Zuwanderung
Spitzenkräfte bleiben lieber draußen

In vielen Branchen sind ausländische Fachkräfte gefragt wie nie zuvor. Doch auch anlässlich des heutigen IT-Gipfels in Postdam zeigt die Bundesregierung keinerlei Bemühungen, die Zuwanderung für ausländische Akademiker und Spitzenkräfte zu erleichtern. Sie müssen sich weiter einem Behördermarathon stellen, der nicht wenige daran zweifeln lässt, in Deutschland tatsächlich willkommen zu sein.

co DÜSSELDORF/POTSDAM. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) traf sich heute mit Vertretern der Technologiebranche zu einem „nationalen IT-Gipfel“. Ziel war es, Strategien zur Stärkung des IT-Standortes Deutschland und damit für mehr Wachstum und Beschäftigung zu beraten. Auch die Zuwanderung ausländischer Fachkräfte sollte nach dem Willen der Wirtschaft Thema sein.

Innovation sei der Schlüssel für mehr Investitionen und Jobs, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos in seiner Rede in Potsdam. Dies helfe der internationalen Wettbewerbsfähigkeit. „Deshalb müssen wir mehr als bisher in unsere besten Köpfe investieren.“

Beste Köpfe kommen aber vor allem aus dem Ausland. Daher verlangen deutsche Unternehmen und Verbände schon seit langem für den internationalen Nachwuchs einen leichteren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt. Die bisherigen Auflagen der Zuwanderung seien international nicht konkurrenzfähig, so der Vorwurf. Das Zuwanderungsgesetz habe in der jüngsten Vergangenheit einen Zuzug qualifizierter Fachkräfte eher verhindert, beklagte Jörg Menno Harms, Vizepräsident des Verbandes für Telekommunikation, IT und Neue Medien. Eine Reform des Zuwanderungsrechts sei deshalb dringend notwendig.

Die Wirtschaft kann derzeit rund 22 000 offene Stellen nicht besetzen. Die Industrie sucht dringend Ingenieure. Andere Unternehmen benötigen insbesondere Fachleute mit internationaler Erfahrung und IT-Kenntnissen. Auch DIHK-Präsident Ludwig Georg Braun forderte im Handelsblatt eine Kehrtwende in der Zuwanderungspolitik. „Wir müssen den Arbeitsmarkt für gut ausgebildete Ausländer stärker öffnen. Wir plädieren hier für die Einführung eines Punktesystems mit Kriterien wie Qualifikation, Alter und Sprachkenntnissen und wer diese erfüllt, der soll dauerhaft in Deutschland bleiben können.“

Doch die Diskussion wurde von der Politik auf dem IT-Gipfel nicht aufgegriffen. Die Forderungen aus der Wirtschaft verhallten ungehöhrt. Dabei wollte die Koalition die komplizierten Regeln des Zuwanderungsgesetzes vor wenigen Montagen noch mit einer Gesetzesinitiative korrigieren, um mehr Spitzenkräfte ins Land zu holen. Daraus wurde jedoch nichts. Bundesarbeitsminister Franz Müntefering (SPD) verwarf die geplanten Erleichterungen für ausländischer Fachkräfte und Akademiker überraschend wieder.

Nach geltendem Recht können Spitzenkräfte zwar grundsätzlich auch ohne die sonst geforderte behördliche Arbeitsmarktprüfung in Deutschland eine Arbeit annehmen. Bedingung ist aber, dass sie eine Stelle mit mehr als 84 000 Euro Jahreseinkommen nachweisen. Diese Hürde gilt gerade für Berufsanfänger als sehr hoch. In den Niederlanden mit vergleichbaren Einkommenswerten wie in Deutschland ist dagegen bereits ein Jahreseinkommen von 45 000 Euro ausreichend, um einen Arbeitsmarktzugang zu erlangen.

Seite 1:

Spitzenkräfte bleiben lieber draußen

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%