Zuwanderung im Oktober
181.000 neu registrierte Flüchtlinge in einem Monat

Wie viele Flüchtlinge 2015 nach Deutschland kommen? 800.000 – so lautete Prognose der Bundesregierung. Vizekanzler Gabriel kalkuliert mit einer Million wohl besser – denn schon jetzt sind 758.000 Flüchtlinge registriert.

Allein im Oktober sind in Deutschland etwa 181.000 Flüchtlinge neu registriert worden. Die meisten kamen aus Syrien (88.640), gefolgt von Afghanen (31.051) und Irakern (21-875). Das teilte das Bundesinnenministerium am Donnerstag in Berlin mit. Von Anfang Januar bis Ende Oktober wurden demnach etwa 758.000 Flüchtlinge in Deutschland registriert. Die wichtigsten Herkunftsländer über das Gesamtjahr gesehen waren hier Syrien, Albanien, Afghanistan, Irak und das Kosovo. Die offizielle Prognose des Bundes, wonach bis zum Jahresende 800.000 Asylbewerber erwartet werden, ist damit kaum noch zu halten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) lehnt es jedoch weiter ab, eine neue Vorhersage herauszugeben.

De Maizière hatte seine offizielle Prognose im August vorgestellt. 800.000 Asylbewerber in einem Jahr wären bereits mit Abstand so viel wie noch nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Seit Wochen gibt es jedoch inoffizielle Schätzungen und Hochrechnungen, dass die Zahl noch deutlich höher liegen könnte – bei 1,0 bis 1,5 Millionen Asylbewerbern, wie bereits von Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) gemutmaßt. Dies wird auch deshalb spekuliert, weil die Behörden schon mit der Registrierung kaum nachkommen und eine große Zahl von Flüchtlingen im Land ist, die noch gar nicht registriert sind. Wie viele das sind, ist unklar.

De Maizière hält dennoch an seiner Vorhersage fest. „Die Herausgabe einer neuen Prognose würde ausländisch und von Schleppern missbraucht als zusätzliche Einladung, zu uns zu kommen“, sagte er am Donnerstag in Berlin. „Ein solches Signal möchte ich nicht aussenden.“

Da die Behörden angesichts der hohen Zahl an einreisenden Schutzsuchenden bei der Bearbeitung der Asylverfahren kaum hinterherkommen, liegt die Zahl der Asylanträge deutlich unter den Registrierungszahlen. Im Oktober stellten demnach knapp 55.000 Menschen einen Asylantrag – das war ein Anstieg von rund 158 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im laufenden Jahr beantragten bislang insgesamt etwa 362.000 Menschen in der Bundesrepublik Asyl. Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge schiebt noch immer einen immensen Berg an unerledigten Asylanträgen vor sich her: Ende Oktober waren es gut 328.000.

Auch von der EU kamen neue Schätzungen zur Flüchtlingsentwicklung. Demnach könnten bis Ende übernächsten Jahres weitere drei Millionen Flüchtlinge in Europa ankommen. Das berichtete die EU-Kommission in ihrer aktuellen Konjunkturvorhersage, die vom laufenden Jahr bis 2017 reicht. Die Behörde geht dabei von Zahlen der EU-Grenzschutzagentur Frontex für das laufende Jahr aus. Demnach kamen von Januar bis Ende September mehr als 710.000 Migranten in die EU. Allerdings ist diese Prognose – angesichts der hohen Zahlen allein für Deutschland – vermutlich etwas niedrig angesetzt.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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