Zuwanderung
Forschermangel droht Wachstum zu bremsen

Ein Mangel an Forschern und Spezialisten droht nach Einschätzung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) zu einer ernsten Innovationsbremse für deutsche Unternehmen zu werden. Ohne einen leichteren Zuzug ausländischer Spitzenkräfte müssten bei deutschen Unternehmen bis 2010 womöglich 30 000 Arbeitsplätze allein für Forscher unbesetzt bleiben, fürchtet der Verband.

BERLIN. Dies betreffe allein 6 000 Forscherstellen in kleinen und mittleren Unternehmen. Als Folge drohten Einbußen beim Wirtschaftswachstum „im nennenswerten Zehntel-Prozentbereich“, warnte DIHK-Chefvolkswirt Axel Nitschke.

Die Wirtschaft erhöhte damit ihren Druck auf die Regierung, rechtliche Hürden für eine Zuwanderung ausländischer Spitzenkräfte abzubauen. Konkret fordert der DIHK ähnlich wie andere Wirtschaftsverbände, die Einkommensschwelle für die Zuwanderung Hochqualifizierter von 85 500 auf 63 000 Euro zu senken. Zudem müssten ausländische Hochschulabsolventen nach einem Studium in Deutschland künftig ohne bürokratische Genehmigungsverfahren bleiben können, wenn sie einen Job mit 40 000 Euro Einstiegsgehalt finden.

Für besonders qualifizierte Fachkräfte aus den östlichen EU-Beitrittsländern fordert der DIHK außerdem, den Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt schon vor 2009 zu eröffnen. Ab 2009 solle die Freizügigkeit dann auch auf weniger Qualifizierte ausgedehnt werden. Nach aktueller Rechtslage ist der Zuzug aus den östlichen EU-Staaten noch bis Ende 2009 beschränkt, ihre Arbeitnehmer werden damit rechtlich so behandelt wie Bewerber aus dem außereuropäischen Ausland. Für 2010 und 2011 könnte die Regierung noch einmal eine verlängerte Beschränkung der Freizügigkeit bei der EU beantragen. Ob diese Option genutzt werden soll, ist in der Koalition umstritten.

Seine Prognose zur drohenden Forscherlücke stützt der DIHK auf Daten der Regierung. Diese hatte errechnet, dass Deutschland bis 2010 allein insgesamt 90 000 zusätzliche Forscher benötige, um die so genannten Lissabon-Ziele der EU zu realisieren – danach streben die Mitgliedsländer einen Forschungsanteil von drei Prozent am Bruttoinlandsprodukt an. Von den 90 000 benötigten Forschern entfallen nach den Regierungsdaten 50 000 auf die Wirtschaft. „Von diesen“, warnte Nitschke, „können allenfalls 20 000 in Deutschland gefunden werden.“

Die Forderungen des DIHK decken sich weitgehend mit Vorstellungen von Bildungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie hatte zuvor sogar gefordert, für bestimmte Berufe ausländischen Studienabsolventen generell eine Arbeitserlaubnis zu erteilen. Bislang müssen sie dazu eine speziell ihrem Studium entsprechende Arbeitsstelle vorweisen oder es muss belegt sein, dass ihre Stelle nicht mit Deutschen besetzt werden kann. Auch macht sich Schavan dafür stark, die im Aufenthaltsgesetz vorgegebene Einkommensschwelle von 85 500 Euro abzusenken.

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