Zweites Atomkraftwerk wird abgeschaltet
Aus für AKW Obrigheim

An diesem Mittwoch wird mit dem Meiler im badischen Obrigheim das zweite bundesdeutsche Atomkraftwerk abgeschaltet.

HB OBRIGHEIM/BERLIN. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) nannte die Stilllegung „ein Zeichen für einen Neuanfang“. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sprach von einem „längst überfälligen und viel zu kleinen Schritt in die richtige Richtung“. Vertreter der deutschen Atomkraftlobby sehen hingegen die Kernkraft angesichts der hohen Preise für konventionelle Energie im Aufwind.

Das seit 1968 arbeitende Atomkraftwerk Obrigheim ist das zweite, das nach dem Atomkonsens von Bundesregierung und Energiewirtschaft abgeschaltet wird. Die Stilllegung des niedersächsischen Kraftwerks Stade im November 2003 war für Atomgegner der erste konkrete Schritt zum Ausstieg aus der Atomenergie - die Betreiber hatten dagegen auf wirtschaftliche Gründe verwiesen. Künftig sind noch 17 Atommeiler in Deutschland in Betrieb.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) bezeichnete den Atomausstieg als „wirtschaftspolitische Fehlentwicklung, die dem Arbeitsmarkt und dem Energiestandort schadet“.

Nach Ansicht Trittins ist Obrigheim mit seiner „museumsreifen Technologie“ der übrig gebliebene „Methusalem“ der deutschen Atomkraftwerke. In Deutschland habe ein neues Energiezeitalter begonnen. Auch Transporte zu atomaren Wiederaufarbeitung ins französische La Hague oder ins britische Sellafield seien nur noch bis zum 1. Juli 2005 erlaubt. Deutschland werde damit den Ausstieg aus der Plutoniumwirtschaft vollziehen.

Die FDP-Umweltexpertin Birgit Homburger beklagte eine rund 350 000 € teure „Werbekampagne“ aus Anlass der Abschaltung von Obrigheim als „unverschämte Verschwendung von Steuergeldern“ und „politische Frechheit. Wenn Trittin die Stilllegung schon feiern wolle, solle er dies „aus der grünen Parteikasse“ tun, sagte Homburger der „Heilbronner Stimme“ (Mittwoch).

Das Bundesumweltministerium hatte eine Anzeige in mehreren Zeitschriften geschaltet und 1,3 Mill. Exemplar eines „Magazins zum Abschalten“ zwei Zeitungen beilegen lassen. Das Ministerium wies Homburgers Vorwürfe zurück. Es sei Aufgabe der Bundesregierung, über zentrale Vorhaben wie die „eingeleitete Energiewende“ zu informieren.

Aus dem Atombunker im hessischen Hanau wurden am Montag die letzten plutoniumhaltigen Kernbrennstäbe zur Weiterverarbeitung ins französische La Hague gebracht, wie das Bundesamt für Strahlenschutz am Dienstag mitteilte. Damit lagern in Hanau keine Brennstäbe für den nie in Betrieb gegangenen Schnellen Brutreaktor von Kalkar mehr.

Der Vorsitzende der Kerntechnischen Gesellschaft (KTG), Ralf Güldner, sagte auf einer Tagung in Nürnberg, die Diskussion um eine langfristige Versorgungssicherheit und den Klimaschutz habe die Kernenergie so positiv wie seit Jahren nicht mehr ins Gespräch gebracht.

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