Zwei-Klassen-Medizin Krankenkassen sehen SPD-Pläne skeptisch

Die gesetzlichen Kassen unterstützen die Forderung der SPD nach einer Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin. Doch sie lehnen es ab, Ärzten mehr Geld zu zahlen. Damit sind sie sich mit den Privaten überraschend einig.
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Gesetzliche wie private Kassen fürchten höhere Kosten durch die Pläne der SPD. Quelle: dpa
Rollende Arztpraxis in Niedersachsen

Gesetzliche wie private Kassen fürchten höhere Kosten durch die Pläne der SPD.

(Foto: dpa)

BerlinDie Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin in deutschen Arztpraxen zwischen privat und gesetzlich Versicherten dürfte die populärste Zusatzforderung der SPD für die Koalitionsverhandlungen sein. Schließlich hat nahezu jeder gesetzlich Versicherte schon erlebt, dass er auf einen Facharzttermin oder einen Termin für ein Röntgenbild oder ein MRT deutlich länger warten musste als Privatversicherte.

Und dies aus dem einfachen Grund, dass die privaten Kassen den Ärzten deutlich höhere Honorare zahlen als die gesetzlichen. Doch die Umsetzung der Forderung der SPD, durch eine Vereinheitlichung der Honorierung diesen Fehlanreiz zu beseitigen, ist weit schwieriger als sie sich anhört. Das wird nirgends deutlicher als bei der Reaktion der gesetzlichen Kassen auf den Parteitagsbeschluss.

„Unterschiedliche Wartezeiten auf einen Arzttermin von gesetzlich- und privatversicherten Patienten zu beenden, wäre ein echter Fortschritt“, lobte der Vizevorstandschef des GKV-Spitzenverbands, Johann Magnus von Stackelberg, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Doch er fügt sofort ein großes „Aber“ hinzu: „Wenn einheitliche Honorierung bedeutet, dass die gesetzlichen Krankenkassen in Zukunft mehr bezahlen und die privaten Krankenversicherungen weniger, dann lehnen wir das ab.“

Die gesetzlichen Kassen versorgten heute 90 Prozent der Bevölkerung. „Und wir haben dafür 2016 im Durchschnitt 380.000 Euro an jede Arztpraxis gezahlt, obwohl die Mediziner zusätzlich auch noch Privatversicherte behandeln“, so Stackelberg. „Es gibt keinen sachlichen Grund, dass die gesetzlichen Krankenkassen über die jährlichen Honorarsteigerungen hinaus noch mehr Geld an die niedergelassenen Ärzte bezahlen sollten.“ Wir zahlen schon genug ist, lautet die Botschaft der gesetzlichen Kassen.

Zumindest in diesem Punkt besteht dabei zumindest im Ergebnis Einigkeit mit dem Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV). Dessen Vorsitzender Uwe Laue, im Hauptberuf Vorstandschef der Debeka, rechnete im Interview mit dem Handelsblatt vor, dass jede Arztpraxis in Deutschland im Schnitt über 50.000 Euro pro Jahr verlieren würde, wenn die höheren Honorare der Privatversicherten in Zukunft ganz wegfielen. Viele Praxen müssten schließen – mit üblen Folgen für alle Patienten, so Laue.

Wenn SPD-Politiker dies nun dadurch verhindern wollten, dass sie diese Verluste vollständig ausgleichen, indem die Honorare für gesetzlich Versicherte entsprechend erhöht werden, müsste wiederum der Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung steigen, warnt Laue. Für eine leitende Krankenschwester im öffentlichen Dienst wären das leicht bis zu 500 Euro mehr GKV-Beitrag im Jahr. „Sie sehen, die Vereinheitlichungs-Ideologie richtet vor allem Schaden an“, plädierte der Debeka-Chef für die Beibehaltung des Status quo. Mithin stößt die SPD überraschend deutlich mit ihrer Forderung nach einer „gerechteren Honorarordnung“ für Ärzte auf Skepsis sowohl bei den gesetzlichen Kassen als auch bei der PKV.

Aus der Ärzteschaft kamen ähnlich kritische Reaktionen. „Um es deutlich zu sagen: Die medizinische Versorgung der Menschen in Deutschland ist gut. Alle Bürger haben eine qualitativ hochwertige und umfassende Versorgung mit Zugang zu neuesten medizinischen Verfahren – und zwar unabhängig von Versicherungsstatus und Einkommen“, sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung Andreas Gassen. Er warnte davor, mit einer neuen Honorarordnung aus „Ideologie ein funktionierendes Gesundheitswesen auf den Kopf zu stellen und gefährliche Experimente einzugehen“.

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5 Kommentare zu "Zwei-Klassen-Medizin: Krankenkassen sehen SPD-Pläne skeptisch"

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  • Einfach die Beamten in die gesetzliche Krankenkasse zuführen und das Problem löst sich von alleine. Wer dann doch übrig bleibt, kann gerne weiter Privat sein, falls die Privatkasse nicht vorher pleite ist. Aber das würde ja auch alle Politiker treffen und dehalb bleibt es wie es ist.

  • Den 1-fachen Gebührensatz über die Privatversicherten paritätisch abrechnen lassen.

    Das ist Zukunft.

    Und das im Zeitalter der Industrie 4.0

    Da gibt es doch bestimmt andere Themen wie Bürgerversicherung, Familiennachzug. Grundrente.

    Diese Politiker sind leider nicht geeignet das Land in die Zukunft von 4.0 zu führen.

    Dieses Land scheitert schon in der Erziehung und Bildung.

    Der Hochschulreport 2020 von McKinsey kann es uns eigentlich nicht deutlicher zum Ausdruck bringen.


  • Man kann es doch wie in Kuba machen , da werden die Arzttermine mit Dollarnoten
    gemacht ! Funktioniert einwandfrei !

  • Wenn ich als Privatpatient keine Vorteile beim Arzt habe, dann bezahle ich für die Behandlung auch nur noch so viel wie ein Kassenpatient. Mal schauen wie viele Arztpraxen dann nicht mehr rentabel sind und schließen müssen.

  • Sind wirklich nur die höheren Honorare ein Grund für leichtere Terminvergabe an Privatpatienten? Oder könnte es auch daran liegen, dass bei gesetzlich Versicherten für manche Leistungen quartalsweise Kontingente vorgegeben sind, die für privat Versicherte nicht gelten?

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