Zweites TV-Duell
Analyse: Prodi punktet

In knapp einer Woche wählen die Italiener ein neues Parlament. Dabei entscheidet sich auch die Zukunft von Ministerpräsident Silvio Berlusconi, die keineswegs sicher ist. Am Montagabend lieferte er sich sein zweites TV-Duell mit Oppositionsführer Romano Prodi – und machte dabei keine glückliche Figur.

HB ROM/DÜSSELDORF. Erst ganz am Ende des TV-Duells kam Berlusconi in Höchstform: In zweienhalb Minuten Schlußplädoyer spulte er einen perfekt einstudierten Fernsehspot ab. Er versprach den Italienern, es werde keine Erbschaftssteuer mehr geben, keine Steuern auf Erspartes und keine Steuer auf das eigene Haus. Mit festem Blick in die Kamera und smartem Lächeln bat er die Italiener um ihre Stimme für seine „Forza Italia“ bei den Parlamentswahlen am Sonntag und Montag. So hat er bereits zweimal Wahlen gewonnen.

Die übrige Sendezeit aber, anderthalb Stunden lang, dominierte der Oppositionskandidat Romano Prodi, der von 1996 bis 1998 bereits Regierungschef war. Wie schon beim ersten Fernsehduell wirkte er souverän und beherrscht und antwortete im Studio des staatlichen Senders RAI konzentriert auf die Fragen von zwei Journalisten. Dem Wirtschaftsprofessor gelang es gut, komplexe Themen wie Staatsdefizit und Kaufkraftverlust allgemeinverständlich zu erläutern. Der amtierende italienische Ministerpräsident dagegen wirkte erst nervös und verkrampft und später aggressiv. An einem Punkt musste sogar Moderator Bruno Vespa, ein erklärter Berlusconi-Freund, eingreifen und den Premier zur Zurückhaltung auffordern.

„Sie sprechen immer nur von der Zukunft. Aber was hat Ihre Regierung denn in den vergangenen fünf Jahren gemacht?“, fragte der frühere EU-Kommissionspräsident Prodi provokant. Berlusconi warf seinem Gegner vor, ständig die Wahrheit zu verdrehen. Wiederholt redete er bei Prodis Ausführungen dazwischen, obwohl dies bei dem Duell verboten war.

Die Zahl der Italiener, die noch nicht wissen, wen sie wählen, ist noch immer hoch – an sie war das TV-Duell gerichtet. Berlusconi hatte nach der ersten direkten Konfrontation mit Prodi selbstkritisch zugegeben, schlechter als dieser abgeschnitten zu haben. Auch eine Blitzumfrage unter 600 Zuschauern hatte ergeben, dass 46,5 Prozent der Befragten Prodi als Sieger sahen, während nur 34,7 Prozent Berlusconi begünstigten.

Diesmal wirkte Berlusconi noch weniger wie ein Sieger. Nicht die Inhalte der Debatte zählten, da bei den Themen Wirtschaft, Schulden, Justiz, Schule, Forschung, Süditalien, Frauen und ganz am Schluß Irak-Krieg keine neuen Positionen zu hören waren. Es war die Art, sich zu präsentieren. Berlusconi ist unschlagbar allein auf einer großen Bühne – im Fernsehstudio musste er wie Prodi strenge Redezeiten einhalten. Das schwächte ihn wie bereits beim ersten Duell am 14. März.

In fünf Tagen fällt die Entscheidung. Umfragen sind per Gesetz verboten, doch ist in italienischen Medien von einem Kopf-an-Kopf-Rennen die Rede. Nach dem zweiten TV-Duell am Montagabend ist für Berlusconi ein neuerlicher Sieg noch etwas weiter weggerückt. Prodi hat gepunktet.

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