Zweifel an der Vorgehensweise wachsen
Cap Anamur-Mitglieder bleiben im Gefängnis

Die drei in Italien inhaftierten „Cap Anamur“-Mitarbeiter bleiben vorerst hinter Gittern. Untersuchungsrichter Walter Carlisi hat nach der Haftprüfung am Freitag in Agrigent noch keine Entscheidung gefällt.

HB ROM/FRANKFURT. Bis spätestens Samstag solle feststehen, ob Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel, Schiffskapitän Stefan Schmidt und der Erste Offizier Vladimir Daschkewitsch freigelassen werden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur ANSA.

In der Hilfsorganisation Cap Anamur wachsen die Zweifel an der Vorgehensweise der eigenen Helfer bei der Rettung von 37 afrikanischen Flüchtlingen aus dem Mittelmeer. „Man darf niemals das Unglück und die Lebensrettung, die man betrieben hat, für neue Public Relation gebrauchen oder gar missbrauchen“, sagte Cap-Anamur-Förderkreismitglied Freimut Duve im Deutschlandfunk.

Die ARD hatte von zahlreichen Widersprüchen berichtet. So sei die Landung mit den Flüchtlingen tagelang hinausgezögert worden, damit Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel für einen medienwirksamen Auftritt noch rechtzeitig an Bord habe kommen können. Auch habe es bei der Besatzung Zweifel gegeben, ob es sich bei den Flüchtlingen tatsächlich um Sudanesen handelt. Von Cap Anamur war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Die drei Männer waren festgenommen worden, nachdem sie auf internationalen Druck hin mit den Flüchtlingen im sizilianischen Porto Empedocle hatten anlegen dürfen. Bierdel, dem Kapitän und dem 1. Offizier wird Beihilfe zur illegalen Einreise vorgeworfen, was eine Haftstrafe von mehr als zehn Jahren bedeuten könnte. Nach Angaben aus Justizkreisen stammen die meisten der Afrikaner aus Nigeria und Ghana und nicht aus dem Sudan, der wegen der Vertreibung Hunderttausender Schwarzafrikaner durch arabische Milizen im Westen des Landes derzeit im Blickpunkt der Öffentlichkeit steht.

Dem ARD-Bericht zufolge hätte die Cap Anamur auf ihrer dreiwöchigen Fahrt durch das Mittelmeer mehrfach Gelegenheit gehabt, mit den 37 Flüchtlingen einen Hafen anzulaufen. Weder in der Nähe von Malta noch vor der tunesischen Küste habe die Hilfsorganisation dazu jedoch einen Versuch unternommen. Auf die Frage, warum die Helfer ihre Schützlinge nicht nach internationalen Gepflogenheiten zum nächsten Hafen gebracht hätten, antwortete in dem Bericht ein Besatzungmitglied, die Verzögerung sei nicht normal und durch das Warten auf Bierdel begründet. Zu diesem Zeitpunkt gab es offenbar jedoch bereits Zweifel an der tatsächlichen Herkunft der Flüchtlinge: „Es war klar, dass sie wie immer in diesen Fällen versuchen, eine falsche Staatsangehörigkeit anzugeben“, sagte ein Besatzungsmitglied des Schiffes in dem Beitrag.

Die Hilfsorganisation Cap Anamur hat sich seit den 70er Jahren mit Aktionen für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten einen Namen gemacht. Am Anfang stand die Rettung vietnamesischer Bootsflüchtlinge (“Boat-People“), die über das südchinesische Meer in die Freiheit entkommen wollten. Mehr als 10.000 Boat-People konnten damals aus dem Meer gerettet werden. Später entstand aus dieser Hilfsaktion das Notärzte-Komitee Cap Anamur. Es folgten Einsätze rund um den Globus: Somalia, Uganda, Äthiopien, Sudan, Eritrea, dann Afghanistan, Vietnam und Nordkorea sowie später auch Bosnien, Kosovo und Mazedonien.

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