Zum Tod von Rainer Barzel
„Er zeigte Größe auch in der Niederlage“

Rainer Barzel ist tot. Über Jahrzehnte prägte er die deutsche Politik: als CDU-Bundesvorsitzender, Bundestagspräsident, Unions-Fraktionschef im Bundestag und zuletzt als einfacher Bundestagsabgeordneter. Auch seine politischen Gegner zollen ihm Respekt – ungeachtet aller früheren Auseinandersetzungen. Und von denen gab es einige in seinem langen Leben.

HB BERLIN. Barzel starb in der Nacht zum Samstag im Alter von 82 Jahren nach langer, schwerer Krankheit, wie die Union am Samstag in Berlin mitteilte. Nach einem Bericht der „Bild am Sonntag“ ist Barzel von Januar bis Mai in einem Münchner Krankenhaus behandelt worden und war danach an den Rollstuhl gefesselt.

Bundespräsident Horst Köhler würdigte Barzel als einen der prägenden Politiker der Nachkriegsgeschichte. „Er hat unserem Land als Abgeordneter, Bundesminister und als Präsident des Deutschen Bundestages gedient und sich über die Parteigrenzen hinweg Respekt und Anerkennung erworben“, schrieb das Staatsoberhaupt an die Angehörigen. „Er zeigte Größe auch in der Niederlage, und er erinnerte alle politisch Verantwortlichen immer wieder daran, dass ihr Meinungskampf stets vor allem einem Ziel diesen muss: der Wahrung und der Mehrung des Gemeinwohls“, schrieb Köhler weiter.

Barzel hatte 1972 im Bundestag das Misstrauensvotum gegen den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt (SPD) angestrengt und knapp verloren. Der ehemalige DDR-Spionagechef Markus Wolf hatte später bestätigt, dass zumindest ein Abgeordneter von der DDR mit 50 000 Mark bestochen worden war. Ein Jahr später trat Barzel als Unionsfraktionsvorsitzender zurück und verzichtete auch auf eine erneute Kandidatur zum CDU-Vorsitz.

Freundschaft über Parteigrenzen hinweg

Bundeskanzlerin Angela Merkel beschrieb Barzel als „aufrechten Demokraten und glühenden Patrioten“. Immer habe Barzel für die deutsche Wiedervereinigung gekämpft, sagte die CDU-Chefin am Samstag in Berlin. Ihr persönlich sei Barzel stets „ein guter Ratgeber“ gewesen. Die Todesnachricht habe sie tief erschüttert. Merkel würdigte, dass Barzel die deutsch-französische Freundschaft am Herzen gelegen habe. Er habe Freundschaften auch über Parteigrenzen hinweg gepflegt, etwa zu dem früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt (SPD).

Der SPD-Vorsitzende Kurt Beck pflichtete Merkel bei. „Auch im politischen Streit um die besseren Lösungen für unser Land war er immer ein zuverlässiger, kompetenter und kollegialer Politiker und Mensch“, erklärte der rheinland-pfälzische Ministerpräsident. CSU-Chef Edmund Stoiber sagte, Barzel sei ein enger Freund Bayerns und der CSU gewesen Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle lobte, Barzel habe die deutsche Wiedervereinigung nie aus den Augen verloren.

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