Zum Tod von Richard von Weizsäcker Das ideale Staatsoberhaupt

Vielen gilt Richard von Weizsäcker als der bedeutendste Bundespräsident, den die Republik je hatte – alle Nachfolger mussten sich an ihm messen. Wie kaum ein anderer verkörperte er das geläuterte, weltoffene Deutschland.
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Richard von Weizsäcker (r.) mit Joachim Gauck.
Aktueller und alter Bundespräsident

Richard von Weizsäcker (r.) mit Joachim Gauck.

BerlinRichard von Weizsäcker war bis zu seinem Tode eine politische Autorität weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Der frühere Bundespräsident verkörperte nach Weltkrieg und Holocaust wie kaum ein anderer das geläuterte, weltoffene Deutschland. Am 8. Mai jährt sich zum 30. Mal seine wohl berühmteste Rede zum Kriegsende 1945. In der Bevölkerung galt er als Idealtypus eines deutschen Staatsoberhaupts. Alle Nachfolger mussten sich an ihm messen lassen.

Auch nach dem Ausscheiden aus dem Amt blieb Weizsäcker weltweit ein gefragter Mann, sei es in der Kommission zur Reform der UN, sei es als Mahner für eine Welt ohne Atomwaffen. Unzählige Auszeichnungen unterstreichen seine hohe internationale Reputation. Zu seinem 90. Geburtstag schrieb Kanzlerin Angela Merkel: „Mit Würde, Augenmaß und Umsicht haben Sie schon jetzt einen bedeutenden Platz in der politischen Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gefunden.“

Zuletzt war es allerdings still um ihn geworden. Zum 20. Juni 2014 meldete er sich noch einmal in der „Bild“-Zeitung zu Wort und würdigte den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg: „Ich war Stauffenberg schon 1942 begegnet. ... Eine eindrucksvolle Erscheinung mit leuchtenden Augen, charakterstark, mitreißend. Für mich, den jungen Soldaten Anfang 20, war es imponierend, ihn zu erleben.“

Eine nachhaltige Präsidentschaft
Weizsäcker mit seiner Ehefrau Marianne
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Richard von Weizsäcker (im Bild mit seiner Frau Marianne im Jahr 1968) hat den Start seiner politischen Karriere zu einem Gutteil Altkanzler Helmut Kohl zu verdanken. So verschafft Kohl dem zehn Jahre älteren Weizsäcker bei der Bundestagswahl 1969 einen sicheren Listenplatz. Mit seiner ersten Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten im Jahr 1974 scheitert er. Gewählt wird der bisherige Außenminister Walter Scheel, der als Kandidat der sozial-liberalen Koalition angetreten war. Foto: dpa

Weizsäcker in West-Berlin
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Nachdem Weizsäcker 1979 Bundestagsvizepräsident geworden war, erringt er 1981 im zweiten Anlauf gegen den SPD-Mann Hans- Jochen Vogel, das Bürgermeisteramt in der "Frontstadt" Berlin (mit im Bild der damalige US-Präsident Ronald Reagan und Bundeskanzler Helmut Schmidt). Foto: ap

Treffen mit Regierung und Wirtschaft
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In Berlin erbringt Weizsäcker (im Bild 1982 in Berlin auf einer Wirtschaftskonferenz mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, Unternehmer Rolf Rodenstock, Arbeitgeberpräsident Otto Esser und Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, v.l.) den Nachweis, dass er nicht nur der Mann für das intellektuell Feinsinnige, sondern auch für das politisch Grobe sein kann. Doch entgegen seiner Zusicherung, Berlin als "Lebensaufgabe" zu sehen, drängt er 1983 - gegen den Widerstand Helmut Kohls - ins Bundespräsidentenamt. Foto: ap

Vereidigung zum Präsidenten
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Im November 1983 wird Weizsäcker zum zweiten Mal als CDU/CSU-Kandidat für das Bundespräsidentenamt benannt und bei der Wahl am 23. Mai 1984 von der Bundesversammlung zum sechsten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Am 1. Juli wird er als Nachfolger von Karl Carstens in diesem Amt vereidigt (Foto). Bei der Wahl des deutschen Bundespräsidenten am 23. Mai 1989 wird Weizsäcker im Amt bestätigt. Es ist die bislang einzige Wahl eines Bundespräsidenten, bei der es nur einen Bewerber gibt. Foto: dpa

Die unvergessene Rede im Bundestag
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Kaum ein Jahr im Amt bietet er mit seiner historischen Rede zum 40. Jahrestag des Kriegsendes 1985 eine Demonstration seiner Überparteilichkeit und Eigenständigkeit. Der 8. Mai sei ein Tag der Befreiung - das Kriegsende sei nicht mehr nur als Niederlage zu verstehen, sondern als Befreiung "von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft" und als neue Chance. Foto: dpa

Der Präsident auf Auslandsreise
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Seinem Amt entsprechend, unternimmt Weizsäcker als Bundespräsident zahlreiche Auslandsreisen. So besucht er 1987 im Rahmen einer Lateinamerika-Reise den Titicacasee, den größten See Südamerikas, und wird dort von Hochlandindianern in traditioneller Kleidung musikalisch begrüßt. Foto: dpa

Spitzentreffen zu DDR-Zeiten
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Vorsichtige Annäherung: Bundespräsident Richard von Weizsäcker empfängt 1987 Erich Honecker bei dessen ersten offiziellen Besuch in der Bundesrepublik Deutschland. Der Staatsratsvorsitzende der DDR und Weizsäcker waren sich erstmalig 1983 in Berlin begegnet, der Bundespräsident zu diesem Zeitpunkt noch in seiner Funktion als Regierender Bürgermeister. Foto: dpa

Richard von Weizsäcker diente als Offizier im Zweiten Weltkrieg. Der Freiherr, am 15. April 1920 in Stuttgart geboren, wuchs im „preußischen“ Berlin heran. Er stammt aus dem schwäbischen Bildungsbürgertum - der Urgroßvater ist Theologe, der Großvater württembergischer Ministerpräsident, der Vater seit 1938 Staatssekretär im Auswärtigen Amt in Berlin. Großonkel, Onkel und Bruder Carl Friedrich sind renommierte Wissenschaftler.

Anders als es die Familientradition vorgab, ging er in der jungen Bundesrepublik zunächst in die Wirtschaft – 1953 zuerst zu Mannesmann, nach Zwischenstation 1962 bis 1966 in die Chefetage des chemisch-pharmazeutischen Unternehmens C.H. Boehringer in Ingelheim am Rhein.

Karriere durch Kohl

Doch Anfang 1965 steht der CDU-Fraktionschef im rheinland-pfälzischen Landtag vor der Tür des Boehringer-Managers. Der erst 35-jährige Helmut Kohl will den zehn Jahre Älteren in die Politik „abholen“. Weizsäcker, seit 1954 CDU-Mitglied, sagt vorerst ab. 1969 kann er dann aber nicht mehr widerstehen. Kohl versuchte damals, die katholisch und kleinbürgerlich geprägte CDU zu einer modernen Volkspartei zu machen.

Der promovierte Jurist Weizsäcker passt dafür bestens ins Bild. Richard von Weizsäcker gilt als liberal-konservativ und pflegt als Diplomaten-Sohn eine gewisse Weltoffenheit. Er ist ein Mann aus der Wirtschaft, Protestant und Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages – und er ist ein brillanter Redner.

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und Richard von Weizsäcker 1984 in der Bonner Beethovenhalle bei der Wahl Weizsäckers zum Bundespräsidenten. Quelle: dpa
Staatsmänner unter sich

Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und Richard von Weizsäcker 1984 in der Bonner Beethovenhalle bei der Wahl Weizsäckers zum Bundespräsidenten.

(Foto: dpa)

Die Vorteile, die Kohl damals für seine CDU in der Person Weizsäcker noch sah, führten letztlich zum Zerwürfnis zwischen dem Parteipatriarchen und dem „eigensinnigen“ Intellektuellen. Kohl wirft Weizsäcker mit den Jahren immer lauter vor, er habe vergessen, dass er auf der Parteischiene Karriere gemacht habe. Weizsäcker lässt im Gegenzug nicht ganz uneitel durchblicken, die CDU schmücke sich gerne mit ihm. Er bleibt stets auf Distanz zum Parteiensystem. Anfang der 1990er Jahre hält er den Parteien gar vor, sie seien „machtversessen und machtvergessen“.

Kohl sorgte zunächst dafür, dass Weizsäcker schnell Karriere machte. Bei der Bundestagswahl 1969 bekommt er einen sicheren Listenplatz, 1979 wird er Bundestagsvizepräsident. 1981 erringt Weizsäcker im zweiten Anlauf, dieses Mal gegen den SPD-Mann Hans-Jochen Vogel, das Amt des Regierenden Bürgermeisters in der „Frontstadt“ Berlin.

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Weizsäckers historische Rede
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1 Kommentar zu "Zum Tod von Richard von Weizsäcker: Das ideale Staatsoberhaupt"

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  • Was hat dieser Mann fürden normalen Bürger gebracht? War er auch für die gesetzlich vorgeschriebene Kinderarbeit, wie Hr. Schröder sie eingeführt hat? War er auch für das Zahlen der Deutschen für Alles??

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