Zwei Nullrunden für Rentner geplant
Rentenkassen müssen Abstinenz üben

Der Rentenversicherungsbericht der Bundesregierung wagt ein heikles Versprechen: Bis 2020 sollen die Rentenbeiträge nicht steigen. Was noch viel heikler ist: Sie sollen sogar ein bisschen sinken. Für die jetzigen Rentner haben die Rentenexperten jedoch keine guten Nachrichten.

BERLIN. Nach der geplanten Anhebung auf 19,9 Prozent im nächsten Januar soll der Rentenbeitrag sechs Jahre lang konstant bleiben und dann sogar auf 19,3 Prozent fallen, bevor er in der Zeit nach 2020 wahrscheinlich die 20-Prozent-Marke durchstößt. Dies jedenfalls prognostiziert die Bundesregierung nach Informationen des Handelsblatt im Entwurf zu ihrem diesjährigen Rentenversicherungsbericht. Die Rentner müssen sich demnach in den kommenden beiden Jahren erneut auf Nullrunden einstellen, bevor sich für sie 2009 und 2010 jeweils eine Mini-Anpassung von 0,2 Prozent ergibt.

Im Rentenversicherungsbericht muss die Bundesregierung jedes Jahr im November eine Vorausberechnung über die finanzielle Entwicklung der gesetzlichen Alterskassen in den nächsten 14 Jahren vorlegen. Der Bericht 2005 wurde wegen der Bundestagswahl von Sozialminister Franz Müntefering (SPD) erst in diesem März präsentiert. Am 29. November kommt nun die Ausgabe für 2006 ins Kabinett. Sie fußt auf einer Vielzahl von konjunkturellen und demographischen Annahmen. In der Vergangenheit hatten sich die Prognosen oft als zu optimistisch erwiesen. Inzwischen aber, lobte der Vorsitzende des Sachverständigenrates, Bert Rürup, seien die Annahmen ziemlich realistisch.

Die Bundesregierung dürfte den Rentenversicherungsbericht als Bestätigung für ihre Entscheidung lesen, den Beitrag im nächsten Jahr von 19,5 auf 19,9 Prozent anzuheben. Zwar zeigen die aktuellen Zahlen, dass eigentlich 19,7 Prozent ausreichen würden. Ende 2007 erwarten die Beamten nämlich eine Nachhaltigkeitsrücklage von rund 5,6 Mrd. Euro. Das sind zwar 2,7 Mrd. Euro weniger als Ende 2006, aber immer noch 2,4 Mrd. Euro mehr, als gesetzlich erforderlich wäre. Das Polster entspricht rund 0,2 Beitragspunkten.

Doch offenbaren die Berechnungen auch, welche finanziellen Belastungen 2008 drohen. Trotz der Beitragsanhebung auf 19,9 Prozent dürften dann die Rücklagen auf knapp 3,7 Mrd. Euro schmelzen. Ohne das Polster würden die Reserven weit unter die gesetzliche Untergrenze von 3,2 Mrd. Euro stürzen. Nach Berechnungen des Schätzerkreises müsste in der Konsequenz der Beitrag auf 20,1 Prozent heraufgesetzt werden.

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