Zweijährige Ausbildungen sollen Lehrstellenkrise entschärfen
IG Metall blockiert Kurz-Lehre im Betrieb

Neue zweijährige Lehrberufe sollen schwächere Jugendliche vor dem Los des Hilfsarbeiters bewahren und zehntausende neuer Lehrstellen schaffen, hofft die Bundesregierung. Nach jahrzehntelangem Streit zwischen Wirtschaft und Gewerkschaften hat Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) sechs solcher Berufe per ordre de mufti eingeführt – gegen den Willen der Gewerkschaften. Nun versucht vor allem die IG Metall, die „Schmalspurausbildung“ in den Betrieben zu blockieren.

BERLIN. In Nordrhein-Westfalen bietet das KFZ-Gewerbe ab Herbst eine zweijährige Ausbildung zum „KFZ-Servicemechaniker“ an. Sie soll Hauptschüler ansprechen, die „trotz Autobegeisterung keine Chance auf eine dreieinhalbjährige Lehre zum KFZ-Mechatroniker haben“, sagt Dieter Paust, Geschäftsführer des KFZ-Gewerbes in NRW. Das Interesse sei groß, es hätten sich sogar Werkstätten gemeldet, die seit Jahren nicht mehr ausbildeten. Auch der örtliche IG Metall -Bezirkssekretär Torsten Lankau lobt das Projekt als Chance für „Ausbildungsunwillige“.

Die zwölf Daimler-Chrysler-Niederlassungen im Land jedoch machen trotz anfänglichem Interesse nicht mit – auf Druck der IG Metall-Zentrale habe der Daimler-Chrysler-Gesamtbetriebsrat die Beteiligung verhindert, berichtet Paust. In der Stuttgarter Betriebsrats-Zentrale heißt es nur lapidar, zweijährige Ausbildungen seien „keine gute Lösung“.

Der zuständige Mann in der IG Metall-Zentrale hingegen, Klaus Heimann, macht keinen Hehl aus der Stoßrichtung der Gewerkschaft: „Selbstverständlich versuchen wir diese Berufe über die Betriebsräte zu verhindern“, sagt der Abteilungsleiter Berufsbildung. Schließlich habe Clement die insgesamt sechs neuen Berufe „im Dissens erlassen“; und weitere sollen folgen – „damit verlagert sich nun die Ebene der Auseinandersetzung: weg von der Politik, hinein in die Betriebe“.

Vergangenes Jahr hatte Clement das Jahrzehnte gültige „Konsensprinzip“ gekippt, wonach neue Berufe nur im Einvernehmen mit den Sozialpartnern erlassen wurden – zur Freude der Arbeitgeber. Das könnte der Startschuss sein für einen bisher unbekannten Streit in den Betrieben darüber, welcher Ausbildungsberuf genehm ist und welcher nicht. Denn das Machtwort des Ministers soll kein Einzelfall bleiben: Bei der Reform des Berufsbildungsgesetzes will Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) die „Letztentscheidungskompetenz“ des Bundes explizit festschreiben.

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