Zwickel tritt ab
Peters soll IG Metall doch führen

Mangels eines anderen Kandidaten soll der umstrittene IG-Metall-Vize Jürgen Peters nun doch die Gewerkschaftsführung in einem „Tandem“ mit dem baden-württembergischen Bezirksleiter Berthold Huber übernehmen. Aus Protest erklärte der scheidende Gewerkschaftschef Klaus Zwickel seinen sofortigen Rücktritt.

HB/rtr STUTTGART/FRANKFURT. Zwickel sagte am Montag in Frankfurt, er habe am Wochenende erfahren, dass dem Vorstand und dem Gewerkschaftstag „jetzt doch wieder die Tandemlösung vorgeschlagen werden soll“, die vor zwei Wochen bereits gescheitert schien. „Heute muss ich feststellen, dass es einen - auch personellen - Neuanfang, den ich dringend für notwendig halte, so nicht geben wird.“ Daher trete er sechs Wochen vor dem Ende seiner zehnjährigen Amtszeit zurück. Das Reformer-Lager hatte keinen Kandidaten gefunden, der gegen den umstrittenen Hardliner Peters antreten wollte. Peters und Huber verteidigten ihren überraschenden Schulterschuss. Der Vorstand berät am Mittwoch über den Besetzungsvorschlag und will danach für Ende August einen vorgezogenen Gewerkschaftstag einberufen, der den neuen Vorstand wählen soll. An der Basis regten sich Zweifel, ob die Entscheidung, wie von Peters und Huber erhofft, für Ruhe in der Gewerkschaft sorgen wird.

Peters und Huber hatten sich auf Initiative des Stuttgarter Bezirksleiters in der vorigen Woche mehrmals getroffen. „Unser Vorschlag, unsere Gespräche sind von dem gemeinsamen Willen getragen, die Spannungen aus der Organisation zu nehmen und sie wieder in ruhiges Fahrwasser zu führen“, erklärte Peters, der dem traditionalistischen Flügel der IG Metall zugerechnet wird. „Ziel dieser Gespräche war, die IG Metall nicht weiter in eine innere Zerreißprobe zu treiben und ihr Handlungsfähigkeit zu erhalten“, teilte Huber mit.

Ein zwischen Peters und Huber ausgehandeltes Papier soll in Zukunft Alleingänge des künftigen Vorsitzenden verhindern, wie es in Gewerkschaftskreisen hieß. Der als Reformer geltende Huber werde als Stellvertreter auch für Tarifpolitik zuständig sein. In der Sitzung des 41 Mitglieder zählenden Hauptvorstands wird in Vorstandskreisen eine „satte Mehrheit“ erwartet. Huber dürfte einem Stuttgarter IG-Metall-Sprecher zufolge der einzige Neuling in der künftigen siebenköpfigen Gewerkschaftsspitze sein.

Reformern liefen die Kandidaten weg

Versuche, eine Vorstandsriege unter Führung des Reformlagers zu bilden, waren gescheitert. „Letzten Endes war kein Kandidat mehr da“, sagte der Sprecher in Stuttgart. Alle Kandidaten für den Vorsitz hätten abgelehnt. Huber hatte sich anders als viele Betriebsräte und Funktionäre aus der Debatte herausgehalten und nie öffentlich Peters' Rücktritt gefordert. Das im April im Vorstand beschlossene Tandem schien gescheitert zu sein, als Huber den Verzicht auf ein Amt im Vorstand erklärt hatte.

In Kreisen der Reformer hieß es, der Druck der Basis habe den Ausschlag für das Duo gegeben. „Wenn dadurch Ruhe im Laden einkehrt, trägt man das mit Murren“, sagte ein Gewerkschafter. Dennoch säten einflussreiche Funktionäre weiter Zweifel: „Ich bin stinksauer“, sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück. Der IG Metall habe der Mut gefehlt. „Es ist wieder einmal alles nur übertüncht worden“, sagte ein hochrangiger Funktionär.

"Er hätte etwas anderes verdient

Der Berliner Gewerkschaftsexperte Hans-Peter Müller sagte, Zwickel sei vollständig gescheitert. „Der letzte Dienst, den er seiner Gewerkschaft erweisen wollte, nämlich einen Vorsitzenden Peters zu verhindern, war nicht möglich“, sagte der Professor der Fachhochschule für Wirtschaft. Peters sei jetzt der starke Mann in der Gewerkschaft. „Die Betonfraktion hat die Vormacht, und die so genannten Modernisierer die Aufgabe, das Schlimmste zu verhindern“, fügte er hinzu. Zwickel hatte zuvor seine Kritik an Peters erneuert. Dieser trage zusammen mit Streikleiter Hasso Düvel die Verantwortung für den verlorenen Arbeitskampf.

Mit einem „Weiter so“ erreiche die IG Metall immer weniger Angestellte und junge Arbeitnehmer, warb Zwickel noch einmal für seinen gemäßigten Kurs. Peters war bereits gegen Zwickels Willen zu dessen Stellvertreter aufgestiegen. Führende Gewerkschafter bedauerten Zwickels Abgang. „Er ist bitter enttäuscht und hätte etwas anderes verdient“, erklärte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Peters sagte: „Ich bedauere sehr, dass wir unter solchen Bedingungen auseinander gehen müssen.“

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Martin Kannegiesser, würdigte Zwickel „wegen seines Stils, wegen seiner Offenheit und seiner Erfahrung“. Er hoffe auf einen unbelasteten Neubeginn mit der neuen IG-Metall-Führung. Zwickel hatte sich bei Kannegiesser ausdrücklich bedankt.

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