Zurück zur Universität
Der leise Rückzug des Paul Kirchhof

Der Finanzexperte im Unionswahlkampfteam Paul Kirchhof, der wegen seiner radikalen Steuerpläne auch in der Union umstritten ist, zieht sich aus der Politik zurück. In einem Interview der Münchner "Abendzeitung" kündigte er an: "Ich werde mich auf meine Aufgabe als Professor für Staatsrecht und Steuerrecht konzentrieren."

HB BERLIN. Zugleich wandte sich der frühere Verfassungsrichter gegen den Vorwurf, sein Steuermodell mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent sei der Grund für das unerwartet schlechte Abschneiden der Unionsparteien bei der Bundestagswahl am Sonntag gewesen. "Nicht mein Steuermodell war die Ursache für das schlechte Wahlergebnis der Union, sondern die Fehlinformationen, die darüber in die Welt gesetzt wurden", sagte er. Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel wollte Kirchhof in einer Koalition mit der FDP zum Bundesfinanzminister machen.

Nach Aussagen von Wahlforschern trug Kirchhof einen deutlichen Teil zu den Stimmenverlusten für die Union bei, da die Debatte über die Reformkonzepte des Steuerrechtlers den Wahlkampf in den letzten Wochen dominiert hatte. Kirchhof will im Gegenzug für einen einheitlichen Steuersatz von 25 Prozent alle Ausnahmen des Steuerrechts abschaffen. Damit hatte er der SPD und Bundeskanzler Gerhard Schröder Wahlkampfmunition geliefert, die sein Modell als ungerecht und unsozial kritisierten.

Kirchhof warf Schröder in dem Zeitungsinterview vor, Fehlinformationen über sein Steuersystem verbreitet zu haben. Allerdings waren auch führende Unions-Politiker und die FDP im Wahlkampf auf Distanz zu dem Steuerrechtler gegangen.

Merkel wollte die Entscheidung Kirchhofs, die zuvor in Unionskreisen angekündigt worden war, nicht kommentieren. Der Steuerexperte habe an einer Sitzung des CDU-Bundesvorstandes teilgenommen, sagte sie auf die Frage, ob Kirchhof sich bereits für eine Rückkehr in die Wissenschaft entschieden habe. "Ich habe mit ihm gesprochen, ihm gedankt für seine Mitarbeit. Darüber hinaus ist mir nichts zu Ohren gekommen", sagte die CDU-Chefin.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%