Deutschland

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Zuwanderung zieht an: Spanier stürmen Deutschland

Die Euro-Krise trägt Deutschland bitterböse Kritik ein, macht das Land bei vielen Bewohnern der Krisenstaaten aber auch sehr attraktiv. Immer mehr Zuwanderer kommen nach Deutschland - und verlassen ganz bestimmte Länder.

Die gute Beschäftigungslage in Deutschland lockt viele Zuwanderer aus Südeuropa. Quelle: dpa
Die gute Beschäftigungslage in Deutschland lockt viele Zuwanderer aus Südeuropa. Quelle: dpa

BerlinInmitten der Schulden- und Wirtschaftskrise in Europa erweist sich Deutschland für Zuwanderer so attraktiv wie seit fast 20 Jahren nicht. Im vergangenen Jahr sind mehr als eine Million Menschen nach Deutschland eingewandert, teilt das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Unter dem Strich zogen 369.000 Menschen mehr nach Deutschland als das Land verließen. Das ist der höchste Wert seit 1995.

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Die Netto-Zuwanderung nach Deutschland stieg damit im vergangenen Jahr um 32 Prozent. Überdurchschnittliche Zuwachsraten erzielten dabei nicht die klassischen Auswanderungsländer in Ost- und Südosteuropa, sondern die Euro-Länder im Süden Europas, die unter der Finanzkrise und einer Arbeitslosenquote von zum Teil mehr als 50 Prozent leiden.

Die Zahl der Zuwanderer aus Spanien stieg sogar um 45 Prozent beziehungsweise um 9000 Personen. Aus Griechenland (plus 10000) und Portugal (plus 4000) kamen jeweils 43 Prozent mehr, aus Italien (12000) 40 Prozent mehr. Die stärkste Zuwanderungsrate wurde bei der Zuwanderung aus dem kleinen EU-Land Slowenien verzeichnet, die sogar um 62 Prozent stieg. Bei einem Plus von 2000 Zuwanderern fällt das allerdings nicht so sehr ins Gewicht wie etwa der Ansturm aus Spanien.

Nach wie vor hoch ist der Zuzug aus Ländern, die 2004 beziehungsweise 2007 der EU beigetreten sind. So kamen aus Ungarn 13 000 Personen (31 Prozent) mehr als im Vorjahr, aus Rumänien 21 000 (23 Prozent), aus Bulgarien 14 Prozent (7000) und aus Polen acht Prozent (13 000). Insgesamt stammen die meisten ausländischen Zuwanderer aus Polen (68.100), Rumänien (45.700), Ungarn (26.200) und Bulgarien (25.000).

Fakten zum neuen Armuts- und Reichtumsbericht

  • Schere geht auseinander

    Der Graben zwischen Arm und Reich ist tiefer geworden. Auf die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte entfielen 53 Prozent (Stand: 2008, neuere Zahlen liegen nicht vor) des gesamten Nettovermögens. 1998 lag die Quote bei 45 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte besaß zuletzt lediglich gut ein Prozent des Nettovermögens. 2003 waren es drei Prozent. Von 2007 bis 2012 hat sich das Gesamtvermögen der Haushalte trotz der Finanzkrise um weitere 1,4 Billionen Euro erhöht.

  • Der Staat ist ärmer geworden

    Sein Nettovermögen schrumpfte zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro, während es sich bei den privaten Haushalten um gut fünf Billionen Euro mehr als verdoppelte. Zu dieser Entwicklung trug die Privatisierungspolitik aller Regierungen in diesem Zeitraum bei. Die Erlöse aus dem Verkauf öffentlichen Tafelsilbers versickerten in den Haushalten.

  • Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit

    Die „Armutsgefährdungsschwelle“ liegt nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 952 Euro im Monat. Je nach Datengrundlage gilt dies für 14 bis 16 Prozent der Bevölkerung. Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit. Auch für Alleinerziehende ist das Risiko hoch.

  • Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro

    Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stieg und lag zuletzt zwischen 21 und 24 Prozent. Im Jahr 2010 waren 7,9 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Die Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro pro Stunde.

  • Grundsicherung im Alter

    Nur 2,6 Prozent der über 65-Jährigen sind derzeit auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

  • Niedrigste Jugendarbeitslosigkeit

    Die Arbeitslosigkeit sank im Berichtszeitraum auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduzierte sich zwischen 2007 und 2012 von 1,73 Millionen auf 1,03 Millionen oder um mehr als 40 Prozent. In der EU weist Deutschland aktuell die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aus - begünstigt von der Hartz-IV-Gesetzgebung: Seit 2005 müssen Langzeitarbeitslose auch schlecht bezahlte Jobs annehmen. Die Ausweitung von Niedriglohnsektor und atypischer Beschäftigung (Zeitarbeit, Teilzeitarbeit, Minijobs) ging laut Bericht nicht zulasten von Normalarbeitsverhältnissen.

  • Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger schrumpft

    Der Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger an der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung schrumpfte von 9,7 auf 8,2 Prozent. Gab es im Jahresdurchschnitt 2007 noch rund 5,3 Millionen Leistungsbezieher, waren es im Jahr 2012 (Januar bis September) nur rund 4,5 Millionen. Die Zahl der Hartz-IV-Kinder unter 15 Jahren sank von 1,89 auf 1,63 Millionen.

  • Fortschritte beim Bildungsniveau

    Beim Bildungsniveau, das für die Chancen im Arbeitsleben mitentscheidet, gab es ebenfalls Fortschritte: Zwischen 2006 und 2010 sank die Zahl der Schüler ohne Abschluss von 8 auf 6,5 Prozent.

Nach Einschätzung des Migrationsforschers Herbert Brücker ist die Wirtschaftskrise in zweifacher Hinsicht Auslöser für wachsende Zuwanderung. Einstige Zuwanderungsmagneten wie Italien und Spanien verlören in der Krise etwa für Bulgaren und Rumänen an Attraktivität, sagte der Zuwanderungsexperte des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Hinzu komme, dass auch die Zuwanderung direkt aus den Krisenstaaten Griechenland, Italien, Portugal und Spanien drastisch gestiegen sei - nach Zahlen des Statistikamtes vom Dienstag um gut 80 Prozent.

  • 07.05.2013, 10:07 Uhrhagenvontronje

    "Aus Spanien kamen 9000 oder 45 Prozent mehr Einwanderer. Aus Griechenland (plus 10.000) und Portugal (plus 4000) kamen jeweils 43 Prozent mehr, aus Italien (12.000) 40 Prozent mehr. Die meisten ausländischen Zuwanderer stammen aus Polen (68.100), Rumänien (45.700), Ungarn (26.200) und Bulgarien (25.000)." - Alles Leute, die in heimischen Demonstrationen gegen Deutschland und namentlich Merkel protestieren, sie nazifizieren auf Plakaten aber dann...dann..(...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • 07.05.2013, 10:08 UhrRechner

    O-Ton Handelsblatt
    ------------------------
    Deutschland verzeichnet erst seit 2010 wieder einen positiven Wanderungsüberschuss zwischen Zu- und Fortzügen.
    ------------------------

    Sehr witzig.

    Wie war der Wanderungsüberschuss denn zwischen 1960 und 2007?

    Etwa negativ?

    ...

    Mal abgesehen von dem Klippschuldeutsch:

    Ein ÜBERSCHUSS ist immer positiv - ein Saldo kann positiv oder negativ sein.

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • 07.05.2013, 11:05 Uhrundertaker

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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