Zweiter Prozess
Hohe Haftstrafe für Ex-Linksextremistin Klump

Das Oberlandesgericht Stuttgart hat die frühere RAF-Terroristin Andrea Klump am Dienstag wegen Beihilfe zu versuchtem Mord zu einer neuen Gesamtfreiheitsstrafe von zwölf Jahren verurteilt.

HB STUTTGART. Bei dem Sprengstoffattentat auf einen Reisbus mit jüdischen Auswanderern aus der Sowjetunion waren vor knapp 13 Jahren in Budapest sechs Menschen verletzt worden. Klump hatte in einem Teilgeständnis eingeräumt, ihren ehemaligen Lebensgefährten Horst Ludwig Meyer logistisch unterstützt zu haben.

Die 47-Jährige hatte nach eigener Aussage Meyers Haushalt geführt, konspirative Wohnungen angemietet und Zugverbindungen in andere osteuropäische Länder erkundet. Bei der Festnahme Klumps im September 1999 in Wien war Meyer erschossen worden.

Die Ermittler konnten Klumps Beteiligung im Jahr 2001 durch eine DNA-Spur auf der Bettwäsche in der Budapester Wohnung nachweisen. Die Ex-Terroristin sitzt bereits seit fünf Jahren in Haft. In die Strafe bezog das Oberlandesgericht Stuttgart am Dienstag eine frühere Verurteilung zu neun Jahren Gefängnis für den Anschlag auf einen Nato-Stützpunkt im spanischen Rota 1988 ein.

Die Bundesanwaltschaft hatte zwölf Jahre Haft gefordert, die Verteidigung plädierte nicht für ein konkretes Strafmaß. Ob Klump das Urteil annimmt, ist nach Aussagen ihres Verteidigers Elard Biskamp noch nicht klar. Auch ein Vertreter der Bundesanwaltschaft äußerte sich nicht zu einem Verzicht auf Rechtsmittel. Klump wurde sowohl wegen versuchten Mordes in mindestens 32 Fällen als auch wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion verurteilt.

Zu Gunsten Klumps wertete der Vorsitzende Richter Udo Heissler das Teilgeständnis, die lang zurück liegende Tatzeit, ihre geringe Tatbeteiligung und ihre Abhängigkeit zu Meyer als „beherrschendes Tatmotiv“.

Die Explosion des mit mindestens 20 Kilogramm Sprengstoff beladenen Autos am 23. Dezember 1991 galt einem Bus mit jüdischen Auswanderern aus der Sowjetunion. Der Sprengsatz detonierte wegen eines Fehlers der Funk-Fernbedienung früher als geplant und traf vor allem ein vorausfahrendes Polizeifahrzeug. Zwei Polizisten wurden schwer, vier jüdische Emigranten leicht verletzt. Zur Tat bekannte sich die palästinensische Terrororganisation „Bewegung für die Befreiung Jerusalems“.

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