seine drei erwachsenen Kinder und seine sechs Enkel sowie seine wohl größte Leidenschaft: in dicker Lederkluft auf seinem schweren Motorrad durch die niedersächsische Landschaft zu brettern.

 
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Zum Tod von Peter Struck : Der Parteisoldat"

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  • Wenn diese "Bilderberger" ja angeblich so mächtig sind, wie Sie behaupten, warum lassen Sie dann überhaupt zu, daß ausgerechnet SIE noch frei rumlaufen um solche pietätlosen Kommentare zu schreiben? Und aus dem Herzinfarkttod eines 69jährigen eine Verschwörungstheorie zu basteln gehört einiges an Paranoia dazu.

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