Zurück in die Heimat
Einfach abgeschoben – nach Deutschland

Fast 11.000 Menschen wurden im vergangenen Jahr aus Deutschland abgeschoben. Doch niemand redet über den umgekehrten Weg. Auch Hunderte Deutsche mussten 2014 zwangsweise zurück in ihre Heimat reisen. Warum eigentlich?
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DüsseldorfDieser Mann hat sich viele Namen gegeben: Wolfgang S., Christian L. oder, besonders wohlklingend, Bruder Andre Kardinal von Hohenzollern-Sigmaringen. Unter diesem Namen ist der heute 66-Jährige durch Brasilien gereist, hat sich als Kirchenmann ausgegeben, als Gesandter Roms, hat in Klöstern gewohnt und Messen gelesen. Wenn er aufflog, zog er weiter. In Sao Paulo warnte das Erzbistum vor dem Deutschen in weißer Tracht mit der Bibel unter dem Arm und einem großen Kreuz um den Hals. Als die brasilianische Polizei ihn im November 2014 aufgriff, gab er sich als Bischof von Osnabrück aus, konnte sich aber nicht ausweisen. Kurze Zeit später saß er im Flieger – zurück in sein Heimatland. Abgeschoben.

In Deutschland ist uns der umgekehrte Weg geläufiger. Täglich entscheiden Behörden über die Zukunft von Menschen. Flüchtlinge, deren Asylantrag in Deutschland abgelehnt wird, müssen die Bundesrepublik verlassen und werden in ihre Heimat geschickt. Aber auch straffällige Ausländer müssen das Land verlassen. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 10.884 Menschen aus Deutschland abgeschoben, 8557 mit dem Flugzeug, 2301 auf dem Landweg und 26 per Schiff.

Es gibt aber auch Menschen, die unfreiwillig nach Deutschland geschickt werden. Um abgelehnte Asylanträge geht es bei ihnen nicht – sie haben in der Regel gesetzeswidrig gehandelt. Der falsche Kardinal in Brasilien ist ein Beispiel dafür. Er selbst machte die Erfahrung einer Abschiebung nach Deutschland gleich mehrmals. Bereits 2004 und 2010 wurde er enttarnt, als er in Brasiliens Nordosten bei katholischen Einrichtungen um Unterkunft und finanzielle Hilfe bat. 2014 folgte die dritte Abschiebung.

Wie ihm erging es im vergangenen Jahr Hunderten anderen deutschen Staatsbürgern. Für 2014 verzeichnete das Innenministerium insgesamt 306 Rückführungen nach Deutschland. Davon 63 aus der Schweiz, 44 aus Österreich, 36 aus Spanien und 27 aus den USA. Im Jahr zuvor wurden 336 Rückführungen registriert, 2012 waren es 363. Festgehalten wurden die Fälle, in die die Bundespolizei involviert war.

Gründe dafür gibt es mehrere: Ein Deutscher wird im Ausland ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung oder Papiere aufgegriffen. Oder ein Deutscher wird per internationalem Haftbefehl gesucht, gefunden – und nach Deutschland abgeschoben. Ein weiteres Beispiel nennt die Bundespolizei: Ein deutscher Staatsbürger begeht im Ausland eine Straftat und wird zu einer Haftstrafe verurteilt, deren Vollzug jedoch zugunsten einer Abschiebung ins Heimatland ausgesetzt wird.

Jüngst meldeten sich die türkischen Behörden bei ihren deutschen Kollegen wegen Marc Kerim B., der an einem Grenzposten aufgeschnappt worden war. Die Türkei hatte ihre Kontrollen verschärft, um ausländischen Extremisten die Reise nach Syrien zu erschweren. Wie sich herausstellte, lag gegen den Deutschen ein europäischer Haftbefehl vor. B. wurde verdächtigt, sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) angeschlossen zu haben. Am 4. März 2015 wurde er nach Deutschland abgeschoben – bei seiner Ankunft nahmen ihn Beamte der Bundespolizei fest.

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Einfach abgeschoben – nach Deutschland

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Abgelaufenes Visum oder fehlende Papiere

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  • Wer kennt die Kosten und das Procedere einer einzigen Abschiebubg eines Illegalen überhaupt aus der Bevölkerung ?

    Der Innenminsister hat gut Reden. Schnell geht das mal gar nicht und genügend Geld kostet das auch.

    Irgenwann wird man das erkennen, dass das so in den nächsten 10, 20 Jahren nicht mit der Übervölkerung funktioniert und man am Rande des Machbaren angekommen ist.

    Bis dahin -bis heute sind es rund 50% Ausländeranteil in Offenbach und selbst in München in fast allen Stadtteilen von über 30%-. wird alleine aufgrund der Fertilitätsrate der Anteil erheblich höher werden. Und auch aufgrund der Mentaltiät, der Religionen zu mehr Problemen bis hin zur höhreren Krimnaltiätsrate kommen.

    Die einzigen die das nicht unterschreiben, sind unsere Politiker, die noch dummes Zeug von den "Gutmenschen" reden.

    Die Realität wird Deutschland schneller überholen, als es so manchen Gutmenschen lieb ist.


  • Wenn wir kriminelle Deutsche nicht haben wollen, warum weigert man sich dann denen die Staatsbürgerschaft zu entziehen? Warum weisen wir kriminelle Personen nicht sofort aus bzw. Wer keine gültigen papiere vorweist, ist hochgradig kriminell und hat etwas zu verbergen. Auch ehrliche, wirkliche Flüchtlinge haben Papiere! Nur kriminelle, arbeitsscheue Sozialschmarotzer vernichten diese Papier bzw. lügen vorsätzlich!

  • Ob die Politiker reagieren würden, wenn man die Kosten der Nichtabschiebung Ausreisepflichtiger vonn den Abgeordnetendiäten abziehen würde.

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