"Zwielichtige Figur"
Wilders-Auftritt in Berlin alarmiert deutsche Politik

Politiker aller großen deutschen Parteien haben den Auftritt des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders in Berlin verurteilt. Verteidigungsminister zu Guttenberg nannte den Niederländer einen "Scharlatan", Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger sprach von einer "zwielichtigen Figur aus den Niederlanden". Wilders war auf Einladung einer neuen Rechtspartei in die Hauptstadt gereist.
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HB BERLIN. Vertreter von Regierung und Opposition haben den Auftritt des niederländischen Rechtspopulisten Geert Wilders in Berlin scharf kritisiert. Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger verwahrte sich gegen "Ratschläge von zwielichtigen Figuren aus den Niederlanden". Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg rief zur Wachsamkeit vor Rechtspopulisten wie Wilders auf, den er als Scharlatan bezeichnete.

Der Rechtspopulist, auf dessen Duldung die künftige niederländische Minderheitsregierung angewiesen ist, hatte am Samstag in Berlin für seine islamfeindlichen Thesen geworben. Auch Deutschland brauche eine politische Bewegung, die seine Identität verteidige und sich der Islamisierung des Landes entgegenstelle, sagte er. Deutschlands nationale Identität, seine Demokratie und Wohlstand sei durch die politische Ideologie des Islam bedroht.

"Wir sind nicht wie Frau Merkel, wir akzeptieren die Islamisierung nicht", sagte er unter dem Applaus von rund 500 Zuhörern. Wilders war auf Einladung der neugegründeten Partei Die Freiheit nach Berlin gekommen. Leutheusser-Schnarrenberger erklärte, der Islam dürfe nicht mit Islamismus gleichgesetzt werden. Es gehe darum, die positiven Kräfte des Islam zu stärken. "Rechtspopulistische Angriffe auf Teile unserer Bevölkerung spalten dagegen unsere Gesellschaft."

Guttenberg sagte, die Politik müsse bestehende Probleme in einer Gesellschaft offen ansprechen und aufgreifen. "Ich sage das mit Blick auf jene Scharlatane, die dieser Tage herumturnen", sagte der CSU-Politiker. "Diese Typen sind alle gleich, ob sie Le Pen heißen, Wilders oder Haider heißen", sagte Guttenberg auf einer Veranstaltung der Jungen Union in Berlin in Anspielung auf die Rechtspopulisten aus Österreich und Frankreich. In Europa schlage die Stunde dieser Rechtspolitiker "relativ schnell und relativ gewaltig". Ausdrücklich warnte der CSU-Politiker deshalb davor, angesichts der berechtigten Kritik an dem umstrittenen SPD-Politiker Thilo Sarrazin dessen Thesen zu leicht abzutun.

Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin nannte den Auftritt von Wilders einen Affront gegen die weltoffene Tradition Berlins, wo Hundertausende Muslime lebten. "Wir müssen allen Versuchen von eitlen Rechtspopulisten und islamophoben Eiferen Einhalt gebieten, diese Mitbürger auszugrenzen und zu diffamieren", sagte er der Zeitung "Sonntag aktuell".

Kommentare zu " "Zwielichtige Figur": Wilders-Auftritt in Berlin alarmiert deutsche Politik"

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  • Wieder einmal versucht unsere geschliffene Medienlandschaft ihrem p.c.-Auftrag gerecht zu werden: "Zahlreiche Proteste gegen Wilders!" ?????
    ich war vorort: Das Hotel berlin war mit über 500 Gästen bis auf den letzten Platz prall gefüllt! Draußen auf der Straße verloren sich gerade mal knapp 40 unbelehrbare linke Antifa-Hansel. - Die Zustimmung überwiegt! Meine Damen und Herren: Seriöse berichtserstattung sieht anderst aus!
    Klasse Veranstaltung! Viel Glück Herr Wilders! Viel Glück Rene Stadtkewitz!

  • Man sollte Wilders durchaus kritisch werten. Das gehört zum demokratischen Grundkonsens. Dennoch stellt sich die Frage, ob die dt. Empörung positives bewirken kann. Die Medien berichteten in den letzten Tagen, dass Ostdeutschen auch nach 20 Jahren des gemeinsamen Weges der angemessene Zugang in staatliche Spitzenpositionen faktisch verwehrt ist. in Frankreich, Niederlanden, Schweiz und Österreich dürfte die dt. Kritik von Diskriminierung deshalb eher Verwunderung als Zuspruch auslösen.

  • Danke Geert Wilders! ........ und vor allem Danke an unsere etablierten Kollektiv-Verdränger! Habe keine andere Reaktion erwartet! Wieder einmal nichts, aber auch gar nichts aus der Sarrazin-Debatte gelernt! Solange weiterhin die schleichende islamisierung und Volkes Stimme ignoriert und als Minderheit-Meinungen abgetan werden, solange der bundespräsident am Tag der Deutschen Wiedervereinigung nichts besseres zu tun hat, als den isalm zu hofieren und uns Deutsche auf einen Multi-Kulti-Staat einzuschwören, ja dann sind wir auf dem besten Wege endlich eine neue freiheitliche Partei den Weg in die Parlamente zu eben! Und das ist gut so!

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