Zweiter Kofferbombenleger
BKA verspricht schnellen Fahndungserfolg

Die Fahndung nach dem Komplizen des mutmaßlichen Kofferbombenlegers Youssef Mohamad E.H. läuft auf Hochtouren. Das Bundeskriminalamt geht nach eigenen Angaben einer "Fülle von Spuren" nach. Viele davon zeigten ins europäische Ausland und in den Libanon. Doch auch in Deutschland soll es Verbindungen geben. Einem Medienbericht zufolge hat sich ein neues Terrornetzwerk in Nordrhein-Westfalen gebildet.

HB MAINZ. Das BKA rechnet mit einer schnellen weiteren Festnahme im Fall der geplanten Terroranschläge auf zwei Nahverkehrszüge Ende Juli. Nach der Festnahme des ersten Verdächtigen am Samstag sei eine „Fülle von Spuren“ ins In- und Ausland entstanden, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke am Montagabend im ZDF-“heute journal“. Die Behörden suchen nach dem Komplizen sowie Hintermännern des am Samstag in Kiel festgenommenen mutmaßlichen Bombenlegers Youssef Mohamad E.H..

Ziercke sagte, er sei „sehr optimistisch“, dass es einen „schnellen Fahndungserfolg“ geben werde. Die Spuren zeigten nach Deutschland sowie in den Libanon und weitere europäische Länder. Der BKA-Präsident sagte, solange der zweite mutmaßliche Täter nicht gefasst sei, bestehe weiter die Gefahr eines Terroranschlags. Es sei nicht auszuschließen, dass der Gesuchte weiter versuche, die Anschlagspläne in die Tat umzusetzen.

Indes berichtete „Bild“-Zeitung, die beiden Verdächtigen sollen einem Netzwerk angehören, das in Nordrhein-Westfalen zum ersten Mal in Erscheinung getreten sei. Weiter schrieb das Blatt, die Fahnder gingen von Querverbindungen zwischen dem verhafteten Youssef Mohamad E.H. und dem zweiten Täter aus. Beide Männer müssten sich schon früher gekannt haben.

Laut Berliner „Tagesspiegel“ haben Angehörige der Großfamilie von Youssef Mohamad E. H. Verbindungen zu der in Deutschland verbotenen islamistischen Organisation Hisb ut-Tahrir al Islami. Mehrere Mitglieder der Großfamilie würden als „problematisch“ eingestuft, schrieb die Zeitung unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Die Sicherheitsexperten halten es demnach für denkbar, dass der Libanese von Hisb ut-Tahrir al Islami oder von Sympathisanten der Organisation in seiner Familie den Anstoß zur Radikalisierung bekam.

Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble äußerte sich zuversichtlich über einen baldigen Fahndungserfolg. Die Motivlage der beiden Terrorverdächtigen dagegen liege noch im Dunkeln, sagte der CDU-Politiker den ARD-“Tagesthemen“. Die Sicherheitslage sei ernst und Sorgen, dass es zu Anschlägen in Deutschland kommen könne, seien real, sagte Schäuble.

Zur Debatte über die Terrorbekämpfung sagte Schäuble, er rechne damit, dass sich die Zuständigen im Bund und in den Ländern im September über die Einzelheiten der geplanten Anti-Terror-Datei einigen würden. Dann könnten alle relevanten Informationen allen Behörden zur Verfügung gestellt werden. Videoüberwachung sei ebenso ein gutes Element der Terrorbekämpfung, das gezielt ausgebaut werden müsse. Schäuble bat zudem die muslimische Bevölkerung in Deutschland, wachsam zu sein. Die Wiedereinführung der Kronzeugenregelung wäre ein weiteres wichtiges Element der Anschlagsvereitelung, sagte Schäuble.

Youssef Mohamad E. H. soll wie sein Komplize einen Bombenkoffer in einem Regionalexpress deponiert haben; aus technischen Gründen explodierten die Sprengsätze nicht, wie die bisherigen Ermittlungen ergaben. Ziercke sagte, Youssef Mohamad E. H. wollte am Samstag fliehen. Deshalb sei er auf dem Bahnhof festgenommen worden. Wie die Bundesanwaltschaft sowie Schäuble am Montag bestätigten, kam der entscheidende Hinweis zur Festnahme vom libanesischen Militärgeheimdienst. Laut ARD hatte der 21-Jährige sein Bild im Fernsehen gesehen und daraufhin mit seiner Familie im Libanon telefoniert. Das Gespräch sei abgehört worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%