Zwei Jahre Linkspartei
Lafontaine unter Druck

Den Linken geht es derzeit wie vielen Unternehmen: Gewinne? Fehlanzeige. Stimmung? Unterirdisch. Strategie? Heftig umstritten. Zum Jubel besteht kein Anlass bei der Partei, die am Dienstag ihren zweiten Geburtstag feiert. Folgerichtig wird der Gegenwind für Parteichef Oskar Lafontaine immer heftiger.

BERLIN. Am 16. Juni 2007 fusionierten die ostdeutsche PDS und die westdeutsche WASG zur Linkspartei. Heute steht der allmächtige Anführer, Oskar Lafontaine, in der Kritik. Hinter vorgehaltener Hand murren vor allem ostdeutsche Genossen schon lange über die Selbstherrlichkeit des früheren SPD-Chefs. Nun gehen seine Kritiker in die Offensive, weil sie das linke Projekt bedroht sehen.

Sauer sind vor allem Berliner Linke, die dort in der rot-roten Regierung pragmatisch regieren, was Lafontaine aber nicht ins ideologische Konzept passt. Unter dessen Führung sei die Linke „eine fundamentaloppositionelle, in Protest erstarrte, gesellschaftspolitisch in der Ecke befindliche Partei geworden, die sich selbst zum Selbstzweck erklärt“, wettert der Berliner Finanzpolitiker Carl Wechselberg, der sein Parteibuch abgegeben hat. Offenkundig genüge den Menschen Kapitalismuskritik und verbalradikale Anklage nicht. „Sie wollen Konzepte, die im Zweifelsfall ihre Arbeitsplätze sichern“, sagt er. Die penetrante Forderung Lafontaines, seine alte Partei müsse erst wieder sozialdemokratisch werden, bevor man mit ihr gemeinsame Sache machen könne, geißelt Wechselberg stellvertretend für viele andere als „anmaßend und selbstgefällig“.

Dem stimmt auch der Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch zu. Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ sagte er: „Wir müssen alles tun, um mit der SPD auf Landesebene Bündnisse hinzukriegen.“ Es sei falsch, die SPD zum Hauptgegner zu erklären. Die Linke wolle bei den Wahlen in Thüringen, Sachsen und im Saarland Ende August jeweils Regierungspartei werden.

Andere Reformer haben inzwischen entnervt aufgegeben. So flüchtete die langjährige Vize-Parteichefin der PDS, Yvonne Kaufmann, zur SPD. Sie wurde nicht mehr fürs EU- Parlament aufgestellt, weil sie für den Lissabon-Vertrag eintritt.

Seite 1:

Lafontaine unter Druck

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%