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Zwei FDP-Spitzen?: Kubicki hält nichts von Niebels Vorstoß

exklusivEigentlich galt als ausgemacht, dass die Liberalen mit Rösler an der Spitze in den Bundestagswahlkampf ziehen werden. Dass daran nun ein prominenter FDP-Mann rüttelt, sorgt für mächtigen Ärger.

Wolfgang Kubicki hält wenig von der Idee, Philipp Rösler im Wahlkampf einen Partner zur Seite zu stellen. Quelle: dpa
Wolfgang Kubicki hält wenig von der Idee, Philipp Rösler im Wahlkampf einen Partner zur Seite zu stellen. Quelle: dpa

BerlinEntwicklungshilfeminister Dirk Niebel (FDP) hat mit seinem Vorschlag, für den Bundestagswahlkampf der Liberalen ein Doppel aus Parteichef und Spitzenkandidat in Betracht zu ziehen, parteiintern harsche Kritik auf sich gezogen. Damit hat sich Niebel indirekt gegen Parteichef Philipp Rösler gestellt. „Niebels Äußerungen lösen bei mir Erstaunen und Kopfschütteln aus“, sagte der Vorsitzende der FDP im schleswig-holsteinischen Landtag, Wolfgang Kubicki, Handelsblatt Online. Der Bundesvorsitzende der Jungen Liberalen (JuLis), Lasse Becker, sagte Handelsblatt Online: „Wir JuLis kommentieren nicht jeden unsinnigen Vorstoß eines unserer Egomanen aus Partei- oder Fraktionsführung.“

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Niebel hatte in einem Interview seinen Vorstoß damit begründet,  dass man auch bei der SPD sehe, dass ein Spitzenkandidat nicht zwingend Parteichef sein müsse. Wahlkampf im Team sei immer eine gute Lösung. „Gewöhnlich gilt aber ein Vorsitzender als potenzieller Spitzenkandidat, es sei denn, es gibt gute Gründe, das anders zu entscheiden“, erklärte der Minister. Niebel betonte aber auch, Fraktionschef, Parteichef und „alle anderen Mitglieder des Präsidiums müssen im Team die Bundestagswahl meistern“.

FDP

Der Vorstoß Niebels wird auch deshalb mit Befremden wahrgenommen, da jüngst er FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle erklärt hatte, dass Parteichef Rösler Spitzenkandidat der Freidemokraten für die Bundestagswahl wird. „Der Vorsitzende ist immer auch Spitzenkandidat“, sagte Brüderle, der als potenzieller Nachfolger Röslers gehandelt wird, der „Welt am Sonntag“. Rösler sei mit 95 Prozent zum Parteichef gewählt worden. Allerdings falle die endgültige Entscheidung auf dem Bundesparteitag im Mai.

Als „Spekulationen von außen“ bezeichnete der Fraktionschef Berichte, nach denen der Ehrenvorsitzende Hans-Dietrich Genscher an einer Doppelspitze mit ihm, Brüderle, als Parteichef und dem nordrhein-westfälischen Vorsitzenden Christian Lindner als Spitzenkandidat arbeite. Genscher trage „engagiert dazu bei, dass wir gemeinsam erfolgreich sind“, fügte Brüderle hinzu.

Großen Rückhalt hat Rösler auch in seinem niedersächsischen Landesverband. Vor wenigen Wochen wurde er auf einem Landesparteitag in Osnabrück mit 88,36 Prozent der Stimmen zum Spitzenkandidaten der niedersächsischen FDP gewählt. 258 Delegierte votierten für den Bundeswirtschaftsminister und 32 gegen ihn. "Das ist ein super Ergebnis. Ich bin total zufrieden", hatte Rösler damals gesagt. Das Votum sei trotz der 32 Nein-Stimmen ein Symbol der Geschlossenheit der Freien Demokraten.

 

  • 29.11.2012, 13:22 Uhr

    Es ist völlig egal, mit welchem Spitzenkandidat diese überflüssige Partei die Wahlen verliert.

  • 29.11.2012, 13:26 Uhr

    Muss schon frustrierend sein, wenn man solange einer Partei angehört und sieht, was jetzt das Spitzenpersonal aus macht. Schön trinken hilft da auch nicht.

  • 29.11.2012, 13:32 Uhr

    Wäre doch toll, wenn Herr Niebel selbst antritt. Mit dem Versprechen, das Amt des Bundeskanzlers abschaffen zu wollen :-D

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